OpenHouse Emerald Hill – Kunst (fast) zum Anfassen

OpenHouse Emerald Hill – Kunst (fast) zum Anfassen

Als ich den Veranstaltungskalender für das Impulse-Magazin für März erstelle, stolpere ich über die Vorankündigung für die alljährlich stattfindende Open House-Kunstaustellung.
Kurzerhand ordere ich gleich mal eine Eintrittskarte für mich, und so stehe ich am Samstag Punkt 12 Uhr völlig verschwitzt vom halbstündigen Fußmarsch (da sämtliche Busse im größten Verkehrschaos stecken) vor dem Treffpunkt am Emerald Hill.

OpenHouse Kunstaustellung am Emerald Hill, Singapur

Dort erwarten mich verschiedene freiwillige Helferinnen und Helfer, die mir nett und zuvorkommend das Konzept dieser Veranstaltung erklären: passend zum diesjährigen Veranstaltungsort, dem mitten im Stadtzentrum gelegenen Emerald Hill, haben Künstler Werke geschaffen, die die Geschichte des Viertels aufgreifen. Als Ausstellungsorte fungieren die mitten im Viertel gelegene Chatsworth International School sowie einige der in derselben Straßen befindlichen privaten Wohnhäuser.

Im Schulhof ist als Treffpunkt ein großer Tresen aufgebaut, hier kann man sich zu einer der drei geführten Touren zusammenfinden. Jede davon dauert um die 40 Minuten, mit einer Eintrittskarte darf man im eigenen Tempo an allen drei angebotenen Touren teilnehmen oder sich nur die rauspicken, die einem am meisten zusagen. Dazu fragt man einfach einen der unzähligen Guides an, wartet, bis sich noch ein paar Kunstinteressierte versammelt haben, und kurz darauf geht es los.

In der ersten Führung mit dem Titel „All the King’s Painters“, die ich besuche, geht es um die Besiedlung Singapurs und die Stadtgründung durch Sir Stamford Raffles im Jahr 1819. Raffles ist eine zwiespältige Gestalt in der Geschichte Südoastasiens: in Singapur wird er hoch verehrt, sein Standbild steht an einem der prominentesten Plätze der Stadt, viele Hotels und wichtige Gebäude tragen seinen Namen, und stets wird er in stolzer Pose dargestellt. In Indonesien dagegen ist man nicht allzu gut auf den Herrn zu sprechen, regierte er dort doch Anfang des 19. Jahrhunderts mit harter Hand. Diese gegensätzliche Wahrnehmung des britischen Gouverneurs wird in verschiedenen Installationen und Gemälden zeitgenössischer Künstler verarbeitet, und die junge Chinesin, die uns in verschiedenen Klassenräumen der Schule herumführt, kennt sich bestens aus. Zu meinem Glück sind heute am ersten Tag der Ausstellung noch sämtliche Künstler selbst zugegen und haben Zeit für ein kurzes Gespräch, während sie Hand anlegen, um die Ausstellung besucherfertig zu machen.

Da ich mich am meisten für die Privathäuser interessiere, reihe ich mich sogleich ein und bin fünf Minuten später unterwegs zur Führung „The Moral Hazards of Growing Nutmeg in a Faraway Land“. Darin wird die Geschichte des Emerald Hills wird aufgerollt, denn hier begründeten die ersten englischen Muskatnuss-Plantagenbesitzer ihren Reichtum in Südostasien. Der Name der nahe gelegenen Haupteinkaufsstraße, Orchard Road, erinnert noch heute daran. Wir marschieren also die kleine Emerald Hill Road entlang, und allein schon von außen sehen die wunderschön erhaltenen Peranakan-Shophäuser einfach toll aus. In Toplage und liebevoll restauriert, kosten sie heute ein Vermögen, und viele scheinen im Besitz kunstliebender Bewohner zu sein. Diese stellen den Künstlern für sämtliche Wochenenden im März ihre Erdgeschoss-Räume zur Verfügung, damit diese darin ihre Installationen aufbauen können. Und diese werden dann für die Besucher geöffnet – deshalb komme ich in den Genuss, zwei solcher Häuser tatsächlich von innen anschauen zu dürfen.


Ganz ehrlich, gucke ich mir ja wahnsinnig gerne „fremde“ Wohnungen an. Wie richtet sich jemand ein, wie lebt derjenige, was sagt mir die Einrichtung über den Typ Mensch? Vieles lässt sich aus dem Interieur und der Atmosphäre einer Wohnung ablesen, finde ich. Hier bestätigt sich mein Eindruck, dass offenbar Menschen mit Geld und mit (Kunst-)Geschmack in diesen Häusern leben, denn alles ist geschmackvoll eingerichtet, beleuchtet und die ausgestellten Kunstwerke sehen so aus, als gehörten sie hierhin.

Leider bleibt mir keine Zeit mehr für Führung Nr. 3 sowie die Schluss-Ausstellung, da eine kurzfristig anberaumte Samstagsprobe meines Chores dazwischen gekommen ist. Aber auch so hatte ich zwei lehrreiche Stunden und konnte wieder mehr Details zur Geschichte der Stadt erfahren und dazu noch ein mir bislang völlig unbekanntes Viertel kennenlernen. Ich bin schon gespannt, wo es im nächsten Jahr hingeht!

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