12 von 12 im Februar

12 von 12 im Februar

Es ist kurz nach 22 Uhr, und der 12. Februar ist schon beinahe vorbei: hier kommt der Tagesrückblick à la „12 von 12„:

Der Tag beginnt gegen 7:45 Uhr damit, dass ich das Geschirr verräume. Gestern abend hatten wir unsere Freunde Laura und Eli zu Gast, es gab vietnamesische Sommerrollen und dementsprechend groß war das Geschirr-Aufgebot. Da Norman das Abspülen übernommen hat, kann ich diesmal gar nicht über die fehlenden Spülmaschine jammern!

Eli hat uns „Chinese New Year-Neulingen“ gestern abend die Tradition des „Yu Sheng“ näher gebracht. Dabei wird eine Mischung seltsamer Lebensmittel, die alle irgendwelche Glückssymbole verkörpern, gemeinsam unter lauten „Lo hei“-Rufen möglichst hoch mit Hilfe von Essstäbchen in die Luft geschleudert; die daraus resultierende Sauerei gehört dazu. Anschließend wird das zuckersüße Gemisch aus Rettich, Pflaumensauce, Sesam, Öl, Karotten und Gewürzen zusammen verspeist. Davon habe ich leider kein Foto (gilt ja auch nicht, das war ja bereits gestern!), aber immerhin kann ich nun unsere dezente Neujahrsdeko zeigen:

Nachdem ich Titus im Kindergarten abgeliefert habe, eile ich, bepackt mit frisch gebackenem Apfelkuchen, zur großen Kochclub-Party. Ein- bis zweimal jährlich lädt ICCS-Gründerin Michelle alle aktiven Mitglieder des Kochclubs zu einer gemeinsamen Party ein, die ersten fünfzig, die sich anmelden, bekommen einen Platz. Michelle stellt das „Party House“ ihres luxuriösen Condos zur Verfügung sowie alle Getränke, und jede Teilnehmerin bringt im Gegenzug eine Spezialität aus ihrer Heimat mit. Diesmal war das Motto zusätzlich natürlich „Chinese New Year“, deshalb wurden alle gebeten, entweder in rot oder sonstwie passend chinesisch bzw. festlich gekleidet zu kommen. Beim Weg zum Partygebäude staune ich nicht schlecht über den sensationellen Pool, der größer ist als der eines Fünf-Sterne-Resorts.

Im Partyraum wird das Büffet befüllt, die Sektkorken knallen, und über den vielen verschiedenen Speisen, die alle ausgiebig begutachtet und probiert werden müssen, entspinnt sich so manches Gespräch. Das Essen ist sensationell, einige der Hobbyköchinnen und -bäckerinnen arbeiten offenbar direkt am Profi-Niveau, und die Sprüche in den verteilten Glückskeksen tragen zusätzlich zur Stimmung bei:

Wieder zuhause angekommen, nutze ich die verbliebende Zeit und renne mir bei einer schnellen Runde auf dem Laufband den Prosecco-Dampf aus dem Kopf. Leider brennt die Mittagssonne unerbärmlich auf das vollverglaste Dach des „Gyms“, so dass ich trotz auf Hochtouren laufender Klimaanlage bei lebendigem Leib gegart werde. Ich sehe noch eine Stunde später aus wie eine zu lange gekochter Hummer und werde von einer Kindergarten-Mitarbeiterin bei der Abholung besorgt gefragt, ob ich einen Sonnenbrand habe. Ein Foto von meinem Kopf erspare ich Euch deshalb.

Im Briefkasten habe ich heute zwei Zettel vorgefunden, dass der Paketbote mich leider nicht angetroffen hat. So lerne ich nun die Singapurer Variante der Packstation kennen: die POPStation! Dort kann man am Lesegerät den Infozettel einscannen, dann die per SMS versandte PIN eingeben, und schon öffnet sich das magische Türchen und man kann das Paket entnehmen. Wie praktisch!

Mit Titus marschiere ich anschließend weiter zur nur wenige Meter entfernten Bushaltestelle. Der Himmel ist heute quasi wolkenfrei, und dementsprechend heiß ist es – so heiß, dass das Kind selbst auf dem kurzen Weg ein paar Trinkpausen einlegen muss und wir froh sind, im klimatisierten Bus Platz nehmen zu können.

Die Regenzeit ist definitiv vorbei, es hat seit knapp zwei Wochen nicht mehr geregnet, die Luftfeuchtigkeit sinkt tagsüber auf „angenehme“ 70%, während die Tageshöchsttemperatur bei gut 33 Grad liegt.

Unser Weg führt uns zum „Pororo Park„, einem Indoor-Spielplatz, der natürlich mitten in einem Einkaufszentrum liegt. Großzügigerweise gewährt man uns 5% Rabatt auf den Eintrittspreis, weil ich mit der richtigen Bankkarte bezahle, trotzdem muss ich mir auf den Schreck (S$ 33!) erst einmal einen ausgezeichneten Cappuccino im zugehörigen Café holen.

Titus ist derweil natürlich ganz in seinem Element und macht das Bällebad, die Hüpfburg, den Kinder-Kaufladen sowie den mit Styroporkügelchen gefüllten „Sandkasten“ unsicher. Zwei Stunden vergehen da wie im Nu, ich habe sogar Zeit, ein wenig in der mitgebrachten Zeitschrift zu blättern und ein bisschen vor mich hin zu starren, da das Kind selbstvergessen spielt.

Wieder einmal erfreuen wir uns über die kinderfreundlichen Einrichtungen in öffentlichen (und auch nicht-öffentlichen) Gebäuden: es gibt immer, wirklich immer ein Kinderwaschbecken bei den Toiletten!

Mit dem Bus geht es im Eiltempo nach Hause; das ist wörtlich zu verstehen, denn unser Busfahrer heizt dermaßen quer durch die Stadt, dass er an einigen Haltestellen sogar die winkenden Fahrgäste ignoriert und einfach weiterbraust. Titus unterhält mich, während ich mich und ihn krampfhaft festhalte, um nicht bei jeder Kurve durch den Innenraum zu segeln, mit haarsträubenden Geschichten über Drachen, die weder Feuer noch rotes Papier mögen („Mama, deshalb muss man an die Haustür immer rotes Papier kleben, verstehst Du?!“), singt mir vier neue chinesische Lieder vor, berichtet mir über seine Sesamstraßen-Fachsimpeleien mit seiner Kindergärtnerin („Miss Chong mag das Cookie Monster am liebsten, die hat sogar ein Lesezeichen mit einem Bild drauf. Ich hab ihr erzählt, dass ich das Cookie Monster am Wochenende getroffen habe.“), und mir ist bald schwindelig im Kopf…

Zuhause werfe ich schnell die schon vorbereitete Spargelquiche in den Backofen, die wir wie jeden Abend auf dem Balkon sitzend verspeisen – das genieße ich wirklich sehr: die ausgiebige, ganzjährige Nutzung des Balkons! Der ist bei uns tatsächlich ein zusätzliches „Zimmer“ – und der Ausblick von unserem Schaukel-Sessel aus ist doch schon sehr schön, oder?

2 Replies to “12 von 12 im Februar”

    1. Liebe Suse, wie schön, dass Du hier mitliest! Mir geht es auch so, ich lese gerne die ganz „normalen“ Alltagsgeschichten!
      Viele Grüße, Nadine

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