Thailand: Tauchurlaub auf den Similan Islands

Thailand: Tauchurlaub auf den Similan Islands

Als ich morgens um 7 Uhr leise das Zimmer verlasse und zum Frühstücksbüffet marschiere, staune ich nicht schlecht: die ersten Hotelgäste sind damit beschäftigt, Sonnenliegen zu verrutschen, um sich den optimalen Platz am Strand und in der prallen Sonne zu sichern. Auf fast allen Liegen sind bereits Handtücher als „Reviermarkierung“ deponiert, zu sehen ist weit und breit allerdings noch kein Hardcore-Sonnenanbeter.

Die sitzen mit ihren rot-braun verbrannten Köpfen und faltigen Hälsen noch beim Frühstück. Ich hole mir wie meistens eine Portion Gemüse mit Reis vom asiatischen Teil des Büffets. Hinter mir raunzt ein sehr massiger älterer Österreicher seiner Frau zu: „So einen Schaaß fressen die hier schon zum Frühstück“ – und ich falle vor unterdrücktem Lachen fast in die Misosuppe.

Punkt 7:30 Uhr werde ich mit dem Kleinbus abgeholt und zum Pier gebracht, dort steige ich mit 15 anderen Tauchwilligen ins Schnellboot um. Koffer, Taschen und Tauchausrüstung wird verladen, und kurz darauf brausen wir los. Es geht zu den gut 30-40 km von der Küste entfernten Similan Islands, einem Naturschutzgebiet, bestehend aus unzähigen kleinen Inselchen – und ein Mekka für Taucher!

Nach 90 Minuten Fahrt, bei der außer etwas dösen und das Meer betrachten aufgrund des Lärms der zwei Außenbordmotoren und des Gerüttels durch die Wellen keine Beschäftigung oder Unterhaltung möglich ist, erreichen wir das Tauchschiff „Mariner 1“, das während der Saison Tag für Tag rund um die Inselchen schippert. Von der Crew bzw. den Tauchlehrern dort werden wir Neuankömmlinge freundlich begrüßt und „gebrieft“, und wenige Minuten später steht schon der erste Tauchgang auf dem Programm.

Ganz luxuriös habe ich einen eigenen Tauchlehrer zugeteilt bekommen, und wie sich herausstellt ist Fabi Deutscher – wie auch der Rest der Tauchcrew, denn das Unternehmen „Wicked Diving“ bzw. „Khao Lak Fun Divers“ ist offenbar in Schweizer Hand, und so sind bis auf wenige Ausnahmen fast nur Deutsche und Schweizer an Bord. Er lässt mich jedenfalls zunächst einmal meine Tauchausrüstung bereitstellen und überprüfen, und sobald vom Kapitän das Signal ertönt, dass der Tauchspot erreicht ist, hüpfen wir ins kristallklare Wasser. Mein Tauchcomputer zeigt 29 Grad Wassertemperatur an, und schon geht es abwärts.

Wie immer beim ersten Tauchgang bin ich zunächst damit beschäftigt, mich wieder an alles zu gewöhnen, mich auszutarieren und mich an das Gelernte zu erinnern. Die Strömung ist teilweise recht heftig, und so suchen wir Schutz zwischen den riesigen Felsblöcken, die am Meeresboden liegen. Diese sind großflächig mit Korallen bewachsen und bieten durch Höhlen und Tunnel unzähligen Fischen und Nahrung und Unterschlupf.
So bin ich gar nicht böse, dass nach dem Auftauchen nur gut 2 Stunden Pause inklusive einem tollen, thailändischen Mittagessen bleibt, bevor es gleich wieder ins Wasser geht. Diesmal tauchen wir durch Tunnel und unter Überhängen durch, entdecken dabei riesige Hummer, Clownfische aller Arten, Rochen und sonstiges Getier, während wir zwischen 26 und 12 m Tiefe unterwegs sind. Frieren muss ich dank kurzem Neoprenanzug diesmal tatsächlich nicht, das Wasser ist selbst in der Tiefe warm genug!

Nach dem Auftauchen ist Zeit für einen Nachmittagskaffee, etwas Obst und eine kleine Pause. Die Tagesausflügler werden vom Schnellboot abgeholt, und nur wir Übernachtungsgäste – 4 Schweizer, 2 Amerikaner und ich – bleiben mit den Tauchlehrern an Bord. Um die Zeit bis zum letzten Tauchgang des Tages zu überbrücken, werden wir mit dem Schlauchboot kurzerhand zu nahegelegenen Traumstrand einer der Inseln gebracht und dürfen dort eine Stunde baden oder die Insel erkunden. Der Sand ist so weiß und feinpudrig, dass er wie Puderzucker aussieht, das Meer türkis und badewannenwarm. Herrlich!

Beim anschließenden „Sunset Dive“ um 17 Uhr, springen wir „Verbliebenen“ alle gemeinsam als Gruppe ins Wasser. Für mich ist es sehr angenehm, mit lauter höchst erfahrenen Tauchern (die anderen haben alle bereits viele hundert Tauchgänge hinter sich) zusammen tauchen zu dürfen, da kann man sich viel abschauen und lernen! Bei deutlich nachlassendem Sonnenlicht und in sehr ruhigem Wasser cruisen wir völlig entspannt eine Stunde lang herum, jeder hat genug Zeit, selbst auf Entdeckungsgang zu gehen, und so finde ich gleich mehrere Feuerfische.

An Deck, nach einer heißen Dusche und mit trockenen Klamotten, werde ich an Deck sogleich mit einer Dose eiskaltem Bier empfangen. Während wir alle bei immer noch sehr angenehmen 31 Grad und leichter Brise zusammen sitzen, den Sonnenuntergang betrachten, bleibt endlich Zeit für ausgiebige Gespräche. Das thailändische Abendessen schmeckt herrlich, alle sind merklich ausgehungert, denn Tauchen zehrt ganz schön, da der Körper ja permanent „heizen“ muss und die Atmung erschwert ist. Nach dem ersten Bier folgt ein zweites und auch ein drittes, und gegen 21 Uhr macht sich bei allen merklich Müdigkeit breit.

Da das Boot nicht ausgebucht ist, bekomme ich eine winzige 4er-Koje für mich alleine und ziehe mich dorthin zurück. Eine Weile kämpfe ich mit der optimalen Raumtemperatur (mit Klimaanlage: zu kalt, ohne Klimaanlage: zu heiß) und dem Dauerlärm durch den ratternden Stromgenerator, doch dank Ohrstöpseln schlafe ich dann doch bald ein und werde von den leichten Wellen durch die Nacht geschaukelt.

Pünktlich um 6 Uhr, zur Weckzeit, wache ich von selbst auf, und treffe an Deck auf den Rest der Truppe, die bereits bei heißem Kaffee und einer Banane den sich anbahnenden Sonnenaufgang genießen. Um Punkt 7 Uhr springen wir gemeinsam zum „Sunrise Dive“ ins Meer, und wieder sind sowohl das Meer als auch ich völlig ruhig und entspannt. Wir sehen zwischen den eigentümlichen Felsformationen Hunderte und Aberhunderte Fische, teils alleine, teils in riesigen Schwärmen. Je öfter ich tauche, desto weniger Luft verbrauche ich, die erfahrenen Taucher haben die Atmung eh noch viel besser im Griff, und so können wir die volle Stunde, die als maximale Tauchzeit vorgegeben ist, voll ausnutzen.
So ein morgendlicher Tauchgang macht jedenfalls herrlich wach – und hungrig, so dass sich alle auf’s Frühstück stürzen.

Nun ist Warten angesagt: auf dem schattigen Oberdeck liegen wir auf bequemen Matten, lesen und hören Musik, dösen vor uns hin und erwarten die neuen Tagesausflügler. Als sie da sind, ist es plötzlich wieder voll und laut auf dem Schiff, und ich bin froh, dass ich „meiner“ bewährten Gruppe die nächsten zwei Tauchgänge absolvieren kann. Wir haben Glück und sehen gleich zweimal große Meereschildkröten, gut 1 m lang. Die eine frisst völlig ungerührt, während ich mich 30 cm nebe ihr an einem Stein festhalte und sie genau beobachten kann. In diesem Teil der Inseln wachsen unter Wasser riesige Korallen, die aussehen wie Farne, und so hat man den Eindruck, durch eine Art „Wald“ zu tauchen.

Viel zu schnell ist der Nachmittag gekommen und das Schnellboot erwartet mich zur Rückreise. Sechs Tauchgänge habe ich in nicht einmal 36 Stunden absolviert, und dabei so viel gelernt und gesehen. Durch die kurzen Pausen dazwischen und die immerwährenden gleichen Handgriffe konnte sich eine Routine entwickeln, die ich bislang noch nicht innehatte. Und dann gab es unter Wasser soviel zu entdecken: die „steinige“ Unterwasserlandschaft hat einen ganz eigenen Reiz, bislang kannte ich ja vor allem reine „Korallenriffe“. Absolut empfehlenswert und dank super Organisation der Tauchschule sehr professionell!

Dementsprechend herzlich ist der Abschied, und schon rast das Schnellboot los Richtung Khaolak. Ordentlich durchgeschüttelt und von Kopf bis Fuß salzig erreichen wir gegen 17 Uhr den Hafen, wo schon der Kleinbus bereitsteht und mich ins Hotel zurückbringt.

Dort treffe ich auf einen quietschfidelen Titus, der mit Oma und Opa im Pool plantscht – die zwei Tage „Exklusivzeit“ mit den Großeltern scheinen ihm gut gefallen zu haben!

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich meinen kurzen „Tauchurlaub“ machen konnte, ein echtes Erlebnis!

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