Ballett und Absacker mit Aussicht

Ballett und Absacker mit Aussicht

Regina kränkelt ein wenig, die ständigen Temperaturwechsel von über 30 Grad draußen (Singapur steckt in einer Hitzewelle) auf unter 18 Grad in geschlossenen Räumen fordern ihren Tribut, und so machen wir uns am Mittwoch einen äußerst gemütlichen Tag zuhause.

Das passt ganz gut, denn nachdem wir mit unserer letzten Putzfee schon wieder einige Problemchen hatten – sie hat mehrmals einfach am selben Tag abgesagt, macht immer weniger gründlich sauber und hat sowohl unseren Holztisch als auch ein paar von Normans Hemden zerstört – habe ich mal wieder die Online-Community bemüht, um endlich eine bessere Alternative zu finden. Das FB-Netzwerk der Nachbarschaft funktionierte bestens, innerhalb weniger Stunden hatte ich diverse Empfehlungen, und so marschieren gegen 9 Uhr gleich zwei Damen einer Reinigungsfirma bei uns ein und legen los. Währenddessen erledigen Re und ich ein paar Computerdinge, aber nur solange, bis sich die Hauptsicherung verabschiedet und wir „ohne WLAN“ dasitzen. Komisch, das passiert nun schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen, beim letzten Mal war aber ja offenbar das durchgeschmorte Netzteil vom PC schuld. Aber diesmal?

Nun ja, nachdem die Sicherung wieder drin ist, funktioniert alles bestens und wir daddeln mit Titus am Nachmittag zuhause herum, machen eine Runde Kinder-Yoga vor dem Fernseher, schauen eine Folge „Pumuckl“ und lassen es ruhig angehen. Das Kind ist nach einem größeren Zusammenstoß am Morgen im Kindergarten ziemlich kaputt und ein kleines Veilchen ziert sein linkes Auge…

Am Abend dann raffen wir uns auf und werfen uns in die Ausgehklamotten – nach einem obligatorischen Gläschen Sekt geht es ins Theater, das Petersburger Staatsballett ist momentan auf Asien-Tournee und beehrt Singapur mit einer Aufführung von „Schwanensee“.

Für Ballettfan Regina natürlich der Himmel auf Erden, und auch mich zieht die Inszenierung in ihren Bann. Leider kommt die Musik vom Band und ist so schlecht ausgesteuert, dass es permanent knackt und rauscht in den Lautsprechern, zum anderen frieren wir nach dem ersten Akt bereits und in der Pause stürmen alle nach draußen ins Freie, um sich in der lauschigen Abendluft aufzuwärmen. Viele im Publikum haben Jacken oder Decken dabei, und trotzdem kriecht die Klimaanlagen-Kälte über die Haut und führt dazu, dass der Schlussapplaus zwar begeistert ausfällt, aber nicht allzu lange zelebriert wird.

Draußen versuchen alle Besucher gleichzeitig, ein Taxi zu bestellen, zu unserem Erstaunen haben wir es nach gut zehn Minuten geschafft und lassen uns ins Stadtzentrum, zum höchsten Haus der Stadt chauffieren. Dort, auf dem Dach des One Raffles Place, befindet sich nämlich die höchstgelegene Bar der Stadt, das „1 Altitude“ – und da heute Mittwoch und Ladies‘ Night ist, bezahlen wir keinen Eintritt und stehen kurz darauf auf 280 m Höhe im 62. Stock auf der komplett offenen Terrasse und sind fast sprachlos. Der Rundumblick ist atemberaubend, die komplette Stadt liegt hell erleuchtet vor uns, und das sonst so gigantisch anmutende Marina Bay Sands Hotel liegt winzig klein unter uns. Davor, auf dem Meer, reiht sich Tanker an Tanker, die Schiffe wirken durch ihre Flutlichtbeleuchtung fast wie ein eigener Stadtteil, das Riesenrad schimmert weit unten, und gerade so lassen sich mit bloßem Auge die Supertrees im Gardens by the Bay erkennen.

Mittwochs kosten Getränke nur S$10 für Damen, und so lassen wir uns einen Cosmopolitan schmecken und genießen die luftige Höhe, in der tatsächlich ein angenehmer Wind weht. Leider ist wie so oft der Service mal wieder grottenschlecht, trotz mehrmaliger Bitten bekommen wir kein zweites Getränk serviert, und so fahren wir dann kurz nach Mitternacht nach Hause – denn ebenfalls wie so oft in Singapur ist die Musik ohrenbetäubend laut und ein Gespräch kaum möglich.

Der Taxifahrer heizt mit 120 Sachen durch die nächtliche Stadt, die trotzdem lange noch nicht schläft, und wir sind sehr froh, zuhause heil aus dem Auto steigen zu können. Zur Beruhigung genießen wir auf dem heimischen Balkon noch ein Gläschen Sekt, der Ausblick ist zwar nicht ganz so spektakulär, dafür ist es deutlich gemütlicher hier!

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