Skifahrerglück

Skifahrerglück

Lech am Arlberg rühmt sich nicht nur, die „Wiege des modernen Skilaufs“ zu sein, sondern hält seit bald 150 Jahren an seinem Ruf als Schicki-Micki-Skiort fest. Pelzgeschäfte stehen neben Michelin-gekrönten Restaurants, an den Bars türmen sich die Magnum-Champagnerflaschen, und die Hauptzielgruppe für diese Art von Urlaubsvergnügen ist definitiv vor Ort.

Zu meiner Erleichterung sieht man aber auch genug „normale“ Familien, die allerdings großteils aus Nordrhein-Westfalen, den Niederlanden und England angereist sind, um hier mal ein paar „leckere“ Skitage in den Osterferien zu verbringen.

Wir haben Glück, denn das Wetter ist am Mittwoch so mies (dichter Nebel, Schneefall, eisiger Wind), dass die Pisten fast menschenleer sind. Trotz fast 2 1/2stündiger Anreise stehen wir Punkt 10 Uhr am Lift und fahren einen ganzen Tag lang auf perfekt präparierten Hängen, ohne dass uns andere Skifahrer in die Quere kommen. Das ist auch gut so, denn die über 100 Euro für den Zwei-Tages-Skipass will ich wieder „reinfahren“!

Nach unseren Berechnungen ist unser letzter Skitag noch nicht ganz ein Jahr her, im April 2017 waren wir eine ganze Woche im Zillertal auf Tourenski und Skipisten unterwegs. Trotzdem verwechseln wir zu Beginn noch des öfteren unsere Skier, aber immerhin funktionieren Bewegungsabläufe, die wir über 35 Jahre lang eingeübt haben, wie im Schlaf. Die richtige Ausrüstung zusammensuchen, der Weg zum Skilift, das Einsteigen in den Sessellift fühlt sich so selbstverständlich an wie eh und je, und bereits nach den ersten Abfahrten stellt halbwegs das Körpergedächtnis die skifahrerische Routine her. Allerdings dauert es zumindest bei mir bis zu Tag 2, bis ich wieder „im Flow“ bin und dann endlich das Tiefschneefahren auch wiedere einigermaßen gut klappt. Denn das können wir dank ununterbrochenendem Schneefall so richtig genießen, weichster, fluffiger Pulverschnee liegt meterhoch neben den Pisten, und Norman ist trotz Dauer-Kopfschmerzen selig.

Mich beschleichen diese Kopfschmerzen dann eher, als wir alle paar Stündchen auf ein Getränk in einer der schicken Skihütten einkehren. Beim Blick auf die Karte gefriert mir nicht nur ob der eisigen Temperaturen die Miene, die Preise sind astronomisch und schier lächerlich, so dass wir uns hauptsächlich mit Skiwasser begnügen und dazu heimlich die vom Bäcker mitgebrachte Breze verspeisen.

Am zweiten Tag schmuggeln wir vom Frühstücksbüffet unserer Pension eine belegte Sternsemmel, die wie Pappe schmeckt, eingepackt in einer Serviette, hinaus, um uns damit über den Tag zu retten. Andere Skifahrer sind da nicht so sparsam, ganze sechsköpfige Familien bestellen ungeniert Menüs und Getränke und zücken die Kreditkarte.

Am Abend gelüstet es uns nach Pizza, die dann letzten Endes höchstens mäßig schmeckt und uns zu zweit so viel kostet, wie wir in Singapur in der Pizzeria ausgeben würden. Egal, trotzdem genießen wir die beiden Skitage sehr, und am Donnerstag nachmittag schmerzen zwar Oberschenkel und Schienbeine, doch freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Wintersport-Ausflug im nächsten Jahr!

Fazit: zwei Tage Skifahren am Arlberg kosten uns mitsamt Benzin, Vignette, Übernachtung, Skipass und ein paar Getränken sowie einer miesen Pizza fast 600 Euro, soviel wie eine Woche Urlaub an einem südostasiatischen Traumstrand. Aber: Skifahren ist halt einfach schön!

2 Replies to “Skifahrerglück”

  1. Liebe Nadine, das freut auch uns, daß es dir bzw. euch allen hier gefallen hat, auch wenn es mit einem „Kaltstart“ begonnen hat. Mittlerweile ist hier wohl tatsächlich der Frühling eingezogen und wir haben diese warmen Tage bei ausgiebigen Wanderungen ( bescheidenen im Vergleich zu euren Touren) genossen. Also dann euch eine weitere ereignisreiche Singapur Zeit und
    hG Opa Peter

    1. Lieber Peter, ein paar warme Sonnenstrahlen haben wir zum Glück am Ende ja doch noch abbekommen – schön war es in der Heimat!
      LG, Nadine

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