Foodie Tour durch Little India

Foodie Tour durch Little India

Am Donnerstag Vormittag treffe ich mich wie per WhatsApp verabredet um 11:15 Uhr an der MRT-Station Little India mit acht anderen Food-Junkies zu einer kulinarischen Führung durch das indische Stadtviertel. Die Führung der Truppe übernimmt Payal: sie ist gelernte Köchin und liebt Essen in jeglicher Form über alles. Seit zwei Jahren lebt sie in Singapur und setzt nun alles daran, uns die indische Küche in all ihren regionalen Spielarten näher zu bringen.

Los geht es im kleinen Lokal „Mustard„, welches bengalisches Essen anbietet. Dort bestellt Payal für unsere Truppe routiniert die Spezialitäten des Restaurants:

  • Chingri Macher Malai Curry (Garnelen in cremiger Kokossauce)
  • Begunar Shiraz (Aubergine in Tomaten-Zwiebel-Sauce)
  • Garlic Naan (Knoblauch-Hefebrot

Es schmeckt herrlich – also, zumindest das, was ich probiere – und alle schwelgen in den wundervollen Gewürzen, mit denen die Gerichte abgeschmeckt sind. Nebenbei lässt es sich natürlich bestens unterhalten, ich lerne die Italienerin Laura kennen, die einen Foodblog in Singapur betreibt, außerdem Schweizerin Rahel, und meine Freundin Petra ist auch mit von der Partie.
Doch schon nach kurzer Zeit treibt uns Payal zum Aufbruch, sie hat noch ein straffes Programm mit uns vor!

Weiter führt sie uns die Race Course Road hinauf und kurz darauf biegen wir schon ins nächste Restaurant ein. Das „Raj“ ist auf vegetarische Küche spezialisiert, was mich natürlich besonders freut, denn diesmal kann ich alles probieren, was von den netten Kellnern in Windeseile auf dem großen Tisch platziert wird:

  • Bhindi masala (Tomaten-Okraschoten-Curry)
  • Tandoori Roti (Vollkornbrote aus dem Tandor-Ofen)
  • Raj Kachori (kleine frittierte Teigbällchen, die mit Kartoffeln und Mungbohnen gefüllt und mit Joghurt, Tamarinden- und Minzchutney übergossen wurden)

Vor allem die letztgenannte Speise ist für alle Beteiligten neu, und das Geschmackserlebnis aus allen fünf Geschmacksrichtungen (süß, sauer, bitter, salzig, und umami und ein bisschen Schärfe) sowie das Gefühl der knusprigen Umhüllung und der cremigen Füllung, dazu noch das warme Innere und die kühlen Chutneys außen: so geht perfekt ausbalancierte Küche! Dass es sich bei diesem Gericht um ein typisch indisches „Street Food“ handelt, welches von fahrenden Verkäufern vertrieben wird, finde ich wirklich erstaunlich.

Ein erstes kleines Sättigungsgefühl macht sich breit, auch wenn Payal mit Bedacht nur wenig bestellt und wir die Teller herumreichen. Doch die Vielfalt an Gewürzen und Zutaten führt dazu, dass wir alle mehr als bereitwillig zum nächsten Fußmarsch aufbrechen, um wieder ein wenig Luft im Magen zu bekommen.

Ein paar Ecken weiter betreten wir in der Serangoon Road das „Cocobay„, in dem es Essen aus dem Bundesstaat Kerala gibt. Dieses ist ganz anders, als z.B. nordindisches Essen, auf der Speisekarte steht frischer Fisch, Kokosnuss, Mango und Reis, da es im Süden Indiens früher kein Getreide gab.
Ganz typische Gerichte, die wir probieren dürfen, sind:

  • Mango Curry (aus grüner, d.h. säuerlicher Mango)
  • Fish Pollichathu (Seebrasse, mit indischen Gewürzen mariniert und im Bananenblatt gedämpft)
  • Appam (pfannkuchenähnliche Teigfladen aus fermentiertem Reis und Kokoswasser)

Im Lokal duftet es herrlich nach Räucherstäbchen, die auf dem kleinen Hausaltar für die Götter abgebrannt werden. Das Mango-Curry schmeckt fruchtig und cremig, mit leichter Schärfe, und das Appam passt perfekt dazu, saugt es doch durch seine luftige Struktur das Curry perfekt auf, so dass tatsächlich kein Besteck benötigt wird (das hier auch nicht zur Verfügung steht). Echt indisch eben, und einige aus unserer Gruppe kommen zum ersten Mal in den Genuss von „echtem“ Fingerfood!

Schon wieder müssen wir aufbrechen, die Zeit drängt, denn wir werden bereits im „Kailash Parbat“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite erwartet. Hier serviert man ausschließlich indisches Streetfood, auf Hindi chaat genannt, und so türmen sich bald diverse Kleinigkeiten auf unserem Tisch. Das Lokal ist extrem stylisch eingerichtet, ganz im Gegensatz zu so vielen anderen (guten!) indischen Restaurants. Die Karte ist lang, dazu noch rein vegetarisch, und ich bin im Himmel, als ich folgende Köstlichkeiten verkoste:

  • Pani puri (kleine frittierte Bällchen, die „geköpft“ und danach mit Linsen und Kichererbsen gefüllt werden; dazu gibt es süßes Tamarinden-Chutney und scharfes Minz-Chutney)
  • Cholay Batture (Kichererbsen-Tomaten-Curry mit frittiertem indischen Fladenbrot, auf Hindi Bhatura oder eben Batture)

Zum Glück haben wir Payal dabei, denn sie zeigt uns erst einmal, wie man die Pani puri überhaupt korrekt isst: dazu kippt sie in die halbierten Teigbällchen erst einmal das süße Chutney bis zur Hälfte hinein und füllt diese dann mit dem scharfen Chutney auf. Anschließend balanciert sie die golfballgroße, tropfende Leckerei in den Mund und verspeist sie auf einmal – denn beim Abbeißen würde die komplette Füllung ja wieder herauslaufen. Wir haben jedenfalls viel Spaß damit, das ebenfalls zu versuchen, und die Tischgespräche kommen aus Unvermögen erst einmal zum Erliegen.

Die ersten kämpfen nach dieser Erfahrung mit den ersten Ermüdungserscheinungen und bestellen Kaffee, und trotzdem langt jeder noch einmal zu, bis alle der kleinen Portionen verspeist sind. Hier komme ich definitiv wieder zum Essen her!

Wir müssen weiter, denn nun lotst Payal uns ins liebevoll mit Kupferkesseln dekorierte „Copper Chimney“ in der Syed Alvi Road. Hier kehren wir in die nordindische Regionalküche zurück, und wir können den Köchen durch die Glasscheibe dabei zusehen, wie sie folgendes für uns zubereiten:

  • Butter Chicken (Hühnchen in Tomatensauce)
  • Vegetable Jaipuri (Gemüse in Tomatensauce, scharf)
  • Butter Naan
  • Lamb Seekh Kebabs

Vor allem das Naan stößt auf allgemeine Begeisterung, da es frisch und knusprig aus dem großen Tandor-Ofen serviert wird. Das Gemüse im Vegetable Jaipuri ist knackig, doch so langsam geht mir der Appetit aus und ich stochere nur noch auf meinem Teller herum. Die anderen am Tisch jammern ebenfalls über volle Mägen, doch Payal lockt uns noch mit dem Versprechen auf die „besten Dosas der Stadt“ in ein letztes Lokal, das von außen unscheinbar aussieht: Murugan’s Idli Shop (Syed Alvi Road, gegenüber Mustafa Centre)

Payal bestellt Masala Dosas für alle: Crepes aus fermentierten Reis und Kichererbsen, gefüllt mit scharf gewürzten Kartoffeln, dazu werden eine Linsensuppe („lentil sambar“) und vier verschiedene Chutneys serviert. Ich bekenne mich als leidenschaftliche Dosa-Esserin, die schon in vielen verschiedenen Lokalen in Singapur dieses typisch südindische Gericht gegessen hat, die Latte hängt also hoch! Beim Anblick des knusprigen Pfannkuchens, der kurz darauf auf einem Bananenblatt vor mir liegt, kann ich trotz akutem Sättigungsgefühl nicht widerstehen und muss zumindest die Hälfte davon essen – und ich muss Payal recht geben: das ist das beste Dosa, das ich bislang in Singapur gegessen habe!

Beim Blick auf die Uhr stelle ich fest, dass wir ziemlich überzogen haben und ich nun schnellstens per Taxi zum Kindergarten muss, um Titus abzuholen. Payal packt mir netterweise noch einen indischen Kaffee „to go“ ein, wir verabschieden uns herzlich und mit kugelrundem Bauch lasse ich mich ins Auto fallen. Den Rest des Tages brauche ich nichts mehr zu essen und bin selbst am nächsten Morgen immer noch so satt, dass ich auch das Frühstück ausfallen lasse.

Für S$100 haben wir in dieser Führung sechs verschiedene Restaurants kennengelernt, die zumindest für mich alle neu waren – denn die Restaurant-Dichte in Little India ist wirklich unüberschaubar! Ich habe viele neue Gerichte probiert und bin von allen schlichtweg begeistert – es ist toll, jemanden dabei zu haben, der sich so gut mit Essen und der Zubereitungen der Speisen auskennt und uns Ahnungslosen beibringt, wie man bestimmte Speisen isst und dazu noch ganz nebenbei ziemlich viel Wissenswertes über indische Regionalküche erzählt.
Also: unbedingt machen, Payal bietet die „Foodie Tour Little India“ zweimal monatlich an, einmal wochentags und einmal am Wochenende. Und auf jeden Fall mit leerem Magen teilnehmen und im Idealfall Reste einpacken lassen und mit nach Hause nehmen.

2 Replies to “Foodie Tour durch Little India”

  1. Hallo Nadine,
    Ich bin eine begeisterte Leserin deines Blogs.
    Hab mir gestern mit Teilen deiner Familie Monika Gruber live in Ulm angesehen. Es war ein toller Abend.
    Liebe Grüße aus dem Tiefkühlschrank Thüringen (-12 Grad und eisiger Ostwind) von Sandra V.

    1. Liebe Sandra, wir schön, dass Du hier mitliest! Ich hoffe, Ihr hattet einen lustigen Abend bei der Moni – da wäre ich gerne dabei gewesen.
      Aber ich hoffe vor allem, dass in zwei Wochen endlich der Frühling in Deutschland eingekehrt, sonst müssen wir beim Heimatbesuch frieren…
      Viele Grüße, Nadine

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