Monatsrückblick: Januar 2018

Monatsrückblick: Januar 2018

Ein halbes Jahr ist vorbei, vor genau 6 Monaten sind wir in Singapur gelandet und wohnen seitdem hier im „Red Dot“. Zeit, ein wenig über Heimatgefühle zu reflektieren!

Die Wochen seit unserem Umzug sind schnell vergangen, und bald steht im März schon unser erster Besuch in Deutschland an. Die Einkaufsliste und die Freunde-Treff-Liste wird länger und länger, und wir freuen uns sehr, alle Lieben wiederzusehen. Andererseits ist uns auch völlig bewusst, dass wir in der begrenzten Zeit, die wir zwischen München und Senden aufteilen werden, sicherlich nicht alle so ausgiebig sehen können, wie wir vielleicht gerne möchten. Ebenso bewusst ist uns, dass es für 2018 der einzige Ausflug nach Deutschland bleiben wird; unser Ferienkalender für dieses Jahr ist voll mit eigenen Reiseplänen und mit Besuchern, so dass wir erst 2019 wieder den Flug nach München antreten werden. Diese Tatsache hilft mir übrigens dabei, in Singapur tatsächlich unser aktuelles Zuhause zu sehen.

Trotzdem muss ich zugeben, dass ich nun noch mehr „inflationär“ mit den Begriffen „daheim“, „zuhause“ und „Heimat“ umgehe als bislang eh schon. Für mich gibt es da tatsächlich keine richtige Zuordnung!
Im Alter von knapp 20 bin ich zum Studieren von „Daheim“, also dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin, weggezogen, und habe danach nie mehr dort gewohnt. Mein Elternhaus und eben dieses Kleinstädtchen ist zwar immer noch eine Art „Heimat“, aber eine, auf die ich niemals sehnsüchtig zurückblicke. Ich verbringe da zwar gerne (Frei-)Zeit, könnte mir aber nicht vorstellen, jemals wieder dort zu leben.
Anders sieht es mit München aus. Dort bin ich 2001 als kleine Studentin angekommen – und (bis auf ein halbjähriges Auslandssemester in Bern) – nie mehr weggegangen. Die Stadt hat mir vom ersten Moment an unglaublich gut gefallen, ich habe dort in den vergangenen 17 Jahren großartige Menschen kennengelernt, tolle Jobs gehabt, habe das Leben in der Stadt in all ihrer Schönheit genossen, kann mich immer noch an ihrer tollen Umgebung (Berge! Seen!) erfreuen und neue Ecken und Sehenswürdigkeiten entdecken. Nie kam bei uns die Idee auf, innerdeutsch irgendwo anders leben zu wollen. Seit wir vor knapp fünf Jahren in unsere eigene Wohnung in Schwabing gezogen sind, war diese unumstößlich unser „Zuhause“. Titus kannte bis zu unserem Umzug nur dieses „Zuhause“ und genoss die Dorfatmosphäre am Ackermannbogen, die so klein und beschaulich ruhig ist, dass selbst ein Kleinkind sie überblickt, wirklich sehr.

Als wir uns dann von dort verabschiedeten, war immer klar: in genau dieses „Zuhause“ kehren wir irgendwann zurück. Sehr tröstlich, so konnte gar kein Abschiedsschmerz aufkommen!

Und jetzt leben wir eben seit einem halben Jahr in Singapur. Ich schreibe bewusst „leben“ und nicht „wohnen“, denn wir sind voll und ganz hier angekommen, haben Freunde gefunden, uns eingelebt, kennen uns einigermaßen gut aus in der Stadt und erleben trotzdem noch so viel Neues, dass uns nicht langweilig wird.
Ich ertappte mich kürzlich dabei, als ich zu Titus sagte, nachdem wir von einer unserer Kurzreisen wieder am Flughafen in Singapur gelandet waren: „So, jetzt nehmen wir gleich ein Taxi und fahren nach Hause.“ Und genau das ist unsere Wohnung hier: unser „Zuhause“. Kein temporärer Zwischenstopp, keine Übergangslösung, nein: wir sind hier „daheim“.
Immer öfter wird mir übrigens in der letzten Zeit bewusst, dass Titus‘ Erinnerungen an sein Münchner Zuhause mehr und mehr verblassen werden. Sollten wir etwa 2020 zurückkehren, hat er die Hälfte seines kleinen Lebens in Singapur verbracht, und wird wohl nicht mehr allzu begeistert sein, dass er sich von allem verabschieden muss, um in München neu anzufangen.

Hier fängt nun der erzieherische Zwiespalt an: schüre ich die Erinnerungen an München und suggeriere damit dann doch, dass Singapur nur eine kurze Station bleiben wird? Oder lebe ich das Hier und Jetzt und degradiere die deutsche „Heimat“ zu einem reinen Ferienziel?

„Home is, where your heart is“ – nein, so ganz stimmt dieser Küchenkalender-Spruch für mich eigentlich nicht, hat er noch nie. Denn noch nie in meinem Erwachsenenleben waren alle meine Lieben am gleichen Ort versammelt. Stattdessen verteilen sie sich über meine verschiedenen Wohnorte und noch viel weiter – mein „home“ ist also kein konkreter Ort, sondern immer der Platz, an dem ich mich wohlfühle, tun kann, worauf ich Lust habe, und tolle Menschen um mich habe!

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