Regenzeit und Musikstunde

Regenzeit und Musikstunde

Nachts werde ich wieder einmal wach vom ohrenbetäubenden Donner. Die Blitzeinschläge sind so nah, dass ich sogar einen leichten Ozon-Geruch in der Nase habe – was mich zuerst einmal panisch an durchgeschmorte Kabel oder ähnliches denken lässt. Während ich innerlich bereits die Flucht im Falle eines Brandes plane, grollt es im Minutentakt und ein Sturzregen klatscht gegen die Fensterscheiben.
So oder ähnlich verlaufen momentan die meisten Nächte – es ist Regenzeit in Singapur. Zwar schüttet es meistens zu nachtschlafender Stunde, doch auch tagsüber ist es nass und grau draußen. Am Pool waren wir schon seit Tagen nicht mehr, und heute morgen habe ich doch tatsächlich für den Weg zum Kindergarten ein Strickjäckchen überzogen. Bei knapp 27 Grad draußen und mit Flipflops an den Füßen (nichts ist praktischer, um über die riesigen Pfützen und kleinen Bäche am Wegrand zu kommen) – das bedeutet wohl, dass ich mich so langsam akklimatisiert habe.
Die Schirme liegen im Flur immer griffbereit, in jedem Einkaufszentrum reichen nette Einlassdiener Plastiktüten dafür an, damit ja nichts auf die steinernen Fußböden tropft, die sich bei Nässe nämlich in Rutschbahnen verwandeln.
Kommt dann doch einmal kurz die Sonne heraus, ist es sofort wieder abartig heiß, doch die lässt sich eben in den letzten Tagen sehr bitten. Alle Wäsche ist klamm und trocknet nicht richtig, meine Haare kräuseln sich zum Davonlaufen und Norman lässt seinen Roller zur Zeit morgens auch oft zuhause, da es mit den Vollgummireifen auf dem nassen Asphalt einfach zu rutschig ist.

Da mein Plan, mit Titus nachmittags wieder mehr fixe Programmpunkte auf dem Wochenplan zu haben, nun durch das Wetter auf „Indoor“-Beschäftigung festgelegt ist, probieren wir am Dienstag Nachmittag eine Musikstunde von „Kindermusik“ aus.
Diese Musikschule hat eine Niederlassung im Einkaufszentrum gegenüber, ganz idyllisch im Untergeschoss gelegen, in Räumlichkeiten ohne Tageslicht, die auf gemütliche 20 Grad gekühlt sind. Dank Strickjacke sind wir bestens gerüstet, als wir gegen halb fünf dort ankommen. Titus lässt sich sehr bereitwillig auf den Kurs ein, in dem die Leiterin spielerisch mit acht sehr aktiven 3jährigen singt und auf Xylophon, Trommel und Glockenspiel musiziert. Die Klanghölzer faszinieren die Kinder sehr, ebenso die Möglichkeit, immer mal wieder zur Musik wild zu hüpfen und zu tanzen.

Kurz: die 45 Minuten sind viel zu schnell vorbei und Titus ist spürbar glücklich damit. Mir gefällt, dass hier tatsächlich sehr spielerisch an die „Musikerziehung“ herangegangen wird – ganz im Gegensatz zu den vielen anderen Musikschulen, in denen 3- und 4jährige bereits Geigen- und Klavierunterricht bekommen und immer sehr ernst dreinschauen, wenn ich an den Kursräumen vorbeigehe.

Beim anschließenden Gespräch stellt sich dann aber heraus, dass ein Kurs mit 13 Einheiten insgesamt knapp S$600 (ca. 400 Euro) kostet. Das ist mir doch zu teuer, und ich denke kurz wehmütig an das nette Kinderturnen in München gleich um die Ecke, wo eine Stunde 13 Euro kostete…

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