12 von 12 im Dezember

12 von 12 im Dezember

Es ist der 12. Dezember! Hier also wieder zwölf Fotos von meinem heutigen Tag (mehr dazu bei „Draußen nur Kännchen“):

Mein Hals kratzt nur noch ein bisschen, als ich aufstehe – die Erkältung verabschiedet sich so langsam. Zum Glück!
Titus stürmt sofort los und wirft einen Blick auf den Balkon. Dort hat er am Abend den Wunschzettel für’s Christkind platziert – und zu seiner großen Verwunderung ist dieser tatsächlich weg, und von den als Proviant fürs weitgereiste Christkind bereitgelegten Keksen sind nur noch Krümel da. Seltsam.

Vergnügt spazieren wir bei angenehmen Temperaturen in den Kindergarten. Die welken Blätter, die überall am Boden herumliegen, wirken fast schon ein bisschen herbstlich, sind aber ganzjährig da, denn irgendwann müssen ja auch tropische Bäume ihr Blätterkleid wechseln.

Endlich ist Zeit für Sport, wegen der Erkältung und des durchgetakteten Konzertwochenendes habe ich ein paar Tage Pause eingelegt. Mit so einem Ausblick macht Seilspringen im 24. Stock Spaß, auch wenn der Hausmeister ein wenig irritiert um mich herumwischt…

Schon klingelt mein Handy, meine Freundin Christiane erwartet mich dringend im Buchladen, um gemeinsam ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Ich eile nach einer schnellen Dusche zum Bus und kann es leider nicht lassen, im „Kinokuniya“-Buchladen den erstaunlich großen Bestand deutschsprachiger Bücher genauer in Augenschein zu nehmen. Vor allem die Auswahl an Kinderbüchern ist wirklich toll, und da es momentan 50% Ermäßigung gibt, erstehe ich zwei neue Pixie-Bücher, die zusammen weniger kosten als ich in Deutschland dafür gezahlt hätte. Und das in Singapur!

Endlcih finde ich Christiane in diesem riesigen Geschäft; sie hat bereits das anvisierte Geburtstagsgeschenk gefunden, einen riesigen Bildband über „HDB Homes of Singapore„. HDB steht für „Housing & Development Board“ und steht für Häuser und Wohnungen, die vom Staat subventioniert und ausschließlich an Einheimische verkauft werden dürfen. In allen Stadtvierteln gibt es unzählige Areale, in denen diese Hochhäuser stehen; laut Wikipedia wohnen 82% der Singapurer in HDB geförderten Wohnungen. Von diesem staatlichen Wohnungsbau könnte sich München mal eine Scheibe abschneiden, so populär ist das hier.
Nachdem wir eine Ewigkeit gewartet haben, bis der nette Herr hinter dem Verkaufstresen das Buch hübsch verpackt hat (und wir ein wenig an die berühmte Szene in „Love Actually“ denken müssen), wuchten wir uns mitsamt dem 5 Kg schweren Bildband ins Taxi und lassen uns nach Dempsey Hill fahren. Dort treffen wir auf vier andere nette Damen, die ich alle noch nicht kenne, aber zu deren Ausgehzirkel ich ganz frisch dazugehöre. Deshalb hat mich Elke, Gründungsmitglied der sog. „Rooftop Ladies“, auch ganz spontan zu ihrem Geburtstagslunch ins schicke „PS. Café“ mit eingeladen, und so lerne ich dort meine neuen Feiermädels kennen. Standesgemäß stoßen wir mit einem Gläschen Brut auf das Geburtstagskind an, den Flaschenpreis von S$155 übersehen wir lieber schnell und bestellen stattdessen fantastische Frühstücks-Köstlichkeiten. Bei netten Gesprächen genießen wir die wunderbar laue Luft auf der Terrasse.


Erst ein Platzregen vertreibt uns von unseren Plätzen und beim Blick auf die Uhr stellen wir alle fest, dass wir schon längst wieder losmüssen.

Zuhause schaffe ich es immerhin noch, ein bisschen was am Computer zu „arbeiten“, und bin sehr erfreut, als ich eine reiche Ausbeute an Post aus unserem Briefkasten ziehe. Nachdem ich nun mehrfach bei der SingPost Beschwerde eingereicht habe, weil wir seit Wochen keine Briefe mehr erhalten und diese zum Teil sogar zurück nach Deutschland geschickt wurden (mit dem Vermerk „Wohneinheit existiert nicht“), scheinen meine bösen Mails und Chats mit dem Kundenservice Früchte getragen zu haben. Jedenfalls hole ich gleich zwei Briefe und eine Postkarte aus Deutschland (Vielen Dank an die Absender!!!) so wie eine schon vor Wochen getätigte Bücherbestellung aus dem Fach. Und die Telefonrechnung, aber über die freue ich mich nicht ganz so.

Gemeinsam mit Titus marschiere ich nach dem Kindergarten bei immer noch strömendem Regen ins Einkaufszentrum gegenüber. Dort ist das Kinder-Ferienprogramm in vollem Gange, und aktuell tobt dort nachmittags eine „Peppa Pig„-Show über die Bühne.

Da Titus dieses seltsame Schwein nicht kennt und mir der ohrenbetäubende Krawall zuviel ist, gehen wir lieber schnell weiter in die relativ ruhige Musikschule. Dort singen und tanzen die Kinder fleißig, während ich im Vorraum sitze, ein paar Korrekturfahnen bearbeite und mir dabei den Schal fest um die Schultern lege, denn wieder einmal ist es viel zu kalt.

Währenddessen schickt Norman lustige Fotos aus den Universal Studios auf Sentosa, wo er den heutigen Tag bei der Weihnachtsfeier verbringt.

Titus kann es schier nicht fassen, dass der Papa das Krümelmonster getroffen hat, vergisst aber bald wieder, genauer nachfragen, und erschleicht sich lieber wieder einmal eine Freifahrt im Kinderkarussell. Es gibt immer Eltern, denen es nicht zu blöd ist, 2 Dollar in so ein blödes Gerät zu werfen, wenn ihr Kind danach quengelt. Titus krabbelt dann einfach immer schnell auf einen freien Platz und freut sich, dass er mitfahren darf. Von mir hat er das nicht!

Zuhause übergebe ich den jungen Mann an Babysitterin Jiexi und fahre nach Outram Park. Dort finde ich nach längerem Suchen das kleine Schild, das auf das „Kadampa Meditation Centre“ hinweist. In diesem finden täglich abends frei zugängliche Meditationskurse für einen kleinen Obulus statt, und seitdem mir eine Bekannte davon erzählt hat, will ich mir das mal anschauen. Die Atmosphäre dort ist sehr ungezwungen, gemeinsam mit etwa zehn anderen Schülern aus allen Kulturkreisen und aller Altersklassen sitze ich in einem Raum vor einer großen Buddhastatue.  Die Lehrerin, Gen Kelsang Drolkyi, betritt den Raum, gehüllt in typische buddhistische Gewänder, und ich bin im ersten Moment etwas irritiert, dass es zum einen eine Frau ist, die nun vor mir sitzt, und dass es sich dabei zum anderen um eine Engländerin handelt. Aber sie hat so eine freundliche und ruhige Art, leitet uns zu kurzen Meditationen an und versucht uns in einer kleinen Vorlesung zu ermuntern, tägliche Herausforderungen anzunehmen und nicht innerlich abzuweisen. Am besten gefällt mir: „The only person you hurt when you stay angry or hold grudges is you.“ Ich bin mal gespannt, ob ich mich daran erinnere, wenn ich mich von jemandem ärgern lasse…

Völlig entspannt und geerdet fahre ich nach Hause, wo ich beim Betreten der Lobby ein wenig schmunzeln muss: der kleine Weihnachtsbaum im Eingangsbereich blinkt doch eher etwas verloren vor sich hin, aber auch hier nimmt man den Weihnachts-Deko-Wahnsinn sehr ernst!

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