Monatsrückblick: November 2017

Monatsrückblick: November 2017

Die Weihnachtszeit kommt mit großen Schritten herbei, und auch das Jahresende naht – Zeit, für den nächsten Monatsrückblick. Den möchte ich heute dafür nutzen, zehn Dinge aufzuzählen, die ich nach vier Monaten Singapur vermisse – und welche mir weiterhin gestohlen bleiben können:

Was ich vermisse:

  • Brezn
    Dazu muss ich wohl nicht allzu viel ausführen. Zwar verstehe ich die allgemeine deutsche Sehnsucht nach „gescheitem Brot“ nicht, da es zum einen wirklich viele gute Bäcker gibt und zum anderen ja immer noch die Möglichkeit besteht, selber Sauerteig anzusetzen und Brot zu backen. Aber Brezn! Einfach schnell eine als Snack zwischendurch kaufen zu können, das fehlt mir mehr als gedacht. Titus und ich haben kürzlich sogar selbst welche gebacken, so richtig mit Lauge, und die waren auch saulecker – aber eben nix für jeden Tag.
    Man munkelt, dass es im „German marketplace“ tiefgekühlte Exemplare zum Selber-Aufbacken gibt, die werde ich demnächst mal ausprobieren. Und im März auf jeden Fall wie immer nach einer Urlaubsrückkehr ein bisschen Euro-Münzen in der Hosentasche bereithalten, um direkt nach der Ankunft im Flughafen beim Bäcker gegenüber ein ofenwarmes Laugengebäck zu erstehen. Hach, darauf freue ich mich!
  • Spülmaschine und Herd
    Erstaunlich, wie sehr man ein Küchengerät vermissen kann. Beim täglichen Abwasch nach dem Essen denke ich schmerzlich an unsere wunderbare Spülmaschine zurück, denn es ist wirklich Wahnsinn, wie viel Zeit beim Spülen vergeht. Außerdem ertappe ich mich dabei, wie ich versuche, möglichst wenig Geschirr zu benutzen, aus reiner Spül-Unlust.
    Und auch der Induktionsherd fehlt mir – so ein Gasherd hat wirklich seine Tücken, Töpfe und Griffe werden gefährlich heiß, meine Finger leiden darunter und Titus lasse ich überhaupt nicht in die Nähe des Herdes. Schade, dabei war unser allabendliches Kochritual fester Bestandteil des Tagesablaufs!
  • Tatort
    Und zwar am Sonntag um 20:15 Uhr. Ja, wir können die aktuelle Folge dann auch in der Mediathek zu jeder beliebigen Zeit anschauen, aber eben erst ab dem nächsten Tag, das ist nicht dasselbe. Eigentlich schrecklich, wenn man so ein Gewohnheitstier ist, aber Angewohnheiten, die man seit mehr als 13 Jahren pflegt, lassen sich nicht so ohne weiteres ablegen!
  • Zeitung
    Fast 15 Jahre lang hatten wir ein Abonnement der Süddeutschen Zeitung, und zwar das, bei dem man „nur“ die Freitags- und Samstags-Ausgabe bekommt. Genau richtig für uns, die Zeitung lag frühmorgens im Briefkasten, wir schmökerten uns ausgiebig durch die großartig Wochenendausgabe (Lieblingsteile: „Gesellschaft“ und „Stil“!), lasen das SZ-Magazin von vorne bis hinten und waren damit bis zum kommenden Wochenende gut beschäftigt. Zwar kann man natürlich Zeitung auch online lesen, aber es fühlt sich anders an. Ich überlege ernsthaft, ob ich uns nicht die SZ nach Singapur schicken lasse – das kostet aber. Alternativ werde ich mich wohl an die einheimische „Straits Times“ heranwagen…
  • Draußen laufen
    Und zwar bei kühlem Herbst- oder Winterwetter, gerne mit Nebel dazu. Und gerne im Olympiapark. Zwar liebe ich unser hauseigenes Gym sehr und gehe ehrlich gesagt hier viel öfter „mal eben“ für eine halbe Stunde auf’s Laufband, doch ist Laufen mit Klimaanlagen-Luft und ohne Natur drumherum doch anders. Draußen ist es mir einfach zu schwül; ich mochte auch in Deutschland einen Lauf an einem dunklen Winterabend hundertmal lieber als schwitzend im Juli.
  • Kapuzenpullis
    Und Jogginghosen. Abends auf dem Sofa, oder nach so einer oben beschrieben Laufrunde. Ist einfach gemütlicher und bequemer als kurze Hosen, Kleidchen und T-Shirts.
  • dm
    Und vor allem die Bio-Hausmarken. So tolle Produkte für so wenig Geld – das ist hier schlichtweg nicht zu bekommen. Bio-Produkte, egal ob Lebensmittel, Putzzeug oder Kosmetik, sind horrend teuer. Die einheimischen Drogerien „Watson“ oder „Guardian“ haben zwar viel Auswahl, aber für ein kleines Einmalpäckchen Haarkur S$8 zu verlangen, ist für mich unverständlich. Dank einer tollen Paketlieferung, die mich heute erreicht hat, bin ich aber erst einmal versorgt und habe auch schon die ersten Besucher mit Einkaufslisten versorgt. Trotzdem: das spontane Bummeln durch den „Lieblingsladen“ (Zitat Norman) fehlt mir!
  • Freunde und Familie
    Natürlich fehlen mir meine Lieben. Vor allem für die Wochenendaktivitäten oder abendlichen Treffen. Trotzdem ist das Pflegen der Kontakte dank WhatsApp wirklich einfacher als gedacht, ich habe das Gefühl, dass ich gar nicht so weit weg bin und wirklich viel mitbekomme. Danke an dieser Stelle an alle fleißigen SchreiberInnen!
    Das Telefonieren wiederum ist deutlich schwieriger, denn 7 Stunden Zeitverschiebung sind wirklich unpraktisch. So kann ich in meinen „freien“ Vormittagsstunden“ niemanden in Deutschland anrufen, denn bis Titus um 15 Uhr aus dem Kindergarten kommt, beginnt dort erst der Tag.
  • Kita
    Wahrscheinlich fehlt mir Titus‘ großartige Kita mehr als ihm. Ich vermisse oft die gelöste Stimmung dort und das tolle Engagement der Erzieher, die netten Eltern und die daraus resultierenden Freundschaften (sowohl zwischen Kindern als auch zwischen Eltern!). Klar ist der Wechsel in den Kindergarten wohl immer erst einmal hart, denn vorbei ist der „Kuschelkurs“. Aber das sehr verschulte System hier stört mich schon manchmal, ebenso die Tatsache, dass mir hier morgens und nachmittags nur die Nannys über den Weg laufen, und sich überhaupt keine Gespräche ergeben. Auch gibt es – zumindest im EtonHouse – wenig Interaktion zwischen Eltern und Einrichtung. Der jährlich einzige „Elternabend“ ist Anfang Januar, an einem Freitag Nachmittag um 16 Uhr.
  • Fahrrad fahren
    Ja, auch in Singapur fahre ich bestimmte Wegstrecken mit dem Radl. Mindestens 3-4 mal wöchentlich bin ich damit unterwegs. Dennoch: nicht alle Strecken sind zu bewältigen, sei es wegen der Entfernung (zur Dienstags-Chorprobe sind es 12 km), sei es wegen des Verkehrs (ab 18 Uhr ist alles rund um die Orchard Road tabu), sei es wegen des Wetter (Sturm und Gewitter oder abartige Hitze). Einfach losradeln ist nicht drin, immer muss ich vorher sorgfältig die Strecke checken, denn wenn ich GoogleMaps befrage, leitet das mich gerne über die Stadtautobahn oder – in der Fußgänger-Variante – über steile Fußgängerbrücken und Treppen ohne Rampe. Fahrradwege gibt’s nicht, Radler werden entweder belustigt oder irritiert als Teilnehmer im Straßenverkehr wahrgenommen und man muss wirklich alle Augen und Ohren offenhalten, damit man nicht über den Haufen gefahren wird. Aber ich gebe nicht auf!

Was ich nicht vermisse:

  • Winterwetter und dunkle Jahreszeit
    Ich kann es nicht oft genug sagen: ich liebe es, morgens einfach in die Flipflops zu schlüpfen und mit Titus in kurzen Hosen und Shirt das Haus zu verlassen. Manchmal muss ich an den Regenschirm denken, aber sonst brauchen wir keine zusätzlichen Klamotten. Das ist so befreiend! Wir entscheiden jeden Abend neu, ob wir zum Essen lieber auf dem Balkon oder drinnen sitzen wollen, wir können für jedes Wochenende Unternehmungen draußen fest einplanen und ehrlich gesagt: momentan ist der kalte Monat mit „nur“ 26-27 Grad draußen und ich finde unseren Pool hier fast zu kalt zum Baden!
    Und nach wie vor geht hier die Sonne morgens um 7 Uhr auf und um 19 Uhr wieder unter. Zwölf Stunden täglich Tageslicht, wie schön!
  • Mikrowelle
    Überraschenderweise gab es bislang vielleicht zwei Momente, wo ich, die ich noch niemals ohne Mikrowelle gewohnt habe, an das Ding einen Gedanken verschwendet habe. Es ist so warm, dass die meisten Lebensmittel einfach innerhalb kürzester Zeit außerhalb des Kühlschranks warm werden, und somit braucht’s kein Extra-Küchengerät!
  • Büro
    Nein, natürlich fehlt mir die Arbeit nicht wirklich. Das soziale Netzwerk aus Kollegen manchmal schon, aber von außen festgelegte Tagesabläufe?! Sicher nicht. Ich liebe es, mir meine Tage frei einteilen zu können und mehr oder weniger nur das zu tun, worauf ist Lust habe. Das ist echter Luxus! Und den nutze ich auch aus, denn endlich bleibt Zeit, neue Dinge auszuprobieren und zu lernen.

So, mal schauen, wie ich in einem halben Jahr über die genannten Punkte denke und ob etwas neu dazukommt. Was würdet Ihr am meisten vermissen?

3 Replies to “Monatsrückblick: November 2017”

  1. Liebe Nadine,
    auch wenn ich mich nicht zum erlesenen Clan der fleißigen Schreiberinnen zählen kann, so gebe ich meiner Verwunderung Ausdruck, dass du die Berge winters wie sommers wohl keineswegs vermisst oder habe ich das überlesen ?

    1. Lieber Peter,
      die genannten Dinge vermisse ich im Alltag – die Berge werden natürlich immer ein Lieblings-Freizeit-Ziel bleiben, aber momentan tausche ich sie, ehrlich gesagt, gerne gegen Meer, Sand und Badevergnügen ein! Die Berg-Sehnsucht hält sich also (noch) in Grenzen, aber das ändert sich bestimmt auch wieder…
      Liebe Grüße,
      Nadine

      1. Liebe Nadine,
        dann bin ich beruhigt und grüße aus dem leicht verzuckerten Wullenstetten in die große weite Welt, Peter

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