12 von 12 im März

12 von 12 im März

Unfassbarerweise schaffe ich es am Morgen, Titus in den Kindergarten zu bugsieren, ohne dass er zum noch schlafenden Moritz ins Zimmer stürmt. Der Tag fängt also gut an! Im Kindergarten erfahre ich, dass diese Woche ja das Ferienprogramm laufen würde und deshalb eigentlich keine Uniformpflicht herrsche – welche Ferien, frage ich mich, treffe aber bei den anderen Müttern ebenfalls auf ratlose Gesichter.

Wieder zuhause angekommen, mache ich es mir im Hängesessel auf dem Balkon gemütlich, trinke eine große Tasse Grüntee (Kaffee habe ich weitgehend verbannt, der ist mir bei den Temperaturen hier eindeutig zu schweißtreibend) und lese die Süddeutsche Zeitung in Printausgabe von vorne bis hinten. Ein prima Mitbringsel unserer Gäste, die sich erst gegen 10 Uhr gut ausgeschlafen blicken lassen und ankündigen, heute den Vormittag am Pool verbringen zu wollen.

Also kann ich tatsächlich eine Stunde zum Sport verschwinden und mich anschließend zumindest ein bisschen mit unserer bevorstehenden Reise nach Deutschland befassen. In Titus‘ Kleiderschrank finde ich versteckt noch einige lange Hosen, warme Strickjacken, eine Softshelljacke und eine Matschhose sowie dicke Socken und werfe alles auf einen Haufen, der dann „nur“ noch in den Koffer muss.

Bei den Schuhen hingegen ist außer einem paar Wanderschuhe und den Sneakers alles zu klein, aber noch bin ich optimistisch, dass der Winter bis zum kommenden Wochenende vielleicht doch in laue Frühlingstemperaturen übergeht.

Beim Blick ins E-Mail-Postfach finde ich eine Nachricht der Children’s Cancer Foundation, sie akzeptieren mich als „volunteer“ und brauchen nun sämtliche Impfnachweise. Also werfe ich den Scanner an und schicke den seitenlangen Nachweis. Da ich als Kind Windpocken hatte und deshalb nie eine Impfung bekommen habe, muss ich wohl dennoch zum Bluttest antreten. Mal abwarten.

Kurz nach dem Mittagessen, das aus Resteküche besteht und bei der Moritz seine Liebe zu Nudelsuppe mit „Anneliese“-Brühe (= Instant-Brühe, die wir aus der Heimat bekommen) entdeckt, bricht draußen ein tropisches Gewitter los, das wie immer kurz, aber umso heftiger ist. Für meinen Weg zum Kindergarten am frühen Nachmittag sind Flipflops das perfekte Schuhwerk, um durch die Pfützen zu hopsen, findet auch Titus!

Natürlich besteht der Junior auf den all-nachmittäglichen Kaffeeklatsch und hat in Moritz einen Komplizen – die beiden sind wirklich herrlich zusammen, der Kleine bewundert den Großen maßlos, und der Große fühlt sich endlich einmal nicht mehr als der „Ewig-Kleine“.

Zusammen wird anschließend gebastelt und gewerkelt, zum Glück haben wir ausreichend Kartons und Pappe in der Abstellkammer. Als wir vorsichtig nachfragen, erklärt Titus, dass er hier eine „Überraschung für Frauen“ bastle. Aha.

Der Nachmittag vergeht schneller als gedacht, und gegen 18 Uhr schaffen wir endlich den Aufbruch, damit wir wenigstens einmal am Tag ein bisschen was von Singapur sehen. Die Buben laufen brav zusammen zur Bushaltestelle, Titus maßregelt Moritz ausgiebig, wenn dieser seiner Meinung nach zu schnell oder zu langsam läuft.

Kurz darauf schlendern wir durch die Orchard Road, wie immer herrscht hier reger Betrieb, die Shoppingwütigen tummeln sich rund um die hell erleuchteten Einkaufszentren.

Wir lassen Gucci, Armani und Hérmes links liegen und steuern in der Paragon Mall direkt das Untergeschoss an, um dort im legendären und heiß geliebten „Din Tai Fung“ einzukehren. Die Kinder beaufsichtigen eine Weile die vielen Köche, die im Akkord Dumplings rollen, und bald darauf biegt sich der Tisch unter den bestellten Speisen – da haben wir wohl ein wenig übertrieben bei der Bestellung!

Falsch gedacht, denn vor allem die beiden Jungs hauen sich die Bäuche voll, stopfen Dumplings, Suppe, Fried Rice und Knoblauch-Spinat in sich hinein, bis praktisch nichts mehr übrig ist. Die Rechnung ist gesalzen, da haben wir mit drei Erwachsenen und zwei Kindern ganz schöne Mengen verputzt. Aber es war einfach zu lecker!

Zuhause finden wir einen schwerkranken Norman im Bett vor, ihn hat die allgemeine Schnupfenwelle erwischt. Titus holt natürlich sofort seinen Arztkoffer, und trotz später Stunde muss ich noch die Männer „verarzten“, zum Glück habe ich erst kürzlich den Medikamentenvorrat sortiert und auf Vordermann gebracht.

Der Abend endet mit einem Gläschen Wein auf dem Balkon in netter Gesellschaft… Das war mein Tagesbericht in zwölf Bildern vom 12. des Monats, mehr dazu unter bei „Draußen nur Kännchen“.

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