100 Tage Singapur – und im Stoffhimmel!

100 Tage Singapur – und im Stoffhimmel!

Seit 100 Tagen leben wir in Singapur – so schnell sind diese gut drei Monate vergangen und so vieles haben wir erlebt! Ob ich mich in Singapur eingelebt habe, wollen viele wissen. Doch, ich fühle mich hier „zuhause“, „unsere“ Wohnung und „unser“ Stadtviertel fühlt sich jedenfalls danach an. Inzwischen weiß ich, wo ich die nötigsten Dinge bekomme, war beim (Kinder-)Arzt, kenne mich in der Stadt und mit den zig Bus- und UBahn-Linien einigermaßen aus und fahre meistens recht zielsicher mit dem Fahrrad umher.
Wir haben eine prima Babysitterin, ich bin sehr zufrieden mit meinen wöchentlichen Chorproben und auch die anderen bislang geknüpften Kontakte lassen sich gut an. Natürlich gibt es (noch) keine engen Freundschaften, und mir fehlt vor allem abends und am Wochenende der Freundeskreis, der immer für Programm gesorgt hat. Andererseits genieße ich natürlich auch die „totale Freiheit“, einfach das tun zu können, auf was ich Lust habe, viel Sport zu machen und zu lesen, die Stadt zu erkunden und vor allem: Zeit zum Schreiben zu haben.
Und spätestens ab Januar ist es mit der „Ruhe“ vorbei, denn ab dann haben wir eigentlich bis zum Sommer hin fast durchgehend Besuch, und darauf freuen wir uns unbändig!

Immer, wenn ich in diesen Tagen in der Stadt unterwegs bin, denke ich: „Oh, das muss xxx dann auch zeigen, wenn sie/er zu Besuch ist.“ In meinem Kopf entstehen bereits reiseführerartige Ansagen und ich überlege ernsthaft, einen kleinen, privaten „Stadtführer“ zu schreiben.

Am Montag Vormittag zum Beispiel traf sich die Impulse-Redaktion in der Orchard Road, um ein Gruppenfoto für die Weihnachtsausgabe aufzunehmen. So früh morgens sind die Geschäfte dort schön leer, die Weihnachtsdeko steht bereits und ich kann mich an den ganzen Läden und Gebäuden immer noch nicht sattsehen – auch wenn ich nach wie vor nicht verstehe, wer denn das ganze Zeug dort kaufen soll.

Oder gerade gestern radelte ich wieder die wunderschöne Strecke am Istana-Park und -Palast entlang bis in die Innenstadt. Die Wachen am Eingang grüßten freundlich, ebenso sämtliche Fußgänger und Autofahrer, denen ich begegnete. Als Radler ist man einfach eine Seltenheit!
Die Route, die mich durchs River-Valley bis nach Tiong Bahru führte, brachte mich trotz langsamen Tempos ordentlich ins Schwitzen. Endlich stand ich vor dem großen Tan Boon Liat-Building mit seinen 15 Stockwerken, in dem sich fast ausschließlich Möbel-, Antiquitäten- und sonstige Einrichtungsgeschäfte befinden. Rundherum nur Baustellen, vierspurige Straßen und eine Art Industrieviertel. Der Parkwächter winkte mich heran und ich durfte mein Fahrrad direkt neben seinem Häuschen parken. Etwas orientierungslos stand ich dann vor der Fassade und konnte nirgendwo eine Beschreibung entdecken. Auf gut Glück fuhr ich mit dem leicht heruntergekommenen Fahrstuhl, in dem eine ältere Dame auf einem Klapphocker saß und die Knöpfe drückte, in den fünften Stock. Vorsichtig öffnete ich die Feuerschutztür mit der Nummer #05-09 und der Aufschrift „Sing Mui Heng“ und staunte: ein riesengroßes Handarbeitsgeschäft lag vor mir, mit allem, was das Näh-Herz begehrt.  Stoffe, Nadeln, Garne, Knöpfe, alle erdenklichen Kurzwaren, Bastelzubehör, Nähmaschinen – und alles zu erstaunlich günstigen Preisen.

Gemeinsam mit einer sehr kundigen Verkäuferin fand ich dort in kürzester Zeit alles Nötige für den Adventskalender, den ich für Titus nähen möchte, und war kurz darauf zwar um lächerliche S$40 ärmer, aber sehr begeistert von dieser Fundgrube.

Weiter ging es mit dem Fahrrad in die nahe gelegene Yong Siak Street mitten in Tiong Bahru. Dort vertrieb ich mir die Zeit bis zur Yogastunde im wunderschönen Kinderbuchladen „Woods in the Books“ und blätterte mit Begeisterung durch die kreativ illustrierten Bücher und bestaunte die Spiele und Geschenkideen.
Anschließend durfte ich bei der „Hot Core“-Stunde so dermaßen schwitzen, dass mir der Nieselregen beim Heimradeln überhaupt nichts mehr ausmachte.
Keuchend kam ich um 14 Uhr zuhause an und wurde schon von zwei Handwerkern erwartet – denn wir hatten schon wieder kein warmes Wasser. Zum Glück stellte sich heraus, dass „nur“ die Sicherung am Boiler herausgesprungen war (wahrscheinlich durch einen Blitzeinschlag in den letzten Tagen). Doch da sich dieser mitsamt der Sicherung unter einem Brett hoch oben an der Decke verborgen ist, muss man da auch erst einmal draufkommen… Das undichte Rohr im anderen Bad, das uns täglich einen mittleren See auf dem Fußboden und einen bereits schimmelnden Badezimmerschrank beschert, konnten sie leider nicht reparieren, dafür seien andere Handwerker zuständig.

Ich eilte zum Kindergarten, holte Kind mitsamt Roller und Schmusehund „Bruno“ ab und wir marschierten ins Einkaufszentrum. Titus ist nämlich am Sonntag zu einem Kindergeburtstag eingeladen und wir brauchen dringend ein Geschenk für ein 3jähriges Mädchen. Leider waren wir beim Toys’r’us so erschlagen von der Auswahl, dass wir uns für nichts davon entscheiden konnten und nach einer Stunde unverrichteter Dinge nach Hause gingen, um erst einmal ein Eis zu essen.

Es folgte ein regelrechter Telefon-Marathon, erst quatschte ich eine ganze Weile mit Verena in München und anschließend mit meinen Eltern. Alle berichteten mir vom kalten Novemberwetter, während ich im Schweiße meines Angesichts das Abendessen zubereitete. Leider musste ich zum Chor eilen, bevor ich selbst essen konnte, vergaß in der Hektik auch noch meine Noten zuhause und stand dann mit knurrendem Magen bis 22 Uhr in der Probe. Meine Nebensitzerin Pak Geok, eine niedliche, dauerlächelnde 1,50m kleine Singapurerin, ließ mich bereitwillig in ihre Noten gucken, rülpste unentwegt und rannte dauernd zum Klo.

Titus ist diese Woche ein echter Langschläfer, heute wachte er erst um kurz vor halb neun auf und so waren wir gerade noch rechtzeitig zum Beginn des Tagesprogramms um 9 Uhr im Kindergarten. Leider konnte er sich deshalb nicht von Norman verabschieden, der heute abend geschäftlich nach Bangkok fliegt – und dem ich gerade noch rechtzeitig das Tütchen mit dem thailändischen Geld und seinen Reisepass in die Hand drücken konnte.
Mein Tagesplan für heute sieht vor, den neuen Veranstaltungskalender für die Januar-Ausgabe von „Impulse“ zu schreiben, eine Runde im Gym zu sporteln und mir zu überlegen, wo wir denn Ende November für ein Wochenende hinfahren könnten. Diese ganzen Reise-Recherchen sind echte Zeitfresser, ich könnte stundenlang hübsche Hotels angucken oder mir Routen überlegen!

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