Auf dem Weihnachtsmarkt

Auf dem Weihnachtsmarkt

Mein Wochenende beginnt ganz großartig: am Freitag Abend sind wir bei Normans Kollegin Laura und dem dazugehörigen Mann Eli zum Abendessen eingeladen. Zu Titus‘ großer Freude gibt es selbstgemachte Pizzen, die wir auf dem Balkon verspeisen und dabei den tollen Ausblick über Singapurs Skyline vom 24. Stock des Condos aus genießen.

Dazu trinken wir eiskalten Gin Tonic (bzw. Apfelschorle) und haben einen vergnügten Abend.
Da die beiden nicht allzu weit entfernt von uns wohnen, sind wir mit dem Fahrrad bzw. mit dem Tretroller angereist. Das versetzt die Pförtner in allen Häusern immer in große Ratlosigkeit, wenn ich nach einem Fahrradparkplatz frage. Abgestellt wird das Radl danach meistens direkt vor der Eingangstür. Zu später Stunde, gegen halb elf, düsen wir bei Affenhitze nach Hause. Der Freitag war der erste komplette sonnige Tag seit Langem, keine Regenwolke ließ sich blicken. Titus quasselt wie immer vom Fahrradsitz hinter mir die ganze Fahrt über und letzten Endes geht die gesamte Familie gemeinsam zu Bett – und zwar ins große.

So verlasse ich meine Männer am nächsten Morgen und radle – erneut bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel – zum Botanischen Garten. Ich erreiche den Seiteneingang gegen halb neun, die Parkwächter weisen bereits Autofahrer zurück, da alle Parkplätze belegt sind. Auf den Wegen geht es zu wie in der Münchner Fußgängerzone, doch auf „unserer“ Yoga-Wiese finden wir zu dritt mitsamt Yogalehrerin Élodie trotzdem schnell eine ruhige Ecke – nur ein Hahn wackelt an mir vorbei und später kriecht ein meterlanger Waran nur wenige Meter entfernt von uns durchs Gras…

Die Yogastunde macht in so einer Umgebung wirklich viel Spaß und ich bin anschließend zwar ziemlich verschwitzt, erledigt und zugleich tiefenentspannt und grinse vor mich hin, während ich todesmutig die 6spurige Bukit Timah Road überquere und nach Hause düse.

Dort treffe ich meine Männer auf dem Balkon an, die beiden bringen gerade die Weihnachtsbeleuchtung an und Titus erzählt mir begeistert von seinen Fundstücken im Adventskalender (gestern Plätzchenformen in Auto-, Flugzeug- und Schiffform, heute Auto-Radiergummis). Ich dusche und schon machen wir uns alle zusammen per Taxi auf den Weg: Normans Kollege Jaime hat zu einer kleinen Hauseinweihungsparty geladen. Jaime wohnt im fast maximal entfernten Eck Singapurs, in Jurong East, und selbst mit dem Auto sind wir fast eine halbe Stunde unterwegs, bis wir am riesigen Hochhauskomplex J Gateway ankommen. In diesen vier Hochhaustürmen mit je 38 Stockwerken gibt es knapp 800 Wohnungen, das ganze Gelände mutet wie eine Kleinstadt an. Im 24.  Stock finden wir den BBQ-Bereich und hier ist die Party in vollem Gange. Es wird gegrillt, ein großes Essen- und Getränkebüffet steht bereit und wir verbringen einen netten Mittag/Nachmittag mit Normans Arbeitskollegen. Titus ist anfangs ein wenig schüchtern und versteckt sich hinter mir, taut aber dann doch auf, v.a. als endlich Würstel und Mais für ihn bereitstehen.

Auch die großen Hängesessel, von denen aus man einen tollen Blick bis zum großen Containerhafen hat, haben es ihm angetan.


Am Ende der kleinen Feier entdeckt das Kind noch den Kids‘ Pool und kühlt sich ausgiebig ab – selbst die waschechten Singapurer hier stöhnen lauthals über die Hitze heute!

Wir finden: genau richtig, um den ersten Weihnachtsmarktbesuch zu starten! Die Fahrt zum Gardens by the Bay dauert von Jurong East aus fast eine Ewigkeit, dank prima Klimaanlangen in Bahn und Bus sind wir danach allerdings auch fast unterkühlt und freuen uns über einen aufwärmenden Fußmarsch bis ins Innere der Parkanlage. Dort staunen wir nicht schlecht: ein riesiges Weihnachtsdorf ist aufgebaut, unzählige echte Tannenbäume verbreiten Weihnachtsduft, es gibt Buden mit Essen und Geschenkartikeln, aus den Lautsprechern tönt Weihnachtsmusik – und alles bei knapp 30 Grad Außentemperatur. Ein echtes „Christmas Wonderland„, wie alles in Singapur 10x größer und übertriebener als in Deutschland!

Wir stellen uns erst einmal in die lange Schlange, die sich vor der „Nikolaushütte“ gebildet hat, denn Titus will unbedingt dem Nikolaus sagen, dass er ihn am Mittwoch bei uns zu Hause erwartet. Mantra-artig murmelt er minutenlang „Mittwoch, Mittwoch, Mittwoch…“ vor sich hin, doch als wir bei dem original gekleideten Herrn stehen, überwiegt die Schüchternheit mal wieder und wir müssen länger auf ihn einreden, damit wir wenigstens das obligatorische Familienfoto machen können.

Draußen ist die Stimmung wieder bestens, wir gucken fasziniert den Eisläufern auf der künstlichen Eisbahn zu und stellen fest, dass kein einziger Singapurer die Kunst des Schlittschuhlaufens beherrscht; alle stolpern nur unter großem Gekicher über die Kunststofffläche.

So langsam geht die Sonne unter und die unfassbar aufwändige Beleuchtung an, der Blick dazu auf das Marina Bay Sands Hotel und den „Singapore Flyer“ (Riesenrad) ist schon sehr beeindruckend.  Es gibt Kinderkarussells, eine Eisenbahn, Watte-Schnee, künstliche Rentiere und Schneemänner, und Titus weiß gar nicht, wo er zuerst hinschauen soll.

Mit großem „Ah“ und „Oh“ beginnt um 19:45 Uhr wie jeden Abend die große Lichtershow unter den „Supertrees“, im Monat Dezember natürlich ganz passend mit einer Choreographie zu Weihnachtsliedern. Dazu „schneit“ es aus den großen Lichtinstallationen des Weihnachtsmarkts und die Asiaten flippen schier aus vor Begeisterung – überall werden Handydisplays gezückt und Selfies gemacht.

Da Titus von der vorhergehenden kurzen Nacht ziemlich müde ist, bugsieren wir ihn nach dem Ende der „Light Show“ zum Ausgang und stoßen dort auf eine kilometerlange Schlange vor dem Taxistand. Kurzerhand marschieren wir vor zur Straße, hier regeln diverse Polizisten den Verkehr bei der Zufahrt zum Weihnachtsmarkt, es herrscht ein abartiger Betrieb und die Taxis stauen sich über mehrere Spuren. Wir wechseln die Straßenseite, und eine Minute später hält ein netter Uber-Fahrer neben uns und bringt uns in rasanter Fahrt nach Hause. Titus fallen nach wenigen Minuten im Auto die Augen zu und wir legen ihn zuhause direkt ins Bett, wo er nicht einmal mehr mitbekommt, dass ich ihm den Schlafanzug anziehe. Und dabei wollten wir doch noch Weihnachtslieder üben!

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