Ein Geburtstagskind auf Langkawi

Ein Geburtstagskind auf Langkawi

Titus wacht am Morgen auf, und ich flüstere ihm ins Ohr: „Weißt Du, welcher Tag heute ist?“ Er ruft freudestrahlend: „Mein Geburtstag!“ – zum Glück ist das Kind kein Morgenmuffel, sondern immer sofort 100% fit, genau wie ich, und gemeinsam schaffen wir es, auch Norman aufzuwecken, schließlich gibt es was zu feiern.

Mit Stolz zieht das Geburtstagskind das neue T-Shirt mit der großen „4“ auf der Brust an, das is ja inzwischen schon Tradition. Als wir im hoteleigenen Frühstückssaal ankommen, stehen bereits die Kerzen auf dem Tisch und ein paar Geschenke liegen daneben. Kurz darauf marschiert auch noch eine Abordnung des Hotelpersonals mit Kuchen und Kerze an und singt ein Geburtstagsständchen – Titus weiß gar nicht, wie ihm geschieht! Schnell sind die Kerzen ausgepustet, und vor dem Auspacken muss noch schnell eine Portion Müsli verputzt werden, Essen geht bei Titus immer vor!

Die Geschenke sind dann schnell ausgepackt, erstaunt wird das neue Ipad bestaunt, und das lila Wut-Minion geknuddelt. Doch dann ist Zeit für den Strand. Die Regenzeit in sichtlich im Anmarsch, immer wieder regnet es vormittags leicht, doch es bleibt warm genug, um trotzdem weiter im gigantischen Pool zu baden oder im Sand zu buddeln. Vom Frühstücksbüffet haben wir ein paar Waffeln entwendet, damit füttern wir Titus durch, zum Mittagessen gibt es eine heiße Nudelsuppe aus der Tüte, zum Glück ist das Kind da selbst am Geburtstag recht anspruchslos. Für ihn ist heute sowieso nur so ein halbwichtiger Tag, schließlich freut er sich viel mehr auf seine große Kindergeburtstagsparty, die am kommenden Wochenende in Singapur stattfinden wird!

Um 14 Uhr steigen wir ins Taxi, unser jugendlicher Fahrer reiht sich in den Stau durch den Ort ein. Ganz Langkawi scheint eine einzige Baustelle zu sein, und es dauert, bis wir unser gut 30 km entferntes Ziel erreichen: den Kilim Geoforest Park im Nordosten der Insel.

Dieser Nationalpark, UNESCO-Weltnaturerbe, umfasst ein Areal von über 100 km², bestehend aus Mangrovenwälder, Sumpfgebieten und 104 Inselchen. Wir besteigen am Parkeingang ein kleines Boot und fahren auf dem namensgebenden Kilim-Fluß ein paar Minuten zur nächsten Anlegestelle. Dort bekommen wir eine Taschenlampe ausgehändigt und wandern über einen befestigten Weg, der uns über die undurchdringlichen Luftwurzeln der Mangrovenbäume führt, bis zur Fledermaushöhle. Diese heißt nicht nur so, drinnen hängen über unseren Köpfen tatsächlich viele hundert faustgroße Fledermäuse von der Decke. Es stinkt ziemlich, die Fledermäuse quieken, wenn wir den Strahl der Taschenlampe auf sie richten, und Titus findet die stockdunkle Höhle ein bisschen gruselig. Es tropft von der Decke, zum Glück scheint es sich dabei nur um Wasser zu handeln, dass über tausende von Jahren Stalaktiten und Stalagmiten in den Karsthöhlen geformt hat. Das Kind interessiert sich nur mäßig für diese geologischen Sehenswürdigkeiten und besteigt freudig unser Boot.

Weiter geht die Fahrt auf dem Fluß, vorbei an Mangroven, über deren Wurzeln Affen turnen. Titus‘ einstige Unerschrockenheit ist in den letzten Wochen zunehmend abhanden gekommen, der Satz „Es gruselt mich“ gehört inzwischen zum Alltag bei uns, und nun findet er, dass der Bootsfahrer „viel zu schnell“ fährt. Da der Junior ja des Englischen mächtig ist, findet er auch gar nichts dabei, dem Kapitän seine Meinung zu dessen Fahrweise mitzuteilen. Das hindert den jungen Mann aber nicht, weiterhin kräftig Gas zu geben, während wir Richtung offenes Meer fahren. Leider löst sich dabei ein Teil der Sitzbank und saust direkt in Titus‘ Gesicht, was ihm eine dicke Beule an der Stirn beschert und ihn in seiner Meinung bestärkt, dass zu schnelles Fahren gefährlich ist. Das sieht dann auch der Mann am Steuerrad ein…

Schwärme von Seeadlern bedecken den Himmel und sausen herunter, um Fische aus dem Fluß zu fangen, von denen es reichlich zu geben scheint.

Wir machen einen Besuch bei einer der vielen Fisch-Farmen, die auf schwimmenden Plattformen am Flußufer angesiedelt sind, und bekommen dort eine kleine Führung. Titus zeigt sich sehr besorgt, als der riesige Rochen dem jungen Fischzüchter aus der Hand frisst, die gut 50 kg schweren Welse und Barsche mit ihren bedrohlich großen Mäulern und Zähnen sind da aber ungleich aggressiver. Dankend lehnen wir das Angebot ab, uns zum Mittagessen einen der Beckenbewohner auszusuchen, und fahren lieber mit dem Boot noch ein wenig durch den Nationalpark.

Als wir am späten Nachmittag zurück im Hotel sind, läuft mein Telefon heiß: so viele Gratulanten schicken Sprach-/Video- und Textbotschaften oder rufen an, ich bin wirklich gerührt, wie viele unserer Freunde und natürlich der Familienmitglieder an den Sohnemann denken. Ganz viel Liebe!!!

Titus ist da aber eher kurz angebunden, schließlich muss er dringend am Strand ein Loch mit den Mädchen aus dem Zimmer nebenan buddeln, die ganze Aufregung um ihn kann er nicht so recht nachvollziehen.

Zur Feier des Tages – und nachdem der Sand einigermaßen erfolgreich abgewaschen wurde – stoßen wir mit einem (Frucht-)Cocktail zum Sonnenuntergang am Strand miteinander an, essen sehr kinderfreundlich eine Pizza zu Abend und verfrachten das ziemlich erledigte Kind um 22 Uhr endlich ins Bett.

Beim Einschlafen lasse ich noch einmal – wie wahrscheinlich die meisten Eltern – den Tag von Titus‘ Geburt vor vier Jahren Revue passieren, und schlafe mit dem Gedanken ein, wie froh ich um jede Sekunde bin, die wir miteinander verbringen durften, und wie sehr ich mich auf die kommenden gemeinsamen Momente freue!

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