Ein Nachmittag im ArtScience Museum

Ein Nachmittag im ArtScience Museum

Die ersten Säckchen für den Adventskalender habe ich fertig genäht, währenddessen piepst mein Handy im Minutentakt: Norman schickt mir sehr lustige Fotos seiner Weihnachtsfeier und jammert, dass die ohrenbetäubend laute Musik und die zig Spielchen nur mit sehr viel Alkohol zu ertragen seien. Firmenfeier à la Singapur!

Und dabei war doch heute tagsüber noch so müde, da er erst wirklich spät nachts aus Bangkok zurückgekommen war. Zu allem Übel war Titus, als ich um 22:30 Uhr aus der Chorprobe geradelt kam, noch putzmunter und saß spielend mit Babysitterin Jiexi in seinem Zimmer. Bis ich das Kind eingeschläfert im Bett hatte, war es fast Mitternacht, und derartig schlecht gelaunt war der kleine Mann (nach einer sehr unruhigen Nacht) dann heute morgen nach dem Aufstehen auch.
Ich war also erstmal froh, als beide Männer aus dem Haus waren, putzte wie eine Wilde die Küche und die Böden, radelte zum Markt und hielt mein Schwätzchen mit der Bäckers- und der Gemüsefrau, nahm daheim die Lebensmittellieferung entgegen und grübelte währenddessen, woran wohl Titus‘ momentane Phase des Spät-Einschlafens liegen könnte.
Kurzerhand beschloss ich, am Nachmittag ein wenig „Action“ zu machen und das Kind auszupowern. So fuhren wir mit dem Taxi nach dem Kindergarten bei strömendem Regen ins ArtScience-Museum direkt neben dem Marina Bay Sands Hotel. Genau das Richtige bei dem Wetter, und zu unserem Glück ist Freitags auch noch „Family Day“ und Kinder bekommen freien Eintritt. Ich galt mit meinem Ausweis als „Singapore Resident“ und zahlte nur 13 S$; dazu bekamen wir noch zwei Flaschen Wasser gratis dazu.

Leider wird die Ausstellung, die ich eigentlich sehen wollte, erst Ende November eröffnet, doch die Dame an der Kasse empfahl uns wärmstens die Dauerausstellung „Future World“, und was soll ich sagen: die ist genial! Und zwar sowohl für Kinder als auch für ausgewachsene Menschen mit Spieltrieb!
Gezeigt wird eine „virtuelle“ Welt, bestehend aus Installationen verschiedenster Künstler. Alle Exponate sind interaktiv, d.h. es soll und darf mitgespielt und ausprobiert werden. In vier Abteilungen – NatureTownParkSpace – gibt es u.a. eine Rutsche, bei der auf die Rutschbahn projizierte Früchte erwischt werden sollen, es gibt Städte zu entwerfen, auf Kissen in einem dunklen Raum kann man es sich gemütlich machen und computeranimierten Wellen zuschauen.

Das Exponat „A Table Where Little People Live“ projiziert kleine Männchen auf einen Tisch. Sobald man seine Hand oder einen anderen Gegenstand darauf legt, reagieren die Kerlchen darauf, holen Leitern, fangen an zu hüpfen und zu klettern. Je mehr man selbst mitwirkt, umso aktiver wird die Animation.

Titus war völlig begeistert, rutschte hundertmal („Mama, jetzt hab ich die Wassermelone weggestupst.“), ließ Männchen über seine Hände kraxeln und wäre am liebsten schon am Beginn der Ausstellung für den Rest des Nachmittags geblieben.
Am besten gefiel uns aber wohl die „Sketch Town“ bzw. das „Sketch Aquarium“. Hier konnte man auf ausliegenden Malvorlagen Hochhäuser, Busse, Flugzeuge und später dann Fische, Seepferdchen und Tintenfische ausmalen. An Scanner-Stationen ließen sich die Kunstwerke per Knopfdruck einscannen – und die eigenen Motive tauchten kurz darauf animiert auf riesigen Stadtlandschaften und Unterwasserwelten auf. Was für ein Spaß!

Ein weiterer Höhepunkt in der Abteilung „Park“ waren das „Light Ball Orchestra“. Dieses besteht aus ungefähr 20 Gummibällen, die darauf programmiert sind, miteinander zu interagieren, sobald sie berührt werden, sich gegenseitig berühren bzw. in jeder erdenklichen Art „bespielt“ werden. Daraufhin verändern sie ihr Licht und machen eine Art „Computer-Musik“. Titus jedenfalls juchzte und quietschte selig, während er die riesigen Bälle umherschubste, sie hüpfen ließ, sich darauflegte und dazwischen umher rannte.

Gegen 18:30 Uhr konnte ich ihn dann endlich aus dem Museum lotsen, denn zugegebenermaßen war ich am Verhungern. Auf dem Fußweg über die Helix Bridge bei immer noch anhaltendem Nieselregen diskutierten wir die Abendessen-Optionen und kamen zusammen zu dem Schluss, dass wir dringend eine Pizza bestellen sollten. Dank UberEats gesagt, getan. Leider machte uns (fast) der zu spät kommende Bus und der Feierabend-Stau einen Strich durch die Rechnung – mein Dank geht deshalb an die geduldige Lieferantin, die zuhause im Auto auf uns wartete und uns, die wir im Laufschritt angaloppierten, zwei Pizzen in die Hand drückte.

Tatsächlich scheint mein Plan aufzugehen: nach dem Abendessen ging der Junior ohne Umweg ins Bett und schnarchte bald friedlich. Wir brauchen also mehr Programm für die Nachmittage!

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