Ferienprogramm, Tag 3

Ferienprogramm, Tag 3

Heute morgen erreicht mich nach dem wieder sehr späten Aufstehen eine WhatsApp von Karen. Sie ist die Frau von Normans australischem Arbeitskollegen, wohnt in der Nachbarschaft und hat zwei Töchter, eine davon in Titus‘ Alter. Auch sie braucht Beschäftigung für die Kinder, und gemeinsam machen wir uns bereits um halb zehn auf den Weg Richtung „Botanic Garden“. Es weht ein leichter Wind, der Himmel ist bedeckt und es ist fast kühl draußen. Naja, aber immer noch warm genug für kurze Hosen und T-Shirt natürlich.

Titus und Ariella kurven auf ihren Tretrollern waghalsig voraus, ständig müssen wir sie zum Anhalten ermahnen, denn auf dem Weg zur MRT-Station passieren wir zig Ausfahrten – und Autofahrer würden hier niemals für Fußgänger bremsen, warum auch. Bis wir zwei wildgewordene 3jährige, die sich bereits jetzt streiten, wer den Knopf am Aufzug drücken darf, sowie den Kinderwagen mit der fast 1jährigen endlich in die U-Bahn verfrachtet haben, sind wir bereits reif für den zweiten Kaffee des Tages. Zum Glück ist der Kinderbereich im Botanischen Garten ja inzwischen erweitert worden und direkt neben dem großen, großen Sandspielplatz hat ein entzückendes Café eröffnet. Wie vorausschauend! Trotz der relativ frühen Stunde ist bereits ganz schön was los im Park, Titus und Ariella stellen wie alte Hasen ihre Roller auf den dafür vorgesehenen Parkplätzen ab und werden erst einmal mit Cookies versorgt, während Karen und ich einen Eiskaffee schlürfen.

Die Kinder sind in den folgenden zwei Stunden beschäftigt, hat es hier doch wie erwähnt einen Spielplatz – mit Sand. Das ist in Singapur eher nicht üblich, die meisten Spielplätze haben Böden aus Gummiplatten; Plätze zum Buddeln sind rar. Umso begeisterter graben bald drei Kinder im Sand und sind glücklich damit.

Inzwischen kämpft sich die Sonne durch die Wolken und es wird heiß, so dass wir bald in den Schatten flüchten und irgendwann die Kleinen auch zum nächsten, im Schatten gelegenen Spielplatz lotsen. Es ist echt erstaunlich, wie viele Eltern und Kinder sich hier an einem Mittwoch Vormittag tummeln; die Ferienzeit macht es wohl möglich. Norman berichtet tatsächlich auch, dass er morgens tatsächlich einen Sitzplatz in der U-Bahn abkriegt, zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Singapur. Egal, mit wem man spricht: alle machen sich bereit für den anstehenden Weihnachtsurlaub, sei es in die Heimat zu Familie und Freunden, sei es an den Strand oder zum Sightseeing. Die Stadt selbst scheint zumindest für die Feiertage leer zu sein – verständlich, schließlich ist z.B. Silvester hier ein wohl eher traurige Veranstaltung, es gibt genau ein kleines Feuerwerk in der Marina, und um das sehen zu können, muss man entweder direkt davor stehen oder auf einer sehr hoch gelegene Dachterrasse ins neue Jahr hineinfeiern.

Zurück zum Spielplatz: mit zunehmender Hitze und fortgeschrittener Stunde nehmen die Streitereien zwischen den Kindern zu, und so bugsieren Karen und ich die Bande gegen Mittag zurück nach Hause. Hunger und Müdigkeit machen sich bemerkbar, und Titus ist sichtlich froh, zuhause in Ruhe mit mir zu Mittag zu essen und danach hochkonzentriert fast zwei Stunden lang mit den Bügelperlen zu basteln. Irre, wie bei dieser Fummelarbeit die Zeit verfliegt!

Unseren nachmittäglichen Kaffeeklatsch halten wir am Pool ab und bald plantscht Titus im Kinderbecken, während ich tatsächlich einfach daneben sitzen und lesen darf. Ehe ich mich versehe, ist es 18 Uhr, das Kind ist seit fast einer Stunde im Wasser und zittert wie Espenlaub. Da hilft nur noch eine heiße Dusche, damit der abklingende Schnupfen nicht wieder schlimmer wird. Das Kind nutzt ja jegliche Bade- oder Duschaktion, um dieselbe inklusive Überschwemmung „zu putzen“ – überhaupt ist Titus gerade in der „Helferlein-Phase“, deckt abends stolz wie Oskar selbstständig den Tisch und schaltet sämtliche Weihnachtsbeleuchtungen ein. Eine gute Phase!

Norman kommt wieder jeden Abend diese Woche spät nach Hause, vor dem Weihnachtsurlaub gibt es überall in den Büros noch viel zu tun. Wie gut, dass Titus abends zu keiner besonderen Zeit ins Bett muss. Überhaupt bekommt es ihm viel besser, wenn er mittags nicht die vom Kindergarten verordnete Ruhestunde einlegen muss. Und immer noch hat er genügend Energie, um mich 13 Stunden lang auf Trab zu halten. Beneidenswert!

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