12 von 12 im Mai

12 von 12 im Mai

Mein 12. Mai, anhand von zwölf Fotos erzählt (mehr dazu bei „Draußen nur Kännchen„):

Titus ist zur Zeit ein wenig zum Frühaufsteher geworden – naja, zumindest für unsere Maßstäbe – und so sitze ich um 7:20 Uhr bereits mit ihm auf dem Sofa und höre mir seine endlosen Ausführungen zu seinen Kuscheltieren an. Dieses Kind hat aktuell ein sehr, sehr ausgesprägtes Mitteilungsbedürfnis und redet schon zu dieser frühen Stunde ohne Punkt und Komma. Immerhin darf ich dabei einfach relativ stumm auf dem Sofa sitzen und einen Kaffee trinken…

Da die anderen beiden Bewohner/Gäste des Hauses noch schlafen, zaubern Titus und ich in der Küche schnell ein paar Energiebällchen; die Idee habe ich von Laura geklaut. Denn ab Montag werde ich mit der lieben Regina für eine Woche nach Bali entschwinden, und damit das Kind und der Mann währenddessen nicht verhungern, sorge ich besser vor.

Nachdem dann endlich mal alle aufgestanden, angezogen, mit Frühstück abgefüttert sind und sogar der Rucksack mit großer Brotzeit fertig gepackt ist, sitzen wir gegen 10 Uhr im Taxi und lassen uns zum Changi Ferry Terminal in den Nordosten der Stadt bringen. Dort haben wir Glück, denn die Fischer verdienen sich ein Zubrot, indem sie Touristen auf die Insel Pulau Ubin übersetzen – damit sich die Fahrerei lohnt, fahren die Boote aber immer erst ab, sobald sich 12 Mitfahrer gefunden haben. Wir sind ja schonmal zu viert, und so dauert es keine fünf Minuten (schließlich ist Wochenende!), bis wir in dem etwas mitgenommenen Wassergefährt ablegen.

Auf Pulau Ubin angekommen, tun wir das, was alle tun: wir leihen uns Fahrräder aus! Direkt am Anlegesteg reiht sich ein Verleih neben dem anderen, alle bieten die gleichen, verrosteten Drahtesel an, doch am wichtigsten ist natürlich der dazugehörige Kindersitz, und kurz darauf lässt sich Titus behaglich von Norman durch den Dschungel chauffieren.

Das mit dem Dschungel ist wörtlich gemeint, Pulau Ubin ist großflächig von Regenwald bedeckt, und so kommt es mehrfach vor, dass wir uns die Radlstrecke mit einer Horde Affen teilen müssen. Im Unterholz suchen Wildschweine nach Futter, die Grillen zirpen ohrenbetäubend, tropische Vögel liefern sich einen Gesangswettbewerb mit Titus, der sämtliche Kindergarten-Lieder grölt. Wir kommen beim ständigen Auf und Ab ganz schön ins Schwitzen, zur Zeit ist es wirklich unfassbar heiß in Singapur, die Wetter-App zeigt über 32 Grad an – und unter dem dichten Blätterdach des Waldes herrscht eine Luftfeuchtigkeit wie im Dampfbad.

An der Ostseite der Insel stellen wir die Räder ab und machen einen kleinen Spaziergang an der Küste entlang. Singapur wäre nicht Singapur, wenn hier nicht wie immer alles perfekt ausgeschildert und aufgeräumt wäre – selbst der Urwald wird täglich gesäubert und gefegt, und durch den Mangrovenwald zieht sich ein perfekt instand gehaltener Wanderweg. Leider wurde vergessen, dort eine Überdachung mit anzulegen, und so werden wir von der Sonne fast gegrillt und eilen von Schatten zu Schatten…

Nach einer weiteren schweißtreibenden Fahrt zurück zur Anlegestelle kehren wir dort noch ins eher „einfach“ aussehende Lokal ein, um uns mit scharfen Nudeln, Knoblauchspinat und einer gekühlten, frischen Kokosnuss zu stärken. Anschließend besteigen wir das wackelige Bötchen und stehen um kurz vor 15 Uhr wieder auf dem Festland – völlig verschwitzt und erledigt, weshalb alle im eiskalten Taxi in eine Art „Power-Nickerchen“ verfallen. Bis auf Titus natürlich, der wieder ständig quatscht.

Zuhause lassen wir in der Wohnung einfach alles liegen und stehen und eilen an den Pool, der dank der hochsommerlichen Temperaturen wirklich angenehm ist, wir schwimmen mehr als eine Stunde darin herum und sind danach herrlich abgekühlt.

Nach einer Runde Duschen und schick machen geht es los zum Bus – zur Zeit sind wir ja quasi eine vierköpfige Familie, denn Regina wurde fest darin aufgenommen, und Titus und auch wir genießen es sehr, so lieben Besuch zu haben!

Zur Feier des Wochenendes geht es heute ins recht schicke „Coriander Leaf“ zum Abendessen, dort stehen asiatische und arabische Gerichte auf der zu 50% vegetarischen Speisekarte, und wir probieren auf gut Glück einfach fünf völlig verschiedene Speisen aus. Scharfer Mango-Pomelo-Salat, noch schärfere Nudeln mit Sichuan-Pfefferschoten, mittelscharfer Tofu in Kokos-Sauce, dazu krosses Naan und Reis: ein echter Genuss, und wie so oft werden wir alle trotz der recht überschaubar anmutenden Portionen mehr als satt. Meine Theorie besagt ja, dass aufgrund der starken Gewürze das Sättigungsgefühl hier viel schneller einsetzt, und wir deswegen auch nach Portionen, über die man sich in Deutschland im Lokal beschweren würde, zufrieden nach Hause gehen.

Das „Coriander Leaf“ liegt inmitten der säkularisierten Klosteranlage „Chijmes„, und dort reihen sich in lauschiger Atmosphäre unzählige Bars und Restaurants um einen hübsch begrünten Innenhof. Auf den dortigen Sitzsätzen und in den Hängematten machen es sich Familien und Cliquen gemütlich, lauschen der Live-Band, die vor der in einen Konzertsaal umgewandelten ehemaligen Kirche spielen und genießen die laue Nacht. Titus findet schnell Freunde, tobt mit denen umher und lässt sich gegen 21:30 Uhr nur schwerlich dazu überreden, den Nachhauseweg anzutreten.

6 Replies to “12 von 12 im Mai”

  1. Wow. Der Hammer. Und ein Pool? Wie coooooool.
    Freunde von mir waren auch jobmässig 3 Jahre in Singapur und auch begeistert. Das muss ein mega Erlebnis für Titus sein. Und lass dich trösten: hier wird genauso viel geredet. Wissend nickend ist immer eine gute Idee…und dann auf Durchlauf schalten ;). Natürlich nicht immer…bevor sich hier jemand aufregt ;))) Geniesst die Zeit!

    1. Liebe Maike, nun hat’s doch funktioniert, hurra.
      Vielen Dank für den netten Kommentar, freue mich über neue LeserInnen. Interessant, dass auch andere Kinder einen solchen Redebedarf haben, bisher ist mir noch kein so mitteilungsbedürftiges Kind untergekommen. Da glühen zuweilen die Ohren… 🙂
      Alles Liebe, Nadine

    1. Liebe Uschi,
      vielen Dank für den netten Beitrag! Ich freue mich immer über neue LeserInnen! Unser Pool ist tatsächlich riesig, das ist in Singapur quasi „Grundausstattung“ – und bei den Temperaturen hier auch wirklich nötig. Der mittlere Teil ist 50 m lang und prima zum Schwimmen, rechts und links davon sind dann die runden Kinderpools. Da sind wir wirklich oft!
      Ich stöbere auf Deinem Blog mal nach Rezepten, ich koche ja für mein Leben gerne!
      Liebe Grüße,
      Nadine

    1. Liebe Karin,
      nun hat’s doch funktioniert, danke für das nette Feedback!
      Essen ist in Singapur ein wahnsinnig wichtiges Thema, und das Essen hier ist einfach sensationell. Man könnte den ganzen Tag damit zubringen, alle Köstlichkeiten zu probieren, die sich hier versammelt haben…
      Ich werde mal auf Deinem Blog stöbern, für Bastel-Ideen bin ich immer zu haben.
      Liebe Grüße,
      Nadine

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