Göttliches Bali – Amed und Ubud

Göttliches Bali – Amed und Ubud

Der neue Tag in Amed beginnt ähnlich früh, doch dank Ohrstöpsel können wir einigermaßen schlafen, zumindest solange, bis Regina sich um 6 Uhr zur Yogastunde begibt und ich mich kurz darauf aus dem Bett quäle und meine Tauchausruestung zusammensuche. Die Kamera hatte ich am Tag vorher noch ausgiebig mit Leitungswasser ausgespült, trotzdem sind eindeutig noch Salzwasser- und Sedimentreste im Inneren zu erkennen. Ich fürchte, die ist nicht zu retten.

Egal, ich freue mich trotzdem, als ich pünktlich um 8 Uhr von einem EuroDive-Mitarbeiter abgeholt werde. Der steht aber mit dem Motorroller vor der Tuer, also steige ich mitsamt Flossen und Tasche auf und wir düsen – natürlich ohne Helm – zu einem etwa fünf Kilometer entfernten Kuestenabschnitt. Die Fahrt ist herrlich, ich fühle mich fuer einen kurzen Moment wie eine waschechte Aussteigerin, genieße den Fahrtwind und die Morgensonne im Gesicht und winke den Kindern zu, die vorne auf den Motorrollern ihrer Eltern sitzen.

Am Strand angekommen, treffe ich auf Tauchlehrer Moon und vier nette Mittaucher, gemeinsam begeben wir uns ins Wasser, gar nicht so einfach zwischen all den am Ufer liegenden balinesischen Fischerbooten mit ihren Stabilisierungs-Hoelzern.

Direkt nach dem Abtauchen stossen wir auf das japanische Schiffswrack, das hier unter seit dem Zweiten Weltkrieg unter Wasser liegt. Dieses ist aber bereits so verrottet, dass es kaum noch zu erkennen ist. Auch hier tummeln sich Fische, Korallen, Schnecken und alle Arten Meeresbewohner, ebenso bei unserem zweiten Tauchsgang in der Lipah Bay. Ich tauche mitten durch riesige Schwaerme hindurch, die Fische sind nur Zentimeter entfernt und sind völlig unbeeindruckt – trotz Atemgeraet und Tauchmaske ist mein seliges Grinsen zu erkennen. Auch meine Mittaucher sind glücklich, wir machen uns per Handzeichen gegenseitig auf besondere Fische und Getier aufmerksam, und dank meiner tollen neuen Fisch-Bildchen (www.fishslates.com), die ich in meiner Tasche dabei habe, können wir nach dem Tauchgang noch einmal genau nachvollziehen, was wir da unter Wasser alles gesehen haben.

Nach einer Dusche und dem Auswaschen der Ausruestung geht es ans Bezahlen – vier Tauchgaenge inklusive Equipment und Transport haben mich knapp 90 Euro gekostet – ein echter Superpreis fuer so ein Erlebnis. Kurz darauf werde ich zurück zur Unterkunft gefahren, diesmal mit dem Auto – nicht ganz so abenteuerlich, dafür etwas komfortabler.

Nun steht seliges Nichtstun auf dem Programm, Regina und ich liegen am Pool, lesen, quatschen und dösen. Am Nachmittag spazieren wir ins Dorf und an den Strand, dort tummeln sich Licht der tiefstehenden Sonne sämtliche Dorfkinder in den Wellen, Hennen scheuchen ihre Kueken umher, herrenlose Hunde liegen in Rudeln im Sand und ein Mann führt sein Hausschwein zum Wasser, wo sich das Tier mit sichtlichem Wohlbehagen in den Fluten suhlt.

Wir trinken einen Cocktail aus höllisch starkem, balinesischem Palmenschnaps (Arrak), und kehren nach einem Abendessen bei völliger Dunkelheit zurück ins Kelapa Cottage: froh, uns nicht auf der löchrigen Strasse die Knoechel verstaucht zu haben oder von Rollerfahrern überfahren worden zu sein.

Da ich am nächsten Morgen keinen Tauchgang geplant habe, gehe ich tapfer gemeinsam mit Regina ins Yoga, um kurz vor 6 Uhr ist es noch stockdunkel, die Haehne haben uns aber natürlich schon längst wieder geweckt. Es folgt ein mehr als zweistündiger Yoga-Unterricht, der mich körperlich sehr an meine Grenzen bringt. Da es sich um eine Stunde im Rahmen einer Yogalehrer-Ausbildung handelt, stehen gleich mehrere Assistentin daneben, um sofort zu korrigieren und Hilfestellung zu geben – mogeln ist also kaum möglich. Und so schön die Atmosphaere in der nach allen Seiten offenen Huette ist, während die Sonne aufgeht, bin ich am Ende doch sehr erleichtert und spüre jetzt schon den kommenden Muskelkater.

Nach Fruehstueck und Packen geht es mit Auto und Fahrer los Richtung Sueden, auf dem Weg legen wir einen kurzen Stop beim Tirta Ganga-Wassertempel ein. Dieser wurde 1963 durch den grossen Vulkanausbruch zerstört, und seit dem Wiederaufbau wird er nicht mehr als Tempel, sondern als Naherholungsstaette genutzt, inklusive Schwimmbad. Wir finden einen wunderschönen Park mit Teichen, in denen sich Koi-Karpfen tummeln, Steinfiguren, verborgenen Wandelgaengen, Seerosen und Wasserspielen vor. Von dort hat man einen wunderbaren Blick ueber die umgebenden Reisfelder und Berge, und zu dieser Vormittagsstunde ist die Temperatur mehr als angenehm dort – kein Vergleich zu Singapur!

Nach weiterer gut 90minuetiger, teilweise halsbrecherischer Fahrt durch Doerfer erreichen wir endlich Ubud, das sich durch Verkehrschaos bereits 5 Kilometer vorher ankündigt. Daran kann ich mich vom letzten Besuch im Dezember noch bestens erinnern.

Zum Glueck liegt unser Hotel, das Ubud Aura Retreat, etwas versteckt in einer kleinen Seitengasse, und es ist herrlich ruhig dort. Wir beziehen unser riesiges Zimmer und machen uns auf, um die Stadt zu Fuß zu erkunden. Der Gehweg ist so löchrig, dass es gemeingefährlich ist, mal eine Sekunde nicht darauf zu achten, wohin man seinen nächsten Schritt setzt.

Nur Zentimeter daneben brettern Motorroller und Autos an uns vorbei, und da der Gehweg so schmal ist, ist nur Gaensemarsch möglich. Das ist anfangs nervig, aber bald gewöhnt man sich daran und so haben wir Zeit, die Schaufenster der vielen, vielen kleinen Boutiquen, Galerien und Geschaefte zu betrachten. Es kommt, wie es kommen muss: wir verfallen in eine Art Kaufrausch. Ganz harmlos beginnt es mit ein paar Mitbringseln, zwei hübschen Schalen aus Kokosnuss, wiederverwendbaren Bambus-Strohhalmen. Mitten in Ubud geraten wir dann in die Marktstaende hinein, und ab da füllt sich unsere Tasche mit Schnickschnack. Zehenringe, Armbaender, eine typische Urlaubshose fuer Regina, Seife,… – alles sehr hübsch und ein bisschen anderns als der übliche Touristen-Kram. Nach einem stärkenden Abendessen erstehen wir in einem tollen Schuhladen noch Ledersandalen in Gold bzw. Silber und können uns gerade noch davon abhalten, eine sauteure Yoga-Mala-Kette aus Jadesteinen zu kaufen. Zu unserem Glueck ist es bereits dunkel und die meisten Geschaefte schliessen, so dass wir wohl oder übel  ins Hotel zurückmüssen. Die Spiritualität dieses Ortes scheint sich halt auch im Shoppingwahn niederzuschlagen, denn alle, denen wir unterwegs begegnen, sind mit Einkaufstaschen und -tüten beladen!

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