Das neueste Mitglied des International Cooking Club Singapore (ICCS)

Das neueste Mitglied des International Cooking Club Singapore (ICCS)

Vom ICCS habe ich ja bereits berichtet: für einen Artikel, der in der kommenden Woche im „Impulse“-Magazin erscheint (online verfügbar ab dem 1.2. unter www.impulse.org.sg), durfte ich die Gründerin Michelle kennenlernen. Von diesem Treffen ging ich nicht nur mit genügend Ideen für unseren Text, sondern auch mit einer Einladung, an einer vegetarischen Kochgruppe mitzumischen, nach Hause.
Dass ich von dem Kochbuch  dass Ende 2017 veröffentlicht wurde, total begeistert bin und schon viel daraus nachgekocht habe, hatte ich hier auch schon verkündet.

Tatsächlich schrieb mich Anfang Dezember die „Leiterin“ des vegetarisch/veganen Kochzirkels an und fragte mich, ob ich künftig bei ihnen mitmachen wolle. Aufgrund der in Singapur üblichen Fluktuation, bedingt durch Umzüge ins nächste Entsendungsland oder die Heimat und die Flut an Neuankömmlingen, ist ein Platz in der 10köpfigen Gruppe freigeworden. Peinlich genau wird hierbei übrigens darauf geachtet, dass das „International“ im Namen tatsächlich Programm ist: möglichst interkulturell muss die Zusammensetzung sein!

Noch kurz vor Weihnachten erfolgte ein erstes Kennenlernen mit meinen neuen Mitköchinnen; zu einem ganz relaxten Potluck fanden wir uns im Gemeinschaftsraum im Condo der Leiterin Emöke zusammen. Jede brachte eine (Weihnachts-)Spezialität mit, und so konnten wir gemeinsam ein überaus beeindruckendes Mahl einnehmen – natürlich Freitag mittags, alle von uns sind nicht oder freiberuflich, einige davon haben Kinder. Südafrikanerin Carolyn brachte sogleich ihre Babytochter Rayleigh mit, die quasi als Makottchen gilt, das sie bereits als Ungeborenes an den Treffen teilnehmen durfte.


Die Runde ist wirklich bunt gemischt: neben Carolyn aus Südafrika, Emöke aus Ungarn sind noch Ruchita, Swecha und Anchu dabei (Indien), Priscilla (Japan), Chiara (Italien), Louise (USA) sowie Monica (UK) – und ich.

Bei diesem Treffen lerne ich dann auch die Vorgaben der Gruppe kennen: wirklich vegan aus Überzeugung ist keine der Damen, stattdessen leiden zwei an einer massiven Milcheiweiß-Allergie und dürfen deshalb keine Milchprodukte essen. Auf Fleisch verzichten (fast) alle mehr oder weniger konsequent, die Meinungen zu Fisch sind geteilt. Um es nicht zu verkomplizieren, gilt also: vegane Gerichte müssen auf dem Menü stehen. Die sonstige Menüauswahl ist frei, jede darf kochen, was sie möchte, es gibt keine Vorgaben zur Anzahl der Gänge oder zu Themen.
Gekocht wird einmal monatlich reihum, ein Termin, an dem möglichst viele können, wird per Doodle gesucht.
Die Gastgeberin kauft alle Zutaten ein, bereitet das Nötigste vorab zu (z.B. Gerichte, die zeitaufwändig sind) und bewirtet die Runde dann am Stichtag von 10-13 Uhr, teilt sie für weitere Küchenarbeiten ein, erklärt Zubereitungsschritte und versorgt alle mit den dazugehörigen Rezepten; einmal ausgedruckt für Notizen und anschließend digital. Diese Version wird dann ins Gesamtnetzwerk des ICCS mit seinen gut 300 aktiven Mitgliedern eingespeist, so dass letztendlich jedes Mitglied Zugriff darauf hat.

Als es nun um die Januar-Gastgebersuche geht, ziere ich mich ein bisschen: zuerst einmal möchte ich an einer Kochsession teilnehmen und gucken, wie es dort so abläuft. Zum Glück erklärt sich Inderin Swecha schnell bereit, und so stehe ich am Freitag Punkt 10:30 Uhr vor ihrer Wohnungstür am Farrer Drive. Praktischerweise wohnt Amerikanerin Louise im Hochhaus neben mir, so dass wir uns ein Taxi teilen können.
Die Maid von Swecha öffnet uns und führt uns in eine überaus geschmackvolle, riesige Wohnung, deren Wände mit indischen Kunstwerken geschmückt sind. Auf den offenbar antiken Holzmöbeln stehen Beispiele indischer Handwerkskunst, sei es ein Tempelgong oder eine Ganesha-Figur aus Stein. Bald ist die Runde vollzählig, Swecha eilt dazu und bewirtet uns mit selbst gemachten indischen Getränken. Die „Limonade“ aus frisch geraspelter grüner Mango und verschiedenen Gewürzen schmeckt erfrischend, der Sud aus Minze und Chili dagegen ist zumindest für die „Westler“ mit Vorsicht zu genießen.

Schon sitzen wir, ausgestattet mit Schneidebrettern und Messern am Tisch und schnippeln nach genauer Anleitung Okra- und Paprikaschoten, stampfen Kartoffeln, mischen „Garam Masala“ zusammen und fühlen in Handarbeit das Gemüse mit geriebener Mango, Mais, Erbsen und Unmengen von Gewürzen.
Anschließend werden wir in die Küche gebeten, und erlernen dort die perfekte Zubereitung eines Paneer Masala.

Vier Töpfe gleichzeitig köcheln vor sich hin, die Maid spült unermüdlich Küchengeschirr ab, und wir bekommen einen Schnellkurs in indischer Küchenausstattung und wo welche Zutaten am besten erhältlich sind. Ich bekomme genaue Instruktionen, wo der beste Paneer zu bekommen ist und woran man frische Okraschoten erkennt, wir dürfen sämtliche Gewürze verkosten und diskutieren leidenschaftlich den Unterschied zwischen Kichererbsen, Mungbohnen, Linsen und anderen Hülsenfrüchten. Jede bringt ihre landeseigenen Erfahrungen und Küchenweisheiten dazu ins Gespräch, und die Themen gehen uns in der überfüllten nicht aus, während sich köstlicher Duft verbreitet.

Zuletzt zeigt uns Swecha, wie ein „Butter Paratha“ in Handarbeit hergestellt wird: aus einer Art Pizzateig (Mehl mit Wasser, Öl, Salz und etwas Backpulver) werden kleine Klumpen entnommen, diese werden möglichst flach auf einer bemehlten Fläche ausgerollt und anschließend mit zerlassener Butter bestrichen. Als nächstes schneidet man diesen Teigfladen mit einem scharfen Messer in möglichst feine Streifen, die man aufeinanderschichtet. Diesen „Berg“ bestreicht man wieder mit Butter, dreht ihn zu einer Schnecke zusammen und: rollt ihn wieder mindestens auf Handgröße aus. Der fertige Fladen wird zuletzt in der Pfanne von beiden Seiten wie ein Pfannkuchen goldbraun angebraten und serviert – und schmeckt herrlich! Nach einer Demoversion darf dann jede von uns ihr eigenes „Paratha“ herstellen und es wird gelacht und geflucht: was für eine Heidenarbeit für ein so ein winziges Stückchen Brot.

Endlich ist es soweit und wir werden zu Tisch gebeten: dort warten auf uns neben den Parathas, dem Paneer Masala und den gefüllten Okra- und Paprikaschoten noch selbst eingelegte Zwiebeln, ein höllisch-scharfes Ingwer-Chili-Chutney sowie selbstgemachte Tamarindenpaste und Minzsauce. Was soll ich sagen: es schmeckt fantastisch. Und zwar alles.


Die ganze Truppe langt kräftig zu, und wir verputzen mit größtem Genuss noch die letzten Saucenreste, bevor wir bei einer Tasse frisch gebrühtem Chai das Treffen ausklingen lassen.

Ich muss sagen: das hat sehr viel Spaß gemacht, ich habe wahnsinnig viel gelernt und toll gegessen – und bin nun ziemlich nervös, denn ich bin als nächste dran:
Was koche ich bloß?
Und wo kriege ich Geschirr und Sitzgelegenheiten her? Das „große Service“ und die Gästestühle haben wir nämlich in der Heimat eingelagert, da wir ja nicht ahnen konnten, dass wir hier ganze „Lunchparties“ ausrichten werden – da muss ich wohl eine Shoppingtour einlegen oder bei den Nachbarn ausleihen…
Und vor allem: wo kriege ich so schnell eine Maid her, die am Ende die ganze Küche aufräumt und das Geschirr abspült?!

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