Viel gelernt, gegessen, getrunken und gehört!

Viel gelernt, gegessen, getrunken und gehört!

Am Freitag, nach meinem Wocheneinkauf auf dem „wet market“, war ich ein wenig verzweifelt: nirgendwo, weder auf dem Markt bei den zahlreichen Gemüseständen, noch im sauteuren Cold Storage-Supermarkt konnte ich Chicoree auftreiben! Dabei wollte ich doch so gerne einen Salat machen.
Inzwischen weiß ich bei den meisten Lebensmitteln, wo ich sie herbekomme – aber Chicoree? Da muss ich mich wohl nochmal auf die Suche machen, notfalls im gigantischen Mustafa Centre, denn: da gibt’s einfach alles!

Zur Aufmunterung fuhr ich zu einem Treffen mit meiner Freundin Petra ins Stadtviertel Bugis. Da sie sich ein wenig verspätete, nutzte ich die Zeit und schaute mir das mitten in der Middle Road/Ecke Victoria Street gelegene National Design Centre an.

Darin versammeln sich unter einem Dach diverse Design-Geschäfte, Pop-up-Stores, Werkstätten, Gallerien, es gibt Workshops und Vorträge, und etwas versteckt gelegen findet man momentan eine Ausstellung „Fifty Years of Singapore Design„. Diese ist kostenlos zu besichtigen, und so verbringe ich eine gute halbe Stunde damit, mir Objekte anzuschauen, die entweder für Singapur oder von Singapurer Designern erschaffen wurden.

Chronologisch geordnet, geht es los mit dem Design der Landesflagge: diese zeigt auf rot-weißem Grund einen Halbmond und fünf Sterne, und der Text dazu erklärt die Bedeutung dieser Symbole.

Ebenso lerne ich, wie der noch junge Staat in Ende der 50er Jahre eine eigene Währung entworfen hat, wie die Stadtentwicklung seit dem Wirtschaftsaufschwung rasant voranging und wie der Bau des Flughafens vorangetrieben wurde, wie Stadtviertel erschlossen und die ersten gigantischen Wohn-Komplexe gebaut wurden.

Zwischen Fotos, Zeitungsartikeln, erklärenden Texten und Fernsehbeiträgen stehen Schaufensterpuppen, die Mode und Schmuck der 60er, 70er, 80er und 90er Jahre zeigt, die von Singapurer Designern stammt, außerdem beschäftigt sich eine Abteilung mit der legendären Uniform der Singapore Airlines-Mitarbeiterinnen. Sehr spannend!

Anschließend hielt ich mit Petra im gegenüberliegenden Mellower Café einen netten Kaffeeklatsch ab. Die Preise für Kaffee sind gesalzen, aber es handelt sich auch um ein echtes „Hipster-Café“: alles ist Instagram-tauglich ausgeleuchtet und es gibt neben den „normalen“ Kaffeegetränken auch abgefahrenes wie den „Sweet Rain“ für stolze S$10:
hier hängt über der Tasse, die mit schlichtem schwarzen Kaffee gefühlt ist, eine Wolke aus Zuckerwatte. Durch den aufsteigenden Kaffeedampf schmilzt diese und „regnet“ Zuckertröpfchen ins Getränk, bis es süß genug ist. Sieht spektakulär aus, ist aber ungemein schwierig zu trinken, denn bis die Wolke geschrumpft ist, ist der Kaffee kalt und alles klebt vom heruntergetropften Zucker.

Am Samstag verbringt Norman den halben Tag am PC zuhause, um die Unterlagen für die Steuer zusammenzusuchen und die Daten einzutragen. Für das Jahr 2017 werden wir sowohl in Deutschland als auch in Singapur besteuert, und so muss ganz schön viel Papierkram gewälzt werden. Die Väter in Deutschland scannen brav Dokumente ein, die per Post bei ihnen gelandet sind, und so füllen sich die benötigten Dokumente zum Glück schnell. Das Finanzamt Singapur ist ganz schön strikt: bis 15.4. muss die Steuererklärung eingereicht sein, andernfalls wird eine Geldstrafe fällig. Danach geht es ans Bezahlen; denn hier gibt es keine monatlichen Abzüge vom Lohn, sondern eine jährliche Steuernachzahlung. Man darf also gespannt sein!

Um Norman ein wenig aufzumuntern, machen wir abends einen Ausflug in die neu eröffnete Filiale der Burgerkette Mellower Café. Auch hier wurden Birkenstämme aufgestellt, die Saucen und auch die Speisekarte warten mit deutschen Bezeichnungen auf, es gibt ein Malbuch und Stifte für Titus und auch das Speisenangebot ist fast identisch zu dem in Deutschland. Da kommen fast ein wenig Heimatgefühle auf, allerdings sitzen wir hier natürlich auch Anfang Februar zum Essen draußen auf der Terrasse, und die Preise sind eindeutig singapurisch!


Kostenlos dagegen ist das anschließende OpenAir-Konzert „Rockestra“, das wir im Fort Canning Park besuchen: auf einer riesigen Bühne bieten diverse Bands Hits der 60er bis 90er Jahre dar, während Tausende Besucher gemütlich auf Picknickdecken auf der Wiese sitzen, der Musik zuhören, mitsingen und tanzen. Titus ist wie immer völlig fasziniert von der Live-Musik, hopst herum und sammelt mit großem Eifer die kostenlosen Blinklichter ein, die an die Besucher verteilt werden. Wir haben Mühe, ihn gegen 21 Uhr nach Hause zu bugsieren!

Wie schon am letzten Wochenende führt uns auch diesmal am Sonntag unser Weg nach Sentosa, der Strand ruft! Endlich kommen wir dazu, uns eine sog. „Islander-Card“ zuzulegen: für eine Jahresgebühr von S$50 für die ganze Familie dürfen wir ab sofort kostenlos die Monorail benutzen bzw. ohne „Eintritt“ (am Wochenende: S$7) auf die Insel fahren und bekommen dort in fast allen Restaurants und Cafés 10% Rabatt – wenn wir das mal früher gewusst hätten!

Diesmal machen wir es uns am Siloso Beach im WaveHouse gemütlich: wir essen zu Mittag, Titus buddelt ausgiebig im Sand, später stoßen Freunde und Bekannte dazu, und am späten Nachmittag probiert fast die ganze Truppe zusammen ihr Glück auf der fest installierten Welle, die dem Beach Club seinen Namen gibt. Eine Stunde lang wird unter großem Gekicher das Surfen ausprobiert, bis alle mehr als genug Wasser geschluckt haben, und auch Titus darf zumindest mal ein paar „Trockenübungen“ machen. So lässt sich ein Sonntag im Februar bestens aushalten!

Zum Schluss noch „Werbung“ in eigener Sache: in der Februarausgabe des deutsche Magazins „Impulse“ sind gleich zwei Artikel von mir erschienen. Schaut also gerne mal rein, hier gibt’s die Online-Version!

4 Replies to “Viel gelernt, gegessen, getrunken und gehört!”

  1. Ja, liebe Nadine, zum wiederholten Male alle Achtung ob deiner literarischen Fähigkeiten. Ich bin erst jetzt so weit mit dem Lesen all deiner Artikel; denn du schreibst bald schneller, als ich lesen kann, wobei mit“ich“ schließe ich Anneliese ein!
    Wir lesen mit viel, viel Interesse deine bzw, eure Erlebnisse, können wir doch nach unserer wenn auch kurzen Stipp Visite manches gut nachempfinden und – so Gott will – werden wir noch weiteres erleben können, allerdings da ist doch noch ein wenig Geduld abverlangt ! Wir freuen uns schon auf euer Kommen im März. Also vorab weiterhin eine gelungene Feder
    lG Peter und Anneliese

  2. Geht mir auch so , dass ich morgens immer pünktlich deine Mail lese, liebe Nadine, sozusagen den Tag mit deinen oder besser euren spannenden Erlebnissen starte und miterlebe.
    Liebe Grüße und danke
    Gaby

    1. Liebe Gaby,
      das freut mich, dass ich sozusagen dabei bin, wenn Du den Tag beginnst! Das motiviert mich sehr, dran zu bleiben und weiter zu schreiben!
      Liebe Grüße, Nadine

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