Bali – Canggu

Bali – Canggu

Ein wenig übermüdet und vielleicht auch verkatert wachen wir am Neujahrstag auf – leider sehr früh, zum einen von den Geräuschen des Aufräumteams draußen im Hotelgarten, zum anderen vom Wecker. Heute ist wieder Abreise, deshalb sitzen wir bereits um 8:30 Uhr am Frühstückstisch, und der fröhlichste ist wie immer Titus, der mit großer Begeisterung zwei Schüsseln Schokoflakes verputzt, während ich nur an ein paar Haferflocken schnuppere. Immerhin geht das Rucksackpacken inzwischen schnell von der Hand, und auch der wieder vorbestellte Fahrer steht pünktlich um halb zehn zur Abfahrt bereit.

Heute steht eine lange Autofahrt vor uns, Titus darf wie immer sicherheitshalber vorne auf Papas Schoß Platz nehmen und erzählt dem Fahrer wieder einmal begeistert, was sich da alles so an Viehzeug am Straßenrand tummelt. Leider ist der Fahrer des Englischen deutlich weniger mächtig als mein Sohnemann, woraufhin dieser dann tatsächlich irgendwann ermattet die Augen schließt und schläft. Das würde ich auch gerne tun, doch leider ist mir die „Landstraße“ viel zu kurvig, und die etwas „offensive“ Fahrweise unseres Chauffeurs hält mich ebenfalls wach. Also genieße ich eben die „Inselrundfahrt“, denn von Permuteran geht es zunächst ganz nach Westen und schließlich fast die gesamte Südküste entlang. Während zunächst noch unzählige freilebende Affenrudel unseren Weg kreuzen, verdichtet sich der Verkehr auf der Inselhauptstraße im Süden. Die Küste hier scheint schroffer zu sein als im Norden, statt glatt da liegenden Wasser donnern mächtige Wellen an die Strände. Überall entlang der Straßen weise Schilder auf Tsunami-Evakuierungszonen hin; seit der Katastrophe 2004 hat man hier nachgebessert.

Die gut 150 km lange Strecke zieht sich, doch nach mehr als drei Stunden Fahrt erreichen wir unser Zwischenziel: Tanah Lot. Diese Tempelanlage ist laut Reiseführer etwas ganz Besonders – und das finden an diesem Neujahrstag nicht nur wir. Auf dem Parkplatz regeln zig Wächter den Verkehr, und bis wir überhaupt den sagenumwobenen Wassertempel erreichen, passieren wir ganze Straßenzüge mit Restaurants, Cafés, Eisdielen und vor allem Souvenir-Verkaufsstände, die alle die gleichen Sarongs, Frangipani-Haarklammern, traditionellen Käppis und Flipflops anbieten. Massen an Touristen sind unterwegs, doch sind diese nichts im Vergleich dazu, was sich uns bietet, als wir endlich die Treppe erreichen, die zum Tempel selbst führt: Heerscharen an Besuchern drängen sich dort, Titus entfährt ein lautes „Wow!“ ob dieser Menschenmassen, was die Umstehenden als Ergriffenheit ob des Heiligtums deuten und sich sichtlich freuen.

Da wir als Nicht-Hinduisten den Tempel eh nicht betreten dürfen, begnügen wir uns damit, einmal die Füße ins Meerwasser zu tauchen, und quälen uns dann recht zügig durch die Horden zurück zum Auto. Es ist viel zu heiß, zu laut, zu eng und zu voll; ganz Bali hat heute scheinbar einen Familienausflug hierher unternommen, riesige Clans picknicken auf jeder freien Fläche am Boden, überall liegt Müll herum, Kinder rennen kreuz und quer, Souvenir-Verkäufer quatschen uns permanent an, und Norman regt sich tierisch über die Besucher auf, die Fotos/Selfies in ziemlich bescheuerten Posen von sich und ihren Kindern machen.

Mit dem Auto geht es dann ins 10 km entfernte Küstenstädtchen Canggu. Dieses ist zwar als „ruhig“ betitelt, doch gilt es als Geheimtipp unter Surfern und sonstigen Strand- und Wasser-Posern, und so finden sich hier hippe, vegane Cafés neben Surferläden neben coolen Boutiquen neben Designshops, in jeder noch so kleinen Seitenstraße. Überall kurven Touristen auf Motorrollern herum, oft nur in Badesachen gekleidet und häufig auch – ganz nach dem Vorbild der Einheimischen – zu dritt mitsamt Kleinkind auf dem Sitz.
Wir checken jedenfalls erst einmal in unser kleines Hotel ein, beziehen unser Zimmer und machen uns auf, den nur 5 Minuten Fußweg entfernten Strand zu begutachten. Schwimmen kann man hier definitiv nicht, die meterhohen Wellen donnern heftig an den Strand – doch für Surfer ist das natürlich genau richtig so.

Titus hält Abstand von dem „wilden Meer“, und buddelt stattdessen stundenlang den halben Strand um, der aus fast schwarzem Sand besteht – solange, bis von ihm im vertieften Spiel völlig unbemerkt die Flut kommt und seine Bauwerke zerstört und ihn ein bisschen „badet“.


Da es bereits dämmert und mir von den vielen „Elektro“-Beats der unzähligen Strandbars die Ohren dröhnen, besteht unser Abendprogramm nur noch daraus, das Kind möglichst sandfrei zu bekommen (woraufhin wir nun eine Sandburg in der Dusche bauen können), schnell am Strand in einem kleinen Lokal ein Essen zu bekommen und uns dann todmüde von der Silvesterparty, der langen Anreise und der Hitze ins Bett zu begeben.

Unser letzter Tag auf Bali bricht an; wir frühstücken, packen zusammen und fahren mit dem Taxi an den Flughafen. Für die nur 30km lange Strecke brauchen wir wegen des abartigen Verkehrs mehr als 1 1/2 Stunden, aber zum Glück haben wir gut kalkuliert und keine Eile. Titus ist beschäftigt, die vielen Motorroller zu bestaunen, die in der Stadt unterwegs sind, und freut sich wie immer auf Flughafen und Fliegen. Nach unserer Ankunft, dem Check-In, der Passkontrolle und einem Mittagessen sind wir zum Einsteigen bereit – doch leider ist weit und breit kein Flugzeug in Sicht. Nach ewigen Herumfragen und zunehmender Nervosität aller Wartenden wird bekannt, dass unser Flug von 14 Uhr auf 18:30 Uhr verschoben wurde – das heißt: 4 1/2 Stunden Warten. Uff, die hätten wir lieber noch am Strand verbracht!

Doch erstaunlicherweise kriegen wir auch diese Zeit herum, mit ausgiebigem Bummel durch die Geschäfte am Flughafen, einer Kaffeepause, Vorlesen, Flugzeuge gucken… – und endlich heben wir ab und landen um 21 Uhr in Singapur. Zu dieser Zeit ist an einem Dienstag Abend nicht allzu viel los, so dass wir in Rekordgeschwindigkeit durch die Immigration eilen, unser Gepäck in Empfang nehmen, ein Taxi kriegen und knapp eine Stunde nach Landung bereits die Haustür öffnen. Titus döst bereits auf meinem Arm, so dass ich ihn nur schnell ins Bett lege, die Schmutzwäsche in die Waschmaschine stopfe und selbst ins Bett falle – ein etwas nerviges Ende eines wunderschönen Urlaubs!

2 Replies to “Bali – Canggu”

  1. Sehr schön und treffend! Einzig das dramatischste aller Ereignisse ausgelassen: wie der Mann auf Grund einer defekten Tür (?!) im Badezimmer eingeschlossen wurde. Und zwar am letzten Abend…

    1. Das ist mir im Nachhinein auch siedend heiß eingefallen! Aber Du hast das Abenteuer im Gegensatz zur Badezimmertür ja unbeschadet überstanden!

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