Wochenausklang

Wochenausklang

Die Woche geht zu Ende, schon wieder sind die Tage an mir vorbeigerast.
Manchmal frage ich mich wirklich, warum die Zeit hier so schnell vergeht. Der Novemberanfang hat mich wirklich überrascht, was natürlich auch daran liegt, dass es hier so wenig herbstelt.

Den Donnerstag verbrachte ich tagsüber auf Petras wundervoller Dachterrasse in Bukit Timah, wir quatschten ausgiebig, während wir die Beine in den Pool baumeln ließen. Allein die An- und Abreise dauerte allerdings mit den öffentlichen Verkehrsmitteln jeweils 45 Minuten, und so war der Tag schon wieder halb vorbei, bis ich zurück zuhause war.
Deshalb schwang ich mich abends wieder mal aufs Radl, um zur Chorprobe zu düsen. Dabei wurde ich natürlich mehrfach angehupt (aber eher als Vorsichtsmaßnahme, so à la: Achtung, jetzt kommt ein Auto!) und verpasst den Abzweig. Weil ich zu faul war, 1 km zurückzuradeln, schleppte ich mein Fahrrad 50 Stufen hinauf und hinunter, um auf der Fußgängerbrücke die 8spurige Straße zu überqueren.
In der Kammerchor-Probe machte sich deutlich spürbare Nervosität breit; sind es doch nur noch 5 Wochen bis zum Konzert, und der 3. Satz im Bach-Gloria ist ganz schön happig. Da muss wohl jeder zuhause noch ein wenig üben *hüstel*.

Beim Heimradeln amüsierte ich mich wieder über die großartigen Namen der Wohneinheiten, die Favoriten auf dieser Strecke:
– Honolulu Towers
– The Legend (dazu bitte dramatische Musik vorstellen)

Heute ist Freitag, und nachdem Titus im Kindergarten abgegeben wurde (inzwischen fährt er mir davon!), fuhr ich mit dem Radl gleich im Anschluss zum Wet Market, um den Großeinkauf zu erledigen.

Auf dem Weg dorthin passierte ich eine Wiese, auf der rüstige Damen morgens um kurz vor 9 Uhr eine Runde Tai Chi absolvierten. Nebenan trainierte eine Inderin in voller Salwar-Kameez-Montur selbstvergessen auf den Fitnessgeräten, die jeder öffentliche Platz und jeder Wohnkomplex sein eigen nennt.

Im Schnelldurchlauf besuchte ich meine Lieblingsstände für Obst, Gemüse, Brot und Haushaltswaren, denn die Putzfee hatte mich beauftragt, neue Wechsellappen für den Bodenwischer zu besorgen. Der chinesische Verkäufer und ich verstanden uns zum Glück auch ohne allzu viele Worte, und so radelte ich kurz darauf schon wieder nach Hause.

Dort nahm ich die restlichen Lebensmittel vom reizenden Redmart-Lieferservice entgegen und machte mich an die Tagesaufgabe: Küche und Böden putzen. Offenbar reicht es nämlich in Singapur nicht, nur einmal wöchentlichen Großputz abzuhalten. Im Küchenschrank sichtete ich die Tage die ersten Mini-Ameisen, und die Kakerlaken sind seit unserem Urlaub zwar nicht mehr auffindbar, aber sicher dennoch irgendwo gut versteckt. Also schrubbte ich Küchenschränke und -oberflächen, staubsaugte und wischte die Böden. Bei den Temperaturen hier glich das Ganze einem intensiven Workout und ich war ordentlich nass hinterher.
Zu guter Letzt sprühte ich das neu erstandene Insektengift in alle dunklen Ecken und Winkel und großzügigst rund um den Müllschacht – den ich wirklich nach wie vor sehr praktisch, aber eben auch hygienisch bedenklich finde…

Im Kinderzimmer musste besonders viel geputzt werden, hat das Kind doch bei einem Hungeranfall gestern am späten Abend zwei Scheiben Knäckebrot verputzt – im Bett. Also: frisch beziehen, absaugen, wischen, damit nicht hier auch über kurz oder lang eine Ameisenstraße quer durchs Kinderzimmer marschiert. Ich nutzte die Gelegenheit, um die Spielsachen ordentlich aufzuräumen und zu sortieren und sämtliche Fächer und Schubladen mit passenden Bildchen zu bekleben, damit Titus weiß, was wohin gehört.
Nebenbei whatsappte ich mit diversen Mitsängerinnen, denn da die Probe am Vorabend ja wenig erfreulich war, waren wir auf der Suche nach einer Lösung. Und da sind fünf hysterische Sopranistinnen nicht unbedingt hilfreich.
Zum Glück durfte ich mich dann beim ausgiebigen Telefonat mit der lieben Mara ein wenig entspannen, ebenso bei der einstündigen Busfahrt, die Titus und ich am Nachmittag Richtung Marina Bay unternahmen. In der Orchard Road ging es überhaupt nicht vorwärts, wir standen ewig im Stau, aber zumindest gab es dank der üppigen Weihnachtsdeko vor den Geschäften und über der Straße viel zu gucken und zum anderen war ich ganz angetan von einer Pause.

Endlich konnten wir zum Veranstaltungszentrum, der „Esplanade“ marschieren. Dort gibt es im 5. Stock ein Kinder-Spielzimmer, in dem Titus eine Stunde lang konzentriert malte, bastelte und klebte, während ich immerhin Stifte und Materialien anreichen und mich am Blick aufs schicke Marina Bay Sands Hotel erfreuen durfte.

Punkt 18 Uhr wurden wir freundlich verabschiedet und noch während wir die Schuhe anzogen, rauschte die Mitarbeiterin an uns vorbei, ihrem Feierabend entgegen. Gutes Stichwort, also bestiegen wir den 75er-Bus, der uns direkt zum Asia Square und damit zu Normans Büro brachte. Wie immer waren sämtliche Plätze der umliegenden Restaurants und Bars voll besetzt mit Anzugträgern beim Einläuten des Wochenendes. Auf dem Platz selbst wehte uns wie immer der seltsame Parfümgeruch um die Nase, der diesem Treffpunkt offenbar das gewisse Extra verleihen soll, mich aber nur an die Penetranz der Abercrombie&Fitch-Filialen erinnert.

Gemeinsam mit dem schwer arbeitenden Mann steuerten wir den Lau Pa Sat-Hawker an. Inzwischen habe ich schon meinen Lieblings-Inder dort und saß wenige Minuten später mit einem perfekten Masala Paneer Dosa am Tisch, während die Herren lieber am Stand nebenan Dumplings und dazu Lime Juice holten.
Auf dem Heimweg versuchte Titus wieder einmal, in der MRT sämtliche Durchsagen lauthals zu wiederholen: „Die hat ’next station‘ gesagt!“, worüber sich die Dame gegenüber fürchterlich amüsierte.

Zuhause dann wieder ewige Diskussionen: Titus ist seeeehr mama-anhänglich zur Zeit und will immer nur von mir ins Bett gebracht werden. Da er aber aktuell immer erst nach Stunden einschläft (da im Kindergarten darauf bestanden wird, dass er einen Mittagsschlaf macht und deshalb abends natürlich null müde ist), habe ich da leider nicht jeden Abend Lust drauf. Mann. Irgendwann und nach ein paar Tränen ist eine Einigung gefunden, und Titus hört noch bis weit nach 22 Uhr auf seinem Ipod ein Hörbuch, während ich in Ruhe weiter im Dan-Brown-Thriller schmökern kann. Gute Nacht!

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