Sports Day

Sports Day

In regelmäßigen Abständen finden in Titus‘ Kindergarten größere Events statt. Kunstausstellungen, Umwelttage, Vorführungen sind über’s Jahr verteilt, und seit Wochen wird nun für den heutigen Freitag der „Sports Day“ angekündigt. Beinahe täglich trudeln im Vorfeld Erinnerungs-Mails ein, denn natürlich sollen die Eltern sich den Vormittag freinehmen und mit dabei sein, es gibt Vorschläge zur korrekten Kleidung (Sportschuhe) und Hinweise zur Ausrüstung (Wasserflasche, Sonnencreme, Sonnenhut) – die Kinder sind schon Tage vorher aufgeregt.

Ich selber bin ja Bundesjugend-Spiele-geschädigt und weiß nicht so recht, was mich im eher kompetitiven Singapur erwartet. Titus jedenfalls ist begeistert, dass ich ihn am Morgen in den Kindergarten begleite, akribisch überwacht er meine Kleiderwahl und erklärt mir zigmal den Ablauf des Vormittags. Im Kindergarten angekommen, herrscht Trubel, jedes der etwa 80 Kinder der Nursery2-Klassen wird schließlich von mindestens einem Elternteil – in vielen Fällen sogar von beiden Eltern inklusive jüngerer Geschwister, Großeltern und ggf. Nanny – begleitet. Die Erzieher haben ein wenig Mühe, sich Gehör zu verschaffen, doch endlich sind alle Gruppen geordnet und werden im Garten von der Kindergartenleiterin Tina lautstark begrüßt. Sehr amerikanisch heizt sie in ihrer Ansprache ein, und kurz darauf geht es los: sechs Stationen müssen absolviert werden. Das ganze wird untermalt von ohrenbetäubend lauter Disco-Musik aus dem Lautsprecher, und zu „Gangnam Style“ klettern die Kids begeistert über den Parcour, der am großen Sandkasten aufgebaut wurde.

Bei der zweiten Station soll um die Wette gehüpft werden, als Belohnung winkt ein Stück Wassermelone – Titus, der keine Melone mag, versteht den Sinn des Spiels nicht so recht und bricht in Verzweiflungstränen aus, bis ich ihm erkläre, dass er mithüpfen darf, ohne die Melone essen zu müssen. Die Kinder sind merklich überdreht, das steigert sich im Lauf der nächsten 90 Minuten zunehmend, und am Ende sind einige sehr nah am Wasser gebaut bzw. weichen nicht mehr von der Seite ihrer Eltern. Diese sind eigentlich „nur“ zum Anfeuern und Fotografieren da, doch spätestens an der Station „Tauziehen“ verlangt der Sportlehrer des Kindergartens den elterlichen Einsatz, und beim Match „Mütter vs. Väter“ ist die Stimmung bestens. Klar, wer gewinnt, oder? Schließlich sind an so einem Werktag die Frauen in der Überzahl…

Nach einer Runde auf dem Hüpfball und Luftballon-Balancieren sind die Kinder und Erwachsenen völlig verschwitzt, denn gerade heute ist es besonders stickig und schwül, und deshalb ist es auch gar nicht schlimm, dass beim abschließenden „Hockey“ die Erzieher die Kinder mit Wasserpistolen „aus der Bahn werfen“ wollten.

Ganz am Ende steht natürlich die feierliche Siegerehrung; die Leiterin überreicht jedem Kind eine Medaille mit einem Foto des Kindes darauf, und Titus legt diese „medal“ dann auch den ganzen Tag nicht mehr ab, so stolz ist er darauf. Um 11 Uhr ist der Sports Day vorbei, und es wird nahe gelegt, die Kinder mit nach Hause zu nehmen, was sich Titus natürlich nicht zweimal sagen lässt.

Ich bin übrigens sehr angetan davon, wie perfekt dieses Sportereignis organisiert wurde – straff, ohne Wartezeiten, bestens ausgestattet und mit klaren Ansagen. Auch die Kinder wussten stets genau, was sie zu tun hatten, halfen ohne besonderen Hinweis beim Aufräumen und waren zwar hinterher ziemlich erledigt, hatten aber sichtlich Spaß.

Zuhause packen wir in Windeseile die Koffer, verputzen Reste aus dem Kühlschrank und steigen nach dem Mittagessen auch schon ins Taxi Richtung Flughafen. Dort wird Titus beim Check-In natürlich sofort auf seinen morgigen Geburtstag angesprochen, aber noch mehr Aufmerksamkeit erregt natürlich seine Medaille, die mit ins Flugzeug muss.

Um 17:30 Uhr landen wir auf Langkawi – ziemlich routiniert bewegt sich Titus zwischen Passkontrolle, Kofferband und Taxi, Reisen ist für ihn wirklich eine Selbtverständlichkeit. Ein wenig altklug kommentiert er auf der kurzen Autofahrt eine mit Wasser bedeckte Wiese mit: „Schau mal, ich glaube, da wächst Reis!“… Wir checken im sehr schicken Hotel „Meritus Pelangi Beach Resort“ ein und erhalten aus unerfindlichen Gründen ein Upgrade. Nun sitzen Norman und ich auf der Terrasse unserer Suite direkt am Strand, das Meer rauscht, es hat lauschige 28 Grad draußen und das einzige, was ein wenig stört, sind die Flugzeuge direkt über unseren Köpfen. So lässt es sich aushalten!

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