Singapurs Haute Cuise – ein Abend im Tippling Club

Singapurs Haute Cuise – ein Abend im Tippling Club

Ganz so genau nehmen wir es dieses Jahr nicht mit dem Datum, unseren 6. Hochzeitstag feiern wir drei Tage zu früh – denn noch kommen wir in den Genuss der besten Babysitter „frei Haus“, und so marschiere ich am Mittwoch Abend aufgebrezelt einmal quer durch Chinatown in die Tanjong Pagar Road. Norman hat einen Tisch im „Tippling Club“ reserviert, einem schicken Restaurant mit angeschlossener Bar, das zu den besten Lokalen der Stadt gehört.

Der britische Küchenchef, Ryan Clift, serviert dort Fusion-Küche auf sehr besondere Art und Weise – schon die Speisekarte sieht künstlerisch aus und gibt nicht allzu viele Informationen preis. Wählen kann man dort zwischen einem Fünf- und einem Zehn-Gänge-Menü.

Zu meiner Begeisterung gibt es auch eine extra Karte mit rein vegetarischen Gerichten, und so entscheiden wir uns jeweils für die fünf Gänge, mit Weinbegleitung.

Zuallererst stoßen wir mit einem Glas Champagner an, und dann geht es los mit der kulinarischen Genusstour. Der erste Gang ist ganz profan betitelt mit „Snacks“ – und es folgen fünf (!) kleine Portiönchen unterschiedlichster Köstlichkeiten: zuerst eine Art Reiswaffel, getränkt in Trüffelöl und Grüntee-Pulver, gefolgt von einer Art Ravioli mit Käsecremefüllung auf schwarzem Salz. Die schwarz gerösteten Tomaten-Paprika-Sticks schmecken dank des Raucharomas köstlich, der leicht süße Dip dazu passt perfekt. Ein Pilz-Sushiröllchen und eine Gazpacho aus Tomatenessenz runden die Vorspeisenfolge ab, und wir sind jetzt schon hellauf begeistert. Unsere Tischnachbarn, die das gleiche Menü gewählt haben, beobachten uns bei jedem Bissen voller Vorfreude auf ihr eigenes Dinner, und sie rufen uns zu: „Oh, you look like you are melting – is it that delicious?!“

Zum nächsten Gang, „Kohlrabi“, serviert der Barkeeper einen kleinen Cocktail aus Tequila, Dill, Zitrone und japanischem Bier, betitelt als „Umami Bomb“. Dieser passt sehr gut zu den kleinen Kohlpäckchen, die mit Seegrascrackern und einer Reisessig-Sauce serviert werden. Der Knaller sind die an Kaviar erinnernden Kügelchen aus der Molekularküche, die mit köstlichster, kräftiger Brühe gefüllt sind. Die anschließende Suppe, eine Vichyssoise, wird mit Petersilien-Esspapier serviert, auf dem die hübschen, essbaren Blüten der „Cat Whiskers“-Blume schwimmen, die tatsächlich an Schnurrbarthaare einer Katze erinnern. Der australische Chardonnay ist etwas blass dazu.

Das „Risotto“, das nun folgt, besteht statt aus Reis aus Yam-Wurzeln, garniert mit japanischen Pilzen und Kresse, und schmeckt zum Südtiroler Wein köstlich. Die „Purple Carrot“ ist garniert mit einer Art Tofu-Rührei und Mandarinen, das Pürree erinnert ein wenig an Babybrei, doch inzwischen sind wir beim Burgunder angekommen, und der schmeckt so herrlich, dass wir uns am liebsten nachschenken lassen würden. Der Service ist natürlich exzellent hier, typisch singapurisch ist allerdings das Tempo, in dem die Gänge serviert werden – während an in Europa ja gerne mal eine halbe Stunde verstreichen lässt, geht es hier Schlag auf Schlag.

Und so sind wir dann auch schon bei den Nachspeisen angekommen, die nette Kellnerin serviert uns ein Tablettendöschen mit Normans Namen darauf – darin soll sich also der „Käsekuchen“ verbergen?

Die fünf kleinen Tabletten zergehen auf der Zunge – und schmecken tatsächlich nach Cheesecake, was für ein Spaß! Inzwischen sind wir mit den Tischnachbarn ins Gespräch gekommen, die uns ihr Heimatland Sri Lanka sehr ans Herz legen, und gemeinsam probieren wir uns durch die süßen Köstlichkeiten. Die mit eiskaltem Mangosorbet gefüllte Grüntee-Praline schmeckt umso besser, als wir auf Anraten der Bedienung am beigelegten Papier riechen, das einen dezenten Lavendelduft verströmt. Die „Creme Catalana“ ist mit im Labor speziell behandelten Mandarinenstückchen garniert, die eine crackerähnliche Textur haben, das zart schmelzende Kaffeeeis dazu ist zusätzlich ein Clou. Zum Schluss serviert man uns einen Papiersmiley, der im Mund schmilzt und seine Zitrusbrause im Inneren freigibt, dazu verspeisen wir mit einem Haps ein winziges Pina-Colada-Törtchen.

Und weil wir immer noch nicht genug haben, bestellen wir als Absacker noch einen Cocktail, der ebenfalls mit einem an Ecstasy erinnernden Papierchen verziert ist, das mit einem verrückten Pülverchen gefüllt ist.

Kurz vor Mitternacht wanken wir beseelt zum Taxi und nach Hause – ein sensationelles Hochzeitstagsdinner und sicher aufgrund der doch sehr stolzen Preise kein Restaurant für „jeden Tag“, aber bestens geeignet für so einen besonderen Anlass!

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