Bali – Natur und Musik in Ubud

Bali – Natur und Musik in Ubud

Die letzte Nacht auf Nusa Lembongan verbringe ich mehr oder weniger schlaflos, die Bettwanzen haben mich komplett zerbissen und ich zähle am nächsten Morgen annähernd 100 Bisse, die höllisch jucken. Nichts wie weg hier!


Mysteriös ist nur, dass weder Titus noch Norman, die im selben Bett schlafen, von den Viechern geplagt wurden; Titus hat die üblichen Mückenstiche, aber sonst: nichts!
Beim Frühstück beschließen wir kurzerhand, das Schnellboot zurück nach Bali zu nehmen, dass bereits um 9 Uhr (und nicht wie geplant um 11 Uhr) ablegt. Im Laufschritt stürmen wir zum Strand. Das Leben im kleinen Dorf erwacht erst, vor allen Hauseingängen liegen noch die kleinen, selbstgebastelten Opfergaben. Diese sollen die bösen Geister abhalten, das Haus zu betreten; dazu wird Essbares wie ein wenig Reis und Bananen sowie Blüten in zu Schachteln gefalteten Palmblättern dargeboten. Manchmal brennt noch ein Räucherstäbchen daneben. Die Balinesinnen tragen alle Zutaten in Körben auf ihren Köpfen durch die Straßen und verteilen diese großzügig an sämtlichen Türen, Treppen, Tempelchen und Straßenecken. Sehr malerisch sieht das aus.

An der etwas einfach gehaltetenen Wartebank für das Schnellboot sitzen bereits ein paar Einheimische, die Roller knattern um uns herum und natürlich kommt das Boot nicht nach Fahrplan, sondern halt irgendwann später. Aber alle bedeuten uns auf unsere Nachfragen, wir mögen uns entspannen. Und richtig, gegen halb zehn rauscht ein kleinen Schiffchen heran, in Windeseile wird aus- und wieder eingeladen, wir steigen durch die Brandung ins Boot und hüpfen zu Titus‘ Begeisterung über hohe Wellen zurück nach Bali. Der Vulkan versteckt sich immer noch in einer dicken Wolkendecke und verwehrt uns die Sicht.

In Sanur herrscht bereits am Vormittag großer Trubel, und dank WhatsApp finden wir zum Glück den Fahrer unserer nächsten Unterkunft recht schnell. Wir brausen nordwärts, zuerst durch Denpasar und vorbei an unzähligen kleinen und großen hinduistischen Tempeln mit beeindruckenden Statuen an den Eingängen und schließlich kilometerlang an den Steinmetz-Werkstätten, die eben diese Figuren herstellen. Da stehen meterhohe Buddhas, Ganeshas, Krishnas, Elefanten, Löwen und sonstiges Getier, und wir können uns gar nicht daran sattsehen. Der Verkehr ist nicht ganz so dicht, doch muss ich immer noch jedesmal, wenn ich eine Familie mit Baby im Arm ohne Helm auf dem Motorroller sehe, die Augen zumachen.

Die Straße wird zunehmend kurviger, je mehr wir ins Hinterland Balis kommen, wir passieren Reisterrassen, die auf den Hügeln angelegt sind. Titus verstummt, und das ist bei ihm stets ein Zeichen für aufkommende Reiseübelkeit. Er darf auf den Beifahrersitz, während wir endlich Ubud erreichen. Dieses Örtchen gilt als „kulturelles Zentrum“ Balis, und wird seit 20 Jahren massiv von Yogis, Ökotouristen und Sinnsuchenden aus aller Welt in Beschlag genommen. Wir fahren aber weiter, und etwas außerhalb von Ubud, etwa 500 m vor unserem Ziel, übersteht Titus die letzte Kurve leider nicht und wir müssen am Straßenrand erst einmal eine großangelegte Säuberungsaktion starten. Zum Glück sind wir dafür bestens präpariert und sehr erfahren!

Unser Fahrer nimmt es zum Glück mit Humor und bringt uns schließlich ins traumhaft schön gelegene Hotel „Rumah Sungai„. Dort stehen mitten in Reisterrassen, umgegen von Hügeln, Flüssen und Palmen und inmitten eines paradiesischen tropischen Gartens mit viel Liebe ausgestattete Häuschen, eines davon beziehen wird. Wir sind momentan die einzigen Gäste, und auch sonst ist hier aus dem Zirpen der Grillen und des Plätscherns des Teichs nicht viel zu hören. Herrlich!

Kurz nach unserer Ankunft ergießt sich erst einmal ein tropischer Regen, so dass wir gezwungen sind, einfach auf der Terrasse zu sitzen, zu lesen bzw. Kinderlieder anzuhören und die Hibiskus- und Frangipaniblüten sowie die unzähligen Palmenarten und Tropenpflanzen zu bewundern. Passionsfrüchte und Mangos hängen an den Bäumen, leider noch nicht reif genug zum Verzehr.

Endlich verzieht sich die Regenwolke und wir machen uns auf zu einer kleinen Wanderung. Einem winzigen Sträßlein folgend, passieren wir kleine Cafˋes, Kunstgalerien, bestaunen die mit kunstvollen Säulen bestückten Hauseingänge, vor denen jeweils stets auch eine Opfergabe liegt. Die Einheimischen grüßen freundlich, wir halten hier ein Schwätzchen, machen dort Photos, streichen mal eine Ganesh-Statue, gucken ein paar Minuten lang den Enten zu, die in den Reisfeldern nach Futter suchen. Sobald sich die Sonne blicken lässt, wird es fast unerträglich heiß, so dass wir an jedem verfügbaren Schattenplatz ausruhen. Der Weg schlängelt sich talwärts, entlang einer Schlucht, immer mehr Wanderer begegnen uns. Unvermutet tauchen Tempel aus dem grünen Dickicht auf, wir hören eine Horde Affen durch die Palmen toben und zeigen Titus die Mimosen, die hundertfach am Wegrand wachsen.

Kurz, bevor wir Ubud erreichen, bestaunen wir die riesige Tempelanlage am Ortseingang mit ihren etwas furchteinflößenden Steinfiguren, überqueren den großen Fluß, an dessen Ufern gigantische Bambuspflanzen wachsen, und stehen plötzlich mitten im Ortskern von Ubud.

Hier ist es vorbei mit der Idylle: Motorroller und Autos brausen dicht an uns vorbei, jeder zweite fragt uns, ob wir ein „Taxi“ bräuchten, es reihen sich Souvenir-, Klamotten- und Schmuckläden aneinander, nur unterbrochen von stylischen Cafes und Restaurants, von denen ein Großteil damit wirbt, „vegan-“ oder „vegetarian-friendly“ zu sein. Da inzwischen Hunger und Durst groß sind, kehren wir ins gemütliche „Lazy Cats“-Cafe ein und genießen Smoothies, Espressi und kleine Snacks. Genau richtig kommt unsere Pause, denn kaum haben wir einen schönen Platz mit Blick auf den Trubel draußen ergattert, ergießt sich der nächste Regenschauer vom Himmel und wir müssen eine längere Rast einlegen. Titus kuschelt sich auf einen der gemütlichen Sessel und singt, während Norman und ich beschließen, uns eine steinerne Götterstatue anzuschaffen.

Als der Regen nachlässt, machen wir uns weiter auf zur Ortsbegehung. Immer wieder biegen wir von der Hauptstraße ab, um Tempelanlagen zu besichtigen, besonders gut gefällt uns der von Teichen umgegebene Lotustempel. Auch der ehemalige Königspalast hält mit seinen verwinkelten Höfen und den vielen, vielen geschnitzten und aus Stein gehauenen Tierfiguren genug zum Entdecken bereit.

Hier versammeln sich merklich mehr Touristen als wir in den letzten Tagen zu Gesicht bekommen haben, überall wirbt man für Tanz- und Musikveranstaltungen, und die Kellner der Restaurants gehen an der Straße auf Kundenfang.

Nach einem tollen Abendessen mit „Gado Gado“ (Gemüse und Tempeh in Erdnusssauce) betreten wir gegen halb acht einen Hof des Königspalastes. Hier findet täglich abends eine Tanz-Vorführung statt, und seit Norman Titus von der balinesischen Gamelanmusik erzählt hat, drängt das Kind auf einen Konzertbesuch. Das Orchester setzt mit für unsere Ohren schräg klingenden Tönen ein, das Instrumentarium besteht aus Metallophonen, Gongs, Flöten und Trommeln. Nach der „Ouvertüre“ betreten Tänzer die Bühne und stellen eine Geschichte aus dem „Ramayana“ nach. Zum Glück gibt es ein Programmheft dazu, und so kann ich Titus erklären, warum der Affengott Hanuman mit seinen kleinen Äffchen einen Tanz veranstaltet und wieso der böse König die schöne Prinzessin Sita rauben will.

Erstaunlicherweise hält das Kind die fast 90minütige Darbietung aus, während Norman und ich nach einer Stunde bereits ob der ungewohnten und leicht nervenden Musik und der kruden Geschichte etwas unruhig auf den Stühlen herumrutschen. Über unseren Köpfen jagen Horden an Geckos die Falter und Mücken, und ich versuche, möglichst wenig an meinen Wanzenbissen zu kratzen.

Endlich überreden wir Titus, die Veranstaltung kurz vor Schluss zu verlassen, gerade als der große Showdown zwischen Gut und Böse ansteht und die Musik ohrenbetäubend laut wird. Draußen finden wir schnell einen Taxifahrer, der nach den üblichen Verhandlungen bereit ist, uns in unsere Unterkunft zu bringen. Norman und ich sind da ein eingespieltes Team, die Nummer „good cop, bad cop“ haben wir drauf (nun ratet, wer wer ist!). Die Strecke mit dem Auto ist viel, viel weiter als der Fußweg, da die Straße rund um die Schlucht führt, und Titus döst schon ein wenig ein, bis wir im Hotel ankommen. Dort werden wir vom lauten Quaken der Frösche empfangen, auf den Wegen kriechen handtellergroße Achatschnecken und die Geckos rufen schon wieder. Ich bugsiere das müde Kind ins Bett, lasse schnell das Mückennetz (das von Titus konsequent „Spinnennetz“ genannt wird) herunter und lege mich daneben – auf eine hoffentlich wanzenfreie Nacht!

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