Konzertnachlese: „A Glorious Journey“

Konzertnachlese: „A Glorious Journey“

Am Sonntag Mittag treffe ich wie alle meine Mitsänger gegen Mittag in der „School of the Arts“ ein. Das Gebäude, das die Kunst- und Musikhochschule beherbergt, ist beeindruckend. Im Inneren herrscht gähnende Leere und wir haben im Chorsaal und in den verschiedenen Umkleideräumen allen Platz der Welt.

Ab 13 Uhr wird geprobt; zuerst Auf- und Abmarsch, Verbeugen, in welcher Hand die Noten beim Hereinkommen zu tragen und wann sie zu öffnen sind, die Aufstellung auf der Bühne,… Das alles dauert bei etwa 70 Mitwirkenden und bereits jetzt beginne ich zu frieren, da es im Konzertsaal maximal 20 Grad hat und mir die Klimaanlage unablässig kalte Luft um die Ohren pustet. Auch alle anderen ziehen Strickjacken an und hüllen sich in Schals. Das Orchester trifft ein, und die eigentliche Probe beginnt. Zu meinem Erstaunen arbeitet Dirigent Alan wirklich alle Stücke noch einmal durch, und die Probe dauert bis 17 Uhr, da ja auch noch der Kammerchor mit der Bach-Kantate dran ist. Ich muss zunehmend darauf achten, meine Stimme ein wenig zu schonen, damit sie später noch gut klingt! Immerhin ist der Kopfschmerz weg und auch der Hals fühlt sich okay an, wen ich auch immer noch völlig matt bin.

In der knapp einstündigen Pause eile ich ins benachbarte „Cathay“-Einkaufszentrum, wo ich Norman und einen sehr müde aussehenden Titus treffe. Während die beiden Pizza ordern, stopfe ich in Eile eine große Portion vegetarisches Sushi in mich hinein, da ich nach fast fünfstündiger Probe völlig ausgehungert bin. Anschließend gibts noch eine Tasse heißen Kaffee zum Aufwärmen, und schon muss ich zurück, um für einen Fototermin fertig umgezogen und konzertbereit auf der Bühne zu stehen.

Die restlichen Minuten vor dem Auftritt nutzen wir, um hinter der Bühne noch ein paar nette Gruppenfotos zu machen. Kleine Geschenke und „toi-toi-toi“-Rufe werden verteilt, die Musiker stimmen ihre Instrumente ein, kurz: eine Atmosphäre, wie sie überall auf der Welt kurz vor einem Auftritt herrscht.

Endlich ist es Zeit für den Auftritt, und als erster Programmpunkt steht Bach auf dem Programm. Der Kammerchor schlägt sich wacker, die vielen Proben haben auch den Orchestermusikern gut getan und der Dirigent schlägt zum Glück ein nicht ganz so rasantes Tempo an. Wir sind alle ganz schön erleichtert, als wir diese Kantate mit ihren vielen, vielen Koloraturen ordentlich hinter uns gebracht haben. Anschließend tritt der Rest des Chores auf, und das „Gloria“ von Vivaldi mit seinen zwölf Sätzen rauscht in Windeseile an mir vorbei. Inzwischen habe ich im Publikum Titus und Norman erspäht, der Junior thront in der 6. Reihe auf einer Sitzerhöhung und hat einen perfekten Überblick über die Bühne. Er lauscht gespannt der Musik, grinst mich zwischendurch immer wieder an und „flüstert“ mit Norman. Ich konzentriere mich wieder auf meine Noten und versuche, den Drang zu winken zu unterdrücken. Stattdessen schaffe ich es, am Ende des Stücks der richtigen Solistin den richtigen Blumenstrauss in die Hand zu drücken, irgendwie habe ich zig Zusatzaufgaben abbekommen.

In der Pause schlängle ich mich durch die Bühnentür in den Zuschauerraum und werde von einem sehr, sehr müden Titus fest gedrückt. Zeit, das Kind ins Bett zu bringen, schließlich ist es schon fast 21 Uhr. Die zweite Konzerthälfte verpassen die beiden dann zwar, aber da hier fast nur die Songs auf dem Programm stehen, die bereits beim Konzert am Samstag gesungen wurden, ist das wohl zu verschmerzen.  Dieser Teil des Konzerts läuft so schnell an mir vorbei, dass ich gefühlt im Minutentakt neue Noten aufschlage. Zwischendurch bei den Moderationen muss ich grinsen, denn die Texte dafür habe ich geschrieben (zusätzlich zum Programmheft), und die eloquenten Chormitglieder, die durch den Abend führen,  tragen diese sehr gekonnt und manchmal perfekt abgeändert vor.

Am Ende steht das obligatorische „Sing-Along“ auf der Agenda, gemeinsam mit dem Publikum schmettern wir Weihnachts-Klassiker wie „Hark, the herold angels sing“ oder „O come, all ye faithful“. Da wird mir doch etwas weihnachtlich zumute, vor allem, weil die Leute im Publikum in dicke Pullis und Jacken eingemummelt dasitzen und sehr winterlich aussehen – kein Wunder, bei knapp 20 Grad Raumtemperatur.

Nach gut 2 Stunden ist das Konzert vorbei, alle sind erledigt und ich beschließe, den anschließenden Umtrunk zu schwänzen und lieber zuhause noch eine Tasse heißen Tee zu trinken und ins Bett zu gehen. Die zwei Tage voller Proben und Auftritte und Warten und Herumstehen und Frieren stecken mir ganz schön in den Knochen, auch wenn ich wirklich froh bin, so einen tollen und engagierten Chor gefunden zu haben!

 

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