Inselglück auf Bintan

Inselglück auf Bintan

Mit dem Taxi geht es am Samstag morgen durch quasi menschenleere Straßen zum Tanah Merah Ferry Point. Wie auf unserer Ticketbuchung angegeben, sind wir 90 Minuten vor Abfahrt da, der Check-In und die Gepäckabgabe funktioniert ähnlich wie am Flughafen. Nur haben wir noch genügend Zeit, um ein Frühstück einzunehmen: echt indonesisch, mit schwarzem Kaffee, Kaya-Toast und zwei weichgekochten Eiern, die man in ein Schälchen schlägt und mit Sojasauce würzt. Die indische Dame an der Kasse des kleinen Cafés bringt zwar unsere Bestellungen völlig durcheinander, aber satt sind wir dann doch. Die Fähre nach Bintan legt pünktlich ab, und bereits nach den ersten Metern bin ich froh, dass ich nicht allzu viel gegessen habe – denn obwohl der Katamaran die schlimmsten Wellen ausgleicht, hat das Schiff ganz ordentlich Seegang, und die ersten Spucktüten werden ausgepackt. Titus ist zum Glück so angetan von seinen neuen Spielkameradinnen, dass er sämtliche Übelkeit vergisst.

Nach knapp einer Stunde erreichen wir die indonesische Insel, und besteigen dort ein Taxi, das uns an die Ostküste zu unserer Unterkunft bringt. Die einstündige Fahrt mitten durch Palmöl-Wälder vergeht wie im Flug, denn es gibt Affen am Straßenrand zu sehen, und zur großen Freude von Titus singen wir alle zusammen zig Strophen von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“, um ihn ein bisschen zu unterhalten. Als uns die Strophen ausgehen, erfinden wir voller Elan neue, und unser Fahrer, der die ganze Zeit nur schmunzelt, bedankt sich bei der Ankunft sehr herzlich für den netten Gesang.

Das Mutiara Beach Guesthouse besteht aus einigen Holzhütten inmitten einen hübschen Kokospalmenwäldchens und direkt an einem wunderschönen, einsamen Sandstrand. Am Nachmittag, bei Ebbe, bilden sich dort kleine, flache Tümpel, von Titus als „Kindermeer“ betitelt, in denen man ungemein gut eine Stunde im badewannenwarmen Wasser sitzen und sich von der Sonne bescheinen lassen kann. Die Hüttchen, in denen wir schlafen, sind einfach, aber nett eingerichtet, die „eigene“ Terrasse und das angrenzende Badehäuschen gefallen uns auch, und der „Restaurantbereich“ (bestehend aus ein paar gezimmerten Tischen und Stühlen im Freien) ist sehr idyllisch. Ich bin überaus angetan, für den absoluten Schnäppchenpreis dieses Low-Budget-Hotels hätte ich weitaus weniger erwartet!

Nachdem wir uns eingerichtet haben, gehen wir natürlich an den Strand, und darin besteht auch für die folgenden drei Tage unser Haupt-Programm: gemütliches Frühstück gegen 8:30 Uhr (Titus: „Darf ich die Mädle schon wecken?“), am Strand herumliegen bzw. baden, im Sand graben, sich auf der pittoresken Schaukel über den Strand schwingen, hin und wieder einen frisch gepressten Ananas-Saft oder eine Kokosnuss (frisch von der Palme) bestellen und dann nach Einbruch der Dunkelheit zum Abendprogramm (Essen, Kind ins Bett bringen, zusammensitzen und quatschen).
Am ersten und zweiten Tag schimpfe ich noch ein wenig über die Getränkeauswahl, denn auf der Speisekarte gibt es „nur“ Bier als alkoholisches Getränk, und selbst auf Nachfrage verneint man eine größere Auswahl. Deshalb nehmen wir am Sonntag bei Gluthitze, die man am immer windigen Strand zum Glück nicht merkt, einen 20minütigen Spaziergang ins nächste Dorf (= 4 Hütten) auf uns, um dort im Tante-Emma-Laden nach Alkoholika zu forschen, doch werden wir ebenfalls nicht fündig und kehren verschwitzt immerhin mit Keksen und Knabberkram bestückt zurück.

Erst am darauffolgenden Tag entdecken wir beim Abendessen rein zufällig eine ziemlich versteckte Cocktailkarte, und können dann auch problemlos daraus bestellen, was wir den Rest des Aufenthalts ausgiebig tun…

Norman, Simone und Katrin testen ausgiebig den hoteleigene „River Spa“ mit diversen Massagen, die laut allgemeiner Aussage sehr günstig und sehr toll seien. Ganz getreu meinem selbstauferlegten Credo für unser Auslandsabenteuer, jeden Monat etwas völlig Neues auszuprobieren, wage ich mich also am nächsten Tage ebenfalls an eine einstündige Massage inkl. „Body Scrub“. Bislang konnte ich dieser Form von Entspannung nichts abgewinnen, mir behagt das „Herumkneten“ nicht besonders. Deshalb liegt meine letzte Erfahrung damit schon viele Jahre zurück und seither habe ich einen erneuten Versuch komplett verweigert. Doch nun ist die Gelegenheit gekommen – und ich muss zugeben, dass die Stimmung in dieser kleinen Hütte, wo nur das Zirpen der Grillen und das Rauschen der Palmen zu hören ist, schon sehr angenehm ist. Das Peeling fällt zwar etwas schmerzhafter aus, als ich dachte, aber laut Simone verströme ich danach überaus intensiven Ingwer-Geruch, und ich fühle mich wirklich sehr entspannt.  Titus lässt sich derweil von Katrin und Simone hüten, denn Norman muss bereits am Sonntag Abend mit der letzten Fähre zurück nach Singapur, da für ihn am Montag wieder die Arbeit ruft.

Wir genießen derweil weiter unser Beach-Lotterleben, und Titus lässt sämtliches Spielzeug links liegen, schält zusammen mit Katrin mit Engelsgeduld stundenlang Kokosnüsse, um aus den Fasern anschließend eine „Liane“ zu knüpfen. Auch Simone steigt in diese „Experimentier-Reihe“ ein (Titus: „Wie heißt das Wort, das die Katrin immer sagt? Expemimente?“), und so werden Muscheln nicht nur gesammelt, sondern auch genau betrachtet, es wird gemalt und mit Wasser, Erde, Sand und Blättern herumgematscht, Wellen analysiert und professionelles Anschleichen geübt. Kurz: das Kind ist selig, völlig entspannt, langweilt sich keine Sekunde lang und schwer verliebt in die beiden Besucherinnen.

Obwohl der ganze Ausflug ja wahrlich nur ein Kurzurlaub ist, da wir am Dienstag morgen schon wieder aufbrechen müssen, genießen wir die Zeit dort sehr. Wir Mädels haben natürlich viel zu erzählen und zu gackern, aber auch die ganze Umgebung lässt uns alle sofort in den Urlaubsmodus fallen; dazu trägt natürlich auch bei, dass außer uns kaum andere Gäste da sind und wir aufgrund des weitläufigen Geländes kaum etwas mitbekommen. Das einzige Manko ist, dass das Meer durch die Wellen viel zu eingetrübt ist und deshalb unsere Schnorchel-Versuche buchstäblich im Sand verlaufen – außer Sand und Seegras ist überhaupt nichts zu sehen, egal, wie weit wir rausschwimmen. Außerdem nerven die Sandmücken am Strand und die Stechmücken in und um unseren Bungalow zunehmend, und obwohl wir großzügig Mückenspray verwenden, sind wir allesamt komplett zerstochen bei unserer Rückkehr.

Unsere Heimreise verläuft gemütlich, unser Fahrer kommt pünktlich und wird nur nervös, als Titus urplötzlich verkündet, dass ihm schlecht sei und ich den Fahrer anherrsche, er möge bitte sofort anhalten. Das Ganze stellt sich als Fehlalarm heraus, aber sicherheitshalber singen wir den Rest der kurvigen Fahrt die komplette „Vogelhochzeit“ inkl. neuer Strophen durch, das scheint wirklich zu helfen. Gegen Mittag kommen wir Singapur an, und den Rest des Nachmittags verbringen wir mit Aus- bzw. Umpacken. Während ich die Wäsche sortiere und die Wohnung wieder auf Vordermann bringe, beschäftigen Katrin und Simone Titus aufs Beste, anschließend gehen wir zusammen los, essen ein Eis und schwimmen danach noch eine letzte gemeinsame Runde im Pool. Am Abend ist dann der Abschied gekommen, ich muss zum Chor und die beiden Damen brechen auf zum Flughafen. Titus wird sehr wehmütig, aber seine Babysitterin Jiexi kümmert sich rührend um ihn und mit vielen Versprechungen auf ein baldiges Wiedersehen reisen unsere Besucherinnen ab – natürlich nicht ohne ein paar selbst gemalte Kunstwerke von Titus im Gepäck, „zur Erinnerung“!

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