Bali – Wandertag in Munduk

Bali – Wandertag in Munduk

Die Frösche verstummen irgendwann, und aufgrund der durchaus kühlen Temperaturen schlafen wir alle ausgezeichnet. Titus verweigert zwar wie immer die Decke und schafft es stets, sich wieder darunter hervorzustrampeln, doch pennt er bis spät in den Morgen hinein. Irgendwie macht er trotz über 12 Stunden Schlaf immer noch keinen ausgeglichenen Eindruck und besteht darauf, nach dem Frühstück lieber noch ein bisschen hinzuliegen. Wir können ihn überreden, das auf der Terrasse unserer kleinen Hütte zu machen, und auf einem Deckenlager hört er eine „Benjamin Blümchen“-Folge an, während wir lesen.

Um 11 Uhr ist plötzlich die Welt wieder in Ordnung und wir können wie geplant zu unserer Wanderung aufbrechen. Die Idee ist, einen Spaziergang von etwa 1 Stunde zu einem Wasserfall zu machen, aber so, wie ich Titus‘ Verfassung einschätze, brechen wir möglicherweise früher ab… Auf jeden Fall marschieren wir allesamt gutgelaunt los und direkt hinter dem Hotelgelände beginnt quasi der tropische Urwald. Wir folgen einem kleinen Wasserlauf, der uns entlang kleiner Familien-Tempel führt, wir passieren versteckt liegende Wohnhütten, deren im Garten sitzende Bewohner uns freundlichst grüßen.

Der Fußweg ist ein wenig matschig und schmal, doch es gibt soviel zu sehen: Libellen in leuchtenden Farben schwirren über den Bach, handtellergroße Spinnen sitzen mittig in ihren gigantischen Netzen und lauern auf Beute, Wasserläufer rennen herum, dicke haarige Raupen kriechen über den Weg, fingernagelgroße Ameisen bilden Straßen,… Dazu kommt die üppige Flora: Avocado- und Bananenbäume mit ihren leider noch unreifen Früchten stehen Spalier, Passionsfrüchte und 50cm große Jackfruits wachsen über unsere Köpfen, von den Kokosnüssen ganz zu schweigen. Am Boden wachsen Farne, Strelitzien und Hortensien, ach was, sie wuchern! Hin und wieder passieren wir „Bauarbeiter“, die den teilweise weggeschwemmten Weg reparieren bzw. das Bachbett begradigen. Die Herren arbeiten wirklich auf archaische Weise: mit verrostetem Werkzeug, in Flipflops, und schnitzen dazu von Hand den überall frei verfügbaren Bambus zurecht.

Titus jedenfalls ist völlig hingerissen von der Umgebung und plappert in einem fort, während er marschiert und marschiert. Nach einer Stunde erreichen wir den Wasserfall Nr. 1 („Red Coral Waterfall“), hier treffen wir erstmals auf andere Touristen, die schnöde die Anreise per Bus oder Auto gewählt haben. Endlich kann das Kind seinem Lieblingshobby frönen: Steine in den Fluss zu werfen! Und danach ein Picknick zu machen!

Da die Laune nach einer ausgiebigen Pause immer noch gut ist, schlagen wir einen Bogen und folgen dem Weg weiter. Wir locken Titus mit der Aussicht auf eine Einkehr, und irgendwie fällt plötzlich das Wort „Alm“. Daraufhin schwadroniert der junge Wandersmann eine Viertelstunde lang darüber, wie er sich gleich Knödel oder Spätzle bestellen wird – und ist natürlich bitter enttäuscht, als er feststellt, das im balinesischen Ableger einer Alm, genannt „Warung“, nur Reis auf dem Speiseplan steht. Da verweigert er die Nahrungsaufnahme gänzlich, denn unser so weltenbummlerisches und essenstechnisch sehr unkompliziertes Kind mag schlichtweg keinen Reis. So gar nicht, nicht mal ein kleines Körnchen. Sehr schade!!!

Trotzdem ist genügend Energie da, um nach einem weiteren Fußmarsch dem nächsten Wasserfall („Melanting“) einen Besuch abzustatten. Dafür müssen wir erst einmal knapp 200 steile Stufen nach unten kraxeln, dort erwartet uns ein donnernder Gebirgsbach und völlige Abgeschiedenheit. Die Männer lassen Steine ins Wasser plumpsen, ich lese dank E-Reader in einem Roman, Den anschließenden Aufstieg meistert der Junior wieder ohne Murren, und die anschließende Wanderung Richtung Hotel zurück ebenso. Wir schlagen uns durch schmalste und vollkommen überwucherte Pfade mitten durch den Dschungel, häufig in Begleitung der dörflichen Streunerhunde, müssen des öfteren die Einheimischen nach dem Weg fragen und erreichen am sehr späten Nachmittag endlich unser Hotel. Genau rechtzeitig, als das Mückenschutzmittel langsam seine Wirkung verliert und uns ganze Wolken von Steckmücken umschwirren.

Wir sind verschwitzt, erledigt und ziemlich matschbespritzt, doch umso erstaunter, dass Titus mit seinen kleinen Beinchen tatsächlich mehr als vier Stunden gewandert ist. Die kalte Dusche lässt er jedenfalls nur mit großem Gebrüll über sich ergehen und bestellt danach dringendst eine Nudel-Gemüse-Suppe, die er komplett verputzt, während ich bereits beim ersten Gin Tonic des Tages sitze.

Beim Abendessen findet Titus eine Freundin, die etwa 5jährige Astrid am Nebentisch ist ebenso auf der Suche nach einem Spielgefährten, und gemeinsam zerlegen die beiden den etwas gewöhnungsbedürftig geschmückten Christbaum im Hotel-Restaurant.

Norman und ich lauschen kichernd, wie sich die beiden in einem Mischmasch aus Englisch und Deutsch unterhalten und wie Titus erklärt, dass er leider morgen nicht mehr spielen könne, da wir ja zu einem anderen Hotel weiterfahren würden – „an den Strand!“.  Plötzlich erklingt Musik, die Spielkameradin ist abgemeldet und Titus nimmt den Logenplatz  beim Konzert der Dorf-Combo ein. Obwohl sich die Herren sehr ins Zeug legen, klingt das Ganze in meinen Ohren wirklich anstrengend, nur Titus wiegt sich hin und her und verkündet: „Das ist Gamelan-Musik.“ Da ist mir persönlich dann doch das Froschkonzert lieber – und dazu die allerletzte Folge von „Game of Thrones“!

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