Ferienprogramm, Tag 4

Ferienprogramm, Tag 4

Ich bin wirklich erstaunt, wie schnell auch diese Woche vorübergeht! Heute ist schon Donnerstag, und bei meiner Liste mit tollen Kinderaktivitäten sind wir längst noch nicht am Ende angekommen!
Also lassen wir ein Taxi kommen und fahren bereits gegen 10 Uhr Richtung Jurong an die Ostküste. Hier befindet sich nicht nur die „Snow City„, die wir ja bereits am Dienstag besucht hatten, sondern auch das „ScienceCentre“ mit dazugehörigem Indoor-Spielplatz. Wir zahlen einen beeindruckenden Preis, denn in der Ferienzeit werden schlichtweg alle Eintrittspreise verfünffacht. Die Dame weist uns darauf hin, dass der Kinderbereich nur bis 13:30 Uhr geöffnet habe, und ich denke noch, dass das ja weit über drei Stunden sind – solange hält Titus es niemals auf einem Spielplatz aus.

Wir betreten „KidsStop“ und sind beeindruckt: hier ist eine ganze „Welt“ in Kindergröße nachgebaut, es gibt einen Baustellen- und Werkstattbereich, ein Flugzeug mit ziemlich echt aussehendem Cockpit, einen Supermarkt mitsamt Scanner-Kassen, eine Küche mit Restaurant daneben, eine Sandkiste, in der Dino-Skelette ausgegraben werden können, einen Körperbereich, in dem die Kinder sich selbst „röntgen“ und Arzt sein können…

Natürlich ist ganz schön was los, aber es gibt genug Spielmöglichkeiten für alle. Titus verschwindet bei der Baustelle, bekommt von einer netten Mitarbeiterin einen Helm und eine Sicherheitsweste übergestülpt und zofft sich bald mit anderen Kindern über die korrekte Bedienung des Krans.

Ich sitze derweil – mit Strickjacke bekleidet, schließlich ist es auch hier wieder einmal arktisch kalt, aber ich bin vorbereitet! – auf dem Boden oder kauere unbequem auf winzig kleinen Hockern. So schön die Ideen für die Kinder sind, so schlecht ist es um die Bequemlichkeit der erwachsenen Begleiter bestellt. Es gibt kaum Sitzmöglichkeiten, keine Getränkestation und leider auch kein Tageslicht; stattdessen ist es ziemlich duster und die Beleuchtung nicht besonders augenfreundlich. Immerhin habe ich ein Buch dabei, doch der Lärmpegel lenkt mich zu sehr ab, und so beobachte ich die spielenden Kinder. Wie so oft, sind meist Nannys als Begleitung dabei, ein paar wenige Eltern und Großeltern sehe ich. Und erneut sehe ich Szenen, die mich ein wenig erschrecken: asiatische Eltern sind ihren Kindern gegenüber deutlich strenger und „brutaler“ als ich es auch meinen Umfeld gewohnt bin. Die Kleinen werden zu Spielen „gezwungen“, auf die sie keine Lust haben, werden steile Rutschen heruntergeschickt (oft auch mit einem kleinen Klaps „überredet“), vor denen sie Angst haben, und wenn das Kind nicht für das perfekte Foto oder Selfie posiert, gibt es eh immer sofort Ärger. Überhaupt wird der Nachwuchs gerne entweder in möglichst peinlichen Posen oder wahlweise mit maximal niedlicher (= Mädchen) oder cooler (= Buben) Mimik fotografiert. Eltern sitzen neben malenden Kindern und weisen sie nachdrücklich darauf hin, dass doch bitte ordentlicher zu malen und die Farbauswahl zu überdenken sei – soviel zur freien Kreativität. Alles lebt nach der Maxime: gehorchen, funktionieren, anpassen.

Mein Kind dagegen krakelt wie wild ein seltsames Meeresmonster in der „Unterwasserwelt“, und wir sind beide etwas erstaunt, als per Lautsprecher dazu aufgerufen wird, den Spielbereich jetzt zu verlassen – es ist tatsächlich bereits halb zwei! Da wir beide ausgehungert sind und die mehr als halbstündige Heimfahrt nicht überleben würden, kehren wir in den praktischerweise direkt am Eingang gelegenen Fast-Food-Laden ein und füllen die Energiespeicher mit Pommes & Co. auf.

Titus verkündet lauthals, er wolle hier bald wieder herkommen, und ich bugsiere ihn unter vielen Versprechungen ins nächstgelegene Taxi. Dieses bringt uns ins Stadtviertel Rochor – dieses liegt schlappe 22 km entfernt und die Fahrt dorthin dauert selbst mit dem Taxi ewig. Die Stadt ist wirklich sehr groß! Durch Normans Recherchen haben wir einen Tauch-Shop ausfindig gemacht, und dieser liegt eben unweit des arabischen Viertels. Da unser Bali-Urlaub näher rückt, brauchen wir noch ein wenig Ausrüstung für die nächsten Tauchgänge, und die kompetente Verkäuferin berät mit bestens. Schließlich verlasse ich das Geschäft, um ein kleines Vermögen ärmer, dafür endlich mit passenden Flossen und einem Tauchcomputer.

Da Titus so brav im Geschäft ausgeharrt hat, lade ich ihn ins nahe gelegene Café „EatPlayLove“ ein. In diesem hübschen Lokal gibt es große Kindertische mit unzähligen Bastelmöglichkeiten. Unmengen an Material liegt dafür bereit, vom Eierkarton über gefärbte Nudeln, es gibt Scheren, Stifte, Papier und Kleber in rauen Mengen und für einen kleinen Unkostenbeitrag darf Titus loslegen, während ich Kaffee und frische Waffeln bestelle. Auch hier vergeht die Zeit wie im Flug, es ist schon bald Zeit fürs Abendessen, bis wir mit dem Bus nach Hause fahren.
Das Kind ist laut eigener Aussage bislang sehr zufrieden mit seinem Weihnachtsferienprogramm und ich ahne für zukünftige Ferientage: die Latte liegt hoch.

Der der heutige Tag, an dem wir fast 8 Stunden außer Haus waren, endet mit weiteren Programmpunkten: neben „Auf dem Bett herumtoben und kitzeln“ und „Essen machen“ klingelt es gegen halb neun, und Nachbarin Bente mit Mann Christophe kommen auf einen vorgezogenen Weihnachtsumtrunk vorbei. Schnell öffnen wir die Champagner-Flasche, schließlich ist fast schon Weihnachten, während Titus aus dem Schlafzimmer kräht und wissen will, wer denn bitte zu Besuch gekommen sei. Den Abend lassen wir bei Schaumwein, Plätzchen und netten Gesprächen auf dem Balkon bei höchst angenehm hochsommerlichen Temperaturen ausklingen. Unsere beiden Gäste, die fast gleichzeitig mit uns in Singapur angekommen sind, fühlen ähnlich wie wir: den europäischen Winter vermissen wir alle nicht. Und seltsamerweise fühlt sich unser bald fünfmonatiger Aufenthalt gleichzeitig länger und kürzer an. Das kann einerseits daran liegen, dass wir mangels Jahreszeiten nicht das Gefühl haben, dass das Jahr sich dem Ende zuneigt. Andererseits macht die Stadt es einem Europäer leicht, sich hier heimisch zu fühlen. Zu später Stunde verabschieden wir uns alle gegenseitig in den Weihnachtsurlaub – nur noch dreimal schlafen, bis das Christkind kommt!

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