In luftigen Höhen

In luftigen Höhen

Der Neujahrstag beginnt für mich damit, von einem sehr ausgeschlafenen Kind geweckt zu werden – da ich äußerst spät ins Bett gegangen bin, fängt das Jahr des Hundes damit schon gleich mal schlecht an. Immerhin können wir den Kompromiss schließen, dass ich im 1.20 m langen Kinderbett noch ein wenig dösen darf, während der Junior malt. Als ich eine halbe Stunde später endlich die Augen öffnen kann, entdecke ich an allen Zimmertüren rote Bastelarbeiten, die „sollen die bösen Löwen vertreiben“.

Auch Katrin und Simone sind nach dem Aufstehen äußerst angetan, dass sich Titus so um ihre Sicherheit bemüht, und belohnen ihn mit einer ausgiebigen Runde Kaufladen-Spielen.

Gegen Mittag schaffen wir es endlich, gemeinsam aufzubrechen. Mit dem Bus geht es einmal quer durch die völlig ausgestorbenen Innenstadt – tatsächlich ist heute der einzige Tag des Jahres, an dem (zumindest vormittags) die meisten Geschäfte und Restaurants geschlossen haben! Auf den Straßen sind kaum Autos unterwegs, Taxis sind praktisch nicht zu bekommen, denn alle Singapurer verbringen den Tag mit ihrer Familie. Wir wollen „Gardens by the Bay“ besuchen, leider jammert Titus bereits nach einer halben Stunde Schlendern über Blasen an den Füßen und ich muss erst einmal auf die Suche nach einem geöffneten Seven-Eleven-Laden gehen und Pflaster kaufen. Mit unseren Gästen bestaunen wir dann die Gartenanlage mit ihren „Supertrees“, doch uns steckt allen die kurze Nacht in den Knochen und so enteilen wir der zunehmenden Hitze draußen und besuchen den feucht-kühlen „Cloud Forest“. Es herrscht ein ganz schönes Gedränge, selbst für die Aufzugfahrt nach oben müssen wir ewig anstehen, heute ist eben Familien-Ausflugstag.

Trotzdem genießen wir die Aussicht und die Pflanzenwelt, sind aber nach knapp zwei Stunden ordentlich durchgefroren und müssen uns draußen in der Sonne erst einmal aufwärmen. Pittoresk kreuzt dort ein großer Waran unseren Weg, und mit Titus spielen wir Wettrennen, denn wegen seiner Blasen muss er nun barfuß laufen, und die Wege sind so aufgeheizt, dass wir von Schattenfleck zu Schattenfleck sprinten.

Ziemlich durchgeschwitzt kommen wir endlich am Marina Bay Sands Hotel an; zur Feier des Tages bzw. von Katrins Geburtstag lädt Norman uns auf einen Cocktail auf der Dachterrasse in die „Ce la vie“-Bar ein. Vom 57. Stockwerk aus hat man einen sensationellen Blick über die ganze Stadt, und auch über den weltberühmten Infinity-Pool, in dem sich die Hotelgäste eher der Selfie-Fotografie als dem Schwimmen widmen. Wir genießen unseren Cocktail, bespaßen Titus, der dicke Freundschaft mit den beiden Besucherinnen (die er konsequent als „Mädchen“ bezeichnet) geschlossen hat, und würden am liebsten ewig auf unseren gemütlichen Lounge-Sesseln sitzenbleiben.

Doch der Hunger ruft, und so geht es per Taxi nach Little India, wo wir Simone und Katrin zum Dosa essen ins „Komala Vilas“ ausführen.

Das Essen ist herrlich, wenn auch ziemlich scharf, und gut gesättigt kehren wir auf einen Absacker auf den heimischen Balkon zurück. Titus nimmt derweil noch ein wichtiges Projekt in Angriff und bastelt höchst konzentriert eine Geburtstagskrone für Katrin, bevor er sich dann endlich überreden lässt, ins Bett zu gehen.

Norman schläft vor lauter Ermattung direkt mit ein, als er ihm noch ein Buch vorliest, und auch die Damenrunde löst sich recht früh auf, um den Koffer für den morgigen Indonesien-Kurzurlaub zu packen und endlich auszuschlafen.

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