„Du riechst das Wasser und nix is‘ laut“ (STS, „Und irgendwann bleib‘ I dann dort“)

„Du riechst das Wasser und nix is‘ laut“ (STS, „Und irgendwann bleib‘ I dann dort“)

Manchmal hat es ja sein Gutes, wenn das Kind ausnahmsweise mal recht früh morgens aufwacht. Denn dadurch habe ich bereits um 9 Uhr am Freitag fertig für unser verlängertes Inselwochenende gepackt und kann den Rest des Vormittags nutzen, um ein bisschen was zu schreiben und die Besucher zum Mittagessen ins Einkaufszentrum gegenüber auszuführen.

Mit Genuss verspeisen wir koreanisches Bibimbap in allen Variationen, die Schärfe des Kimchi raubt uns zwar kurzzeitig den Atem und wir geraten trotz Klimaanlage ins Schwitzen, aber es schmeckt einfach super. Zum Abschluss gibt es noch einen Kopi-C Peng für alle, also einen echten Singapurer Eiskaffee mit gesüßter Dosenmilch. Und schon eile ich los, um Titus vom Kindergarten abzuholen. Wieder daheim, werfen wir Kindergartentasche in die Ecke, schnappen uns Rucksäcke und Koffer, und kurz darauf sitzen wir im Taxi Richtung Tanah Merah Ferry Point. Ein letztes Mal nutze ich dafür die wunderbare Uber-App, denn Uber stellt seine Dienste ab dem Wochenende in Singapur ein und fortan können wir nur noch Grab für die Bestellung von Privat-Taxen nutzen.

Zwar ist der Verkehr schon fast stockend am Freitag Nachmittag, doch wir kommen nach knapp 45 Minuten am Fährtermin an, checken ein, geben das Gepäck, als Norman durch die Tür spaziert und wir gemeinsam Plätze möglichst weit vorne im Schiff suchen. Gut so, denn die Wellen, verursacht durch die riesigen Frachtschiffe, die wir passieren, schaukeln unser Schiffchen heftig durch, und so manch ein Passagier zückt die Spucktüte. Wir lenken uns ab, indem wir versuchen, dem Film auf der Leinwand zu folgen, irgendeine chinesische Schnulze aus den 1970er Jahren, die mich sehr an Bollywood-Filme aus dieser Zeit erinnert, inklusive Gesang.

Nach einer Stunde Fahrtzeit legen wir in Bintan an, da wir ja vor knapp zwei Monaten bereits hier warten, sind wir routiniert: Passkontrolle, Kofferband, zum Taxistand, Snacks einkaufen, und los geht die Fahrt ins Mutiara Beach Resort. Dieses liegt an der Ostküste der Insel, und so müssen wir durch die halbe Insel überqueren, durch Palmwälder hindurch und an kleinen Dörfchen vorbei, außer uns sind kaum Autos und nur wenige Motorroller unterwegs. Die geteerte Straße wird im Verlauf der nächsten Stunde nach jeder Abbiegung enger und enger, es geht hügelauf- und -abwärts, bis wir endlich das Meer erblicken und auf den Parkplatz des Guesthouse einbiegen.

Es ist bereits dunkel, so dass wir nicht allzu viel sehen, aber die Palmen und das Meer rauschen idyllisch und es ist warm genug, um den Abend auf der Terrasse bei einem kalten Bintang-Bier ausklingen zu lassen.

Trotz Hitze schlafe ich erstaunlich gut in der kleinen Hütte, gut geschützt unter dem Moskitonetz, nur Titus verarbeitet wieder einmal alle Erlebnisse des Tages in wilden Träumen und sitzt laut redend und träumend neben mir im Bett. „Da muss noch mehr Salz dran!“, ist leider der einzige Satz, den ich mir bis zum morgen merken konnte. Punkt 5 Uhr singt der Muezzin aus der Moschee des Dorfes seinen Ruf zum Morgengebet, und zumindest ich bin dann erst einmal hellwach, kann aber dann doch noch einmal eindösen. Um kurz vor 8 Uhr weckt mich dann Titus mit seinem nachvollziehbaren Bedürfnis nach Frühstück.

Im kleinen „Restaurantbereich“, der aus Holztischen und -bänken unter strohgedeckten Hüttchen besteht, serviert man uns Crepes mit frisch geraspelter Kokosnuss und gebratene Nudeln mit Gemüse. Da ich mich erinnere, dass mir der Kaffee nicht geschmeckt hat, bestelle ich diesmal wohlweislich Tee, immer die bessere Wahl!

Bereits bei der Ankunft am Abend vorher hatten Bianca, Norman und ich Massagen gebucht, und so marschieren wir nach zwei Stunden am Strand, in denen wir das badewannenwarme, glasklare Wasser genossen haben, in den Spa-Bereich. Dort reihen sich kleine Hütten über einem Flüsschen aneinander, in den Hütten warten Massage-Liegen und nette, indonesische Angestellte auf uns, die uns mehr als eine Stunde lang einölen und durchkneten. Die einzigen Geräusche kommen vom Gluckern des Flusses, von den Grillen und dem Ventilator, der zumindest ein wenig frische Luft auf uns pustet.

Als wir sehr entspannt und zufrieden an den Strand zurückkommen, werden wir von Titus recht empört begrüßt: „Warum seid Ihr schon wieder zurück?“. Er hat den Strandausflug mit Mark offenbar sehr genossen, Berge von Muscheln stapeln sich vor unserer Hütte, und Titus wagt sich sogar ins – wirklich fast spiegelglatte – Meer.

Leider lassen die dicken, schwarzen und bedrohlich aussehenden Wolken, die vom Inselinneren heranziehen, nichts Gutes ahnen, und kurz darauf prasselt ein heftiger, tropischer Regenguss auf uns herab, gefolgt von Blitz und Donner. Wir flüchten auf die überdachte Terrasse unserer Hütte, und nutzen den Nachmittag zum Lesen und Spielen. In jeder Regenpause hoffen wir auf erneuten Sonnenschein, doch werden wir enttäuscht; immerhin bleibt so genug Zeit, um mit den überall herumliegenden Kokosnüssen zu experimentieren.

Kurz vor dem Abendessen klart der Himmel auf, und bei der Suche nach Einsiedlerkrebsen und noch mehr Muscheln legen wir noch ein Feierabendbad im Meer hin, außer uns ist kein Mensch mehr am Strand. Überhaupt sieht man auch tagsüber wenig andere Gäste, die Hütten scheinen zwar allesamt belegt zu sein, doch selbst damit können hier insgesamt 20-30 Menschen urlauben, und die verteilen sich im Kokospalmenwald mit vielen Hängematten und am langen, ziemlich einsamen Strand bestens.

Titus ist vom ausgiebigen Spielen an der warmen Luft sichtlich erledigt, lässt sich bereitwillig den Sand vom Körper waschen und auch den Teer entfernen, den uns allen an den Fußsohlen klebt. Die vielen Frachtschiffe lassen offenbar mehr als nur Abgase zurück… Eine Folge Benjamin Blümchen später schläft der Junior bereits, und wir lassen den Abend bei Kartenspielen ausklingen – herrliches Inselfeeling inklusive!

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