Stadtführung durch Tiong Bahru

Stadtführung durch Tiong Bahru

Über die „German Association“ habe ich eine Führung durch das heute total hippe Stadtviertel Tiong Bahru gebucht. Da es sich bei den Teilnehmern um Deutsche handelt, sind alle pünktlich um 9 Uhr am Treffpunkt in der Lobby des Holiday Inn Atrium Hotels, dort werden wir von Guide Charlotte begrüßt. Sie zeigt uns anhand alter Zeitungsausschnitte und Zeichnungen, wie das Viertel vor fünfzig Jahren ausgesehen hat, erklärt die Herkunft des Namens (wie so oft in Singapur eine Mischung aus Chinesisch und Malaiisch: „Neuer Friedhof“), und schon marschieren wir los.

Zuerst gilt es, die riesige Baustelle zu umgehen, die direkt vor dem Hoteleingang errichtet wurde. Hier baut die Land Transport Authority eine komplett neue U-Bahn-Linie, und dementsprechend riesig ist die Baugrube. Aber wir schaffen es unfallfrei und stehen kurz darauf vor dem kleinen Tempel („Geok Hong Tian Temple„), der zwischen Bauzäunen, mehrspurigen Straßen und Hochhäusern ein wenig verloren wirkt.


Drinnen empfängt uns der durchdringende Geruch der Räucherstäbchen, und Charlotte erklärt uns den Bezug zum Jadekaiser, dem der Tempel gewidmet ist, warum es hier einen Tiger-Altar gibt und berichtet ein wenig über die kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen der buddhistischen und taoistischen Religion.

Unser Spaziergang führt uns weiter ins Stadtviertel hinein, wir fahren mit dem Aufzug in den 21. Stock eines der großen HDB-Häuser. Vom Dach desselben aus hat man einen guten Blick über Tiong Bahru, und wir können gut die heute denkmalgeschützten Häuser erkennen, die ab den 1930er Jahren hier erbaut wurden, als Singapur erstmals dringend Wohnraum benötigte. Heute wirken sie putzig zwischen all den Wolkenkratzern, doch ihr Artdeco-Stil wurde erhalten, und heute zählen sie zu den begehrtesten (und teuersten) Wohnungen der Stadt.


Teuer waren die Mieten vor 80 Jahren allerdings auch schon, denn in diesen schicken Wohnungen unweit des Vergnügungsviertels von Chinatown gelegen, brachten die reichsten Bewohner Singapurs, die allesamt ihr Geld mit Opiumhandel verdienten, ihre „mistresses“, also ihre Geliebten, unter.

Heute leben hier Künstler, Freigeister, Familien, aber in den alten HDB-Häusern auch die alteingesessen „locals“ – ich bin gespannt, wann hier die Gentrifizierung Einzug hält! Jetzt jedenfalls reihen sich schicke Cafés, französische Bäckereien, Yogastudios, Kunstbuchhandlungen und Galerien unter den Arkaden aneinander.

Direkt daneben kehren wir in den bekannten Tiong Bahru Market zu einer kleinen Pause ein, alle versorgen sich mit frischgepressten Säften, Kaffee und Tee an den Ständen, und Guide Charlotte tischt typische, lokale Snacks auf, die wir reihum probieren dürfen.

Ich bin total hingerissen von einem Gericht namens Chwee Kueh, einer Art Küchlein aus gedämpftem Reis, das mit pikanten Zwiebelsauce serviert wird. Köstlich!

Außerdem lerne ich, dass in Chai Tow Kway (= Carrot Cake), den es hier an jedem zweiten Stand zu kaufen gibt, gar keine Karotten drin sind, sondern es sich dabei um ein Omelett mit chinesischem Daikon-Rettich handelt. Ach, ich könnte Jahre in Singapur damit zubringen, alles über die verschiedenen Speisen hier zu lernen!

Jedenfalls sind wir anschließend gesättigt, und die Tour führt uns weiter zu den bekannten Wandmalereien von Yip Yew Chong.

Darin erinnert der einheimische Künstler mit gemalten Alltagsszenen an das Leben in diesem Stadtviertel vor fünfzig Jahren – zu sehen sind Wahrsager, Händler und auch die „Bird Singing Corner“: jedes Viertel hat bis heute Straßenecken, an denen sich Vogelliebhaber treffen und ihre speziell trainierten Singvögel in deren Käfigen ausstellen, damit die gefiederten Sänger voneinander lernen bzw. gegeneinander antreten können. Das muss ich mir unbedingt einmal anschauen.

Zum Ende der Tour statten wir dem Qi Tian Gong Temple, der dem Affengott gewidmet ist, noch einen Besuch ab. Der Tempeldiener schickt mit lautem Gongschlag die Bitte um Glück für uns an die Götter, und derart geschützt, beendet Charlotte die spannende Tour durch die Geschichte dieses schönen Eckchens.

Ich würde gerne noch ein bisschen bummeln und einen tollen Cappuccino schlürfen, doch muss ich nach Hause eilen, da nach Wochen endlich der Handwerker kommen soll, um unsere undichte Spüle zu reparieren…

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