Ferienprogramm, Tag 2

Ferienprogramm, Tag 2

Das Kind schläft tatsächlich bis kurz nach 8 Uhr, ich zugegebenermaßen aus, so geht das mit den Weihnachtsferien!
Den Vormittag vertrödeln wir daheim mit Malen (neue Filzstifte im Adventskalender!) und den gestern im Möbel-Schweden erstandenen Bügelperlen. Was für ein Spaß, damit kann man ja Stunden zubringen!


Nach dem Mittagessen reisen wir komfortabel mit dem Taxi in den Westen Singapurs, nach Jurong. Dort, gut 17 km von unserer Wohnung entfernt, liegt die „Snow City“ – eine Wintersporthalle, mitten in einem Industriegebiet. Die Dame am Eingang akzeptiert unsere Singapur-Ausweise und gibt uns den Rabatt für „permanent residents“. Zum Glück, denn wie so vieles in Singapur ist auch der Eintrittspreis hier ordentlich teuer – und gilt nur für eine Stunde Schneespaß! Kurz darauf stehen wir in der Umkleidekabine. Im Eintrittspreis enthalten sind eine Winterjacke und dicke Boots, den Rest an Winterkleidung kann man gegen eine wieder recht hohe Gebühr leihen. Wir sind natürlich mit eigenen wasserdichtenHosen, Pullis, dicken Socken, Handschuhen und Mützen aus unserem reichhaltigen Outdoor-Bestand ausgerüstet.

Und das ist auch gut so, denn bereits nach dem Betreten der Schneehalle, schlägt uns eisige Luft entgegen, hier drinnen hat es höchstens -2°C. Am spiegelglatten Boden liegt etwa zehn Zentimeter hoch künstlich hergestellter Schnee, es gibt Eisbahnen zum Rutschen und Iglus, außerdem eine doch einigermaßen steile Piste zum Skifahren und Rodeln. Die einzige Singapurer Skischule hat hier ihren Hauptsitz, und am Tresen stehen Skilehrer in voller Montur und verleihen komplette Skiausrüstungen an willige Schüler.


Titus quietscht vor Freude und wirft sich mehrfach in voller Länge in die Schneehaufen, wirbelt darin herum, lässt es schneien, rutscht die Eisbahnen hinunter, schliddert über die komplett vereisten Wege und hat bald richtig winterliche rote Bäckchen. Ich bin anfangs auch sehr angetan von der wundervoll frisch anmutenden Luft und dem Gefühl von Schnee unter den Füßen, doch nach ungefähr zehn Minuten in der Halle ist es vorbei mit der Romantik und ich weiß wieder genau, warum ich Deutschland momentan so überhaupt nicht vermisse: eisige Zehen und Finger schmerzen hier wie dort unangenehm! Die geliehenen Jacken und Schuhe sind von äußerst schlechter Qualität und dazu noch völlig abgenutzt, Titus hat nach kürzester Zeit nasse Füße und durch meine Jacke pfeift der „Wind“ aus der Klimaanlage.
Ärgerlicherweise ist es strengstens verboten, eine Kamera oder auch nur ein Handy mit in die Halle zu nehmen, stattdessen lauern an jeder Ecke hauseigene „Photographen“, die natürlich gegen Bares nette Erinnerungsfotos schießen wollen. Och nö, dann eben kein Bildbeweis von unserem Winterspaß. Wir tollen noch ein wenig herum, spielen Fangen, bewerfen uns mit Schnee und bewundern die rasanten Schlittenfahrer auf der 60m langen Piste. Dazu kann ich Titus nicht überreden, und ehrlich gesagt ist mir nach ziemlich genau einer Stunde dann so kalt, dass ich froh bin, dass das Kind recht widerspruchslos zum Ausgang geht. Wir ziehen uns schnell die nassen Socken aus und die Flipflops an, und meine Brille beschlägt, als wir die Halle verlassen und in den feuchtwarmen Nachmittag hinaustreten – ein Temperaturunterschied von gut 30°C!

Leider achte ich vor lauter Begeisterung über die Wärme nicht auf die dicken Wolken am Himmel, und wir machen uns zu Fuß auf, um den etwa 2 km entfernten „Chinese Garden“ aufzusuchen. In diesem Park soll es Schildkröten und einen Spielplatz geben. Nach nur wenigen Minuten beginnt es zu nieseln und – wie so oft in den Tropen – innerhalb von Sekunden wie aus Kübeln zu schütten. Wir rennen los und erreichen nur halb durchnässt die nächste Bushaltestelle. Im Wartehäuschen sitzend, beratschlagen wir, ob wir den Regen abwarten oder lieber nach Hause fahren wollen, und da immer mehr schwarze Wolken aufziehen, steigen wir bald in den Bus und fahren gut 50 Minuten nach Hause. Die Stadt ist einfach so groß, dass viel Lebenszeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln draufgeht. Immerhin gibt es auch hier genügend Interessantes zu betrachten und Titus nutzt die langen Fahrtstrecken gerne für eine kurze Ruhepause.

Bis wir nach Hause kommen, ist es bereits früher Abend, ich stecke den nicht mehr ganz so verschnupften Junior in die Badewanne, anschließend kochen wir zusammen und spielen noch eine Weile mit diversen Puzzles, bis Norman die Kinderbetreuung übernimmt und ich ins Gym verschwinden kann. Wieder ein Ferientag daheim vorbei!

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