Bali – Von Ubud nach Munduk

Bali – Von Ubud nach Munduk

Etwas zermürbt von der teilweise schlaflosen Nacht packen wir am frühen Morgen wieder die Koffer, während Titus ein bisschen schimpft und fragt, warum wir denn nun schon wieder weiterfahren müssten. Um halb zehn steht unser Fahrer Ngurah bereit, wir beladen das Auto mit unseren Rucksäcken und diesmal darf Titus von vornherein auf Normans Schoß und dem Beifahrersitz Platz nehmen. Sicherheitshalber habe ich ihm mein Akupressur-Armband umgelegt und ihm versichert, dass einem damit niemals schlecht wird im Auto. Er wird es die gesamte stundenlange Fahrt umklammert halten und vertraut völlig auf dessen Wirkung.

Angeregt parliert das Kind mit dem Fahrer über die unzähligen Streunerhunde am Straßenrand, akribisch zählt es „five dogs“ oder weist auf frei herumlaufendes Federvieh hin („Look, chicken, rooster!“), und so vergeht die erste Stunde Fahrt recht schnell. Bald haben wir Ubud hinter uns gelassen und fahren nordwärts, die Landstraße ist nicht besonders komfortabel, aber immerhin kommen wir gut voran und der Verkehr hält sich in Grenzen. Amüsiert beobachten wir, wie wir manchmal gleichzeitig von links (Motorroller) und von rechts (Auto) überholt werden, es wird fröhlich und viel gehupt und Titus ist fasziniert vom Ausblick vorne.

Es geht Richtung Berge, und schon tauchen erste Werbetafeln auf, die auf den hier angebauten „Kopi Luwak“ hinweisen – den berühmten „Katzenkaffee“. Den wollte ich schon immer mal probieren, also bitte ich unseren Fahrer, bei einer kleinen Kaffeeplantage anzuhalten. Dort bekommen wir zunächst eine Führung durch den reichhaltigen Obst- und Kräutergarten, dann wird uns der Kaffeeanbau erklärt. Das „Unternehmen“ ist wirklich klein, der Sohn führt uns herum, die Tochter röstet gerade auf offener Flamme die Kaffeebohnen. Die katzenähnlichen Schleichtiere, die die Bohnen sozusagen „vorverdauen“, schlafen in Käfigen, denn die sind nachtaktiv und deshalb wenig gesellig. Zum Schluss hin dürfen wir natürlich noch ein Tässchen probieren und sind durchaus angetan vom milden Geschmack. Allerdings schreckt uns der Preis, selbst hier beim Kaffeebauer direkt kosten 100 Gramm gemahlener Kaffee immer noch knapp über 20 Euro. Wir sehen also von einem Kauf ab und fahrenn weiter.

Immer hügeliger wird es, und immer wieder staunen wir über die waghalsigen Motorrollerfahrer: vor uns schleicht eine komplette Familie (vorne der vielleicht 3jährige Sohn, dahinter Vater, die 6jährige Tochter und zum Schluss die Mutter, die einen Säugling im Arm hält und ihn währnd der Fahrt stillt sowie auf dem Trittbrett der Hund der Familie) auf praktisch platten Reifen den Berg hinauf, die Mutter muss hin und wieder absteigen, wenn es zu steil wird, doch die Fahrt geht stetig voran. Außerdem brausen relativ oft sehr junge Fahrerinnen und Fahrer an uns vorbei, auf unsere Frage dazu gibt unser Fahrer zu, dass zwar der Führerschein erst ab 16 Jahren zu bekommen sei, dass jedoch vor allem in den Dörfern bereits 10- und 12jährige herumkurven.

Zur Mittagszeit erreichen wir den großen Ulan Danu-Tempel am See, der auf dem indonesischen 50.000 Rupien-Schein abgedruckt ist.

Diese Berühmtheit führt dazu, dass der Parkplatz völlig überfüllt ist und sich Massen an Touristen drängen. Rund um den Tempel herum ist ein etwas seltsamer Park angelegt, der Spielplatz dort mutet etwas antik an und die wahllos aufgestellten Figuren von SpongeBob, Adlern und Erdbeeren wirken deplatziert. Es nieselt leicht, der Wind ist unangenehm kalt und wir frösteln in kurzen Hosen und dünnen Jäckchen, sind wir doch auf über 1.200m. Deshalb belassen wir es bei ein paar Fotos, und umgehen die Heerscharen an Reisegruppen und Familieausflüglern recht schnell wieder.

Vor dem Gelände ist eine kleine Baustelle, neue Pflastersteine werden verlegt, und ein Bauarbeiter steht barfuss im Zement und verteilt diesen großzügig mit einer scharfkantigen Schaufel. Arbeitssicherheit scheint hier nicht ganz oben auf der Prioritätenliste zu stehen.

Unser Fahrer saust nun die letzten 15km recht rasant den steilen Pass hinauf und hinunter, und Titus, der bislang sehr redselig war, verstummt merklich – und auch mir wird übel. Deshalb atmen alle erleichtert auf, als wir endlich Munduk und unser Hotel „Puri Lumbung“ erreichen. Für die 65km von Ubud aus haben wir gut 2 1/2 Stunde reine Fahrtzeit gebraucht und sind nun erst einmal froh über den heißen Kräutertee, den wir zur Begrüßung bekommen.

Auch hier sind kaum Gäste, die Anlage des Öko-Hotels ist riesig und besteht aus über 45 kleinen Häuschen, die inmitten eines großartig angelegten Gartens und umgeben von Reisterrassen über einen Hügel mit fantastischem Blick über die Berge verteilt sind.

Norman begibt sich quasi ohne Umwege ins Spa zur Massage, Titus und ich trinken in der Bar einen frischgemixten Obstsaft und erkunden danach das Gelände, wobei ich schwer damit zu tun habe, das Kind davon abzuhalten, in eines der überschwemmten Reisfelder zu fallen.

Da Titus immer noch leicht angeschlagen wird, möchte er recht schnell nach dem balinesischen Abendessen, das er eh großteils verschmäht, ins Bett – und so haben Norman und ich endlich die Gelegenheit, die letzten Folgen von „Game of Thrones“ auf dem Balkon sitzend anzuschauen. Die Frösche in den Feldern quaken so ohrenbetäubend laut, dass wir trotz maximaler Lautstärke am Laptop nur jedes zweite Wort verstehen, und ein wenig geht dabei die Dramatik der Serie verloren, wenn man statt Kampfgeschrei nur „Quak“ hört!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »