Schweizer Mittagessen und Montags-Produktivität

Schweizer Mittagessen und Montags-Produktivität

Der Tag nach dem Urlaub ist gespickt mit den üblichen „Nachbereitungen“: die Waschmaschine läuft auf Hochtouren – nach einer Woche Dauerbaden im Meer müffeln die Badesachen ziemlich seltsam.
Mein Urlaubsbericht wird getippt, die Fotos begutachtet und aussortiert, und schon ist der Vormittag vorbei.

Wir brechen auf, sind wir doch zum Mittagessen mit Karsten, Hui Boon und Kayle verabredet. Und zwar im urschweizerisch eingerichteten „Marché“ (das natürlich im Untergeschoss eines großen Kaufhauses mitten in der Orchard Road liegt).
Bereits am Eingang erwarten uns Kuh-Figuren, Lämmchen, Bernhardiner und sonstige Klischees. Unten gibt es Holztische und eine Art „Hüttenatmosphäre“, etwas seltsam mutet die allgegenwärtige Halloween-Dekoration an.

An verschiedenen Stationen kann man sich mit Rösti, Crèpes, Salaten, aber auch Pizza und köstlich aussehenden Süßwaren versorgen. Titus nimmt das Kindermenü mit Zitronen-Limo, Kinderpizza und einer Kugel Eis in Anspruch, ich lade mir den Salatteller bis zum Anschlag voll und teile mir mit Norman noch eine „Toblerone-Mousse“ zum endlich wohlschmeckenden Espresso.
Während Titus den Kinderspielbereich entdeckt und verschwindet, unterhalten wir uns nett und Karsten drückt uns eine Tüte mit Spekulatius und Weihnachtsschokolade in die Hand – ein Mitbringsel von seinem Deutschland-Besuch in der letzten Woche.

Leider müssen wir zeitig wieder aufbrechen, denn meine Männer haben einen Friseurtermin im Kaufhaus gegenüber. Ich liefere die beiden bei „Papa Poika“ ab, Titus holt sofort die großen Kisten voller Duplo-Steine aus dem Regal, und ich düse nach Hause. Dort erwarte ich den Lebensmittel-Lieferservice, der sich ungefähr 100mal entschuldigt, weil er etwas später als angekündigt kommt. Ich beruhige ihn und erzähle, dass in München noch nicht einmal Supermärkte sonntags geöffnet haben geschweige denn eine Lieferung getätigt werde (die ich am Abend vorher nach der Grenze vom Auto aus getätigt habe).
Zu meiner großen Freude taucht dann auch noch ein anderer Lieferant auf und drückt mir den nagelneuen Dan Brown-Thriller in die Hand; ohne Buchpreisbindung und auf Englisch kostet das Hardcover-Buch hier nur S$24 und ich lese sofort das erste Kapitel.

In der Zwischenzeit sind die frisch gestutzten Herren wieder aufgetaucht und spielen in Titus‘ Küche Restaurant. Titus ist fasziniert von Geld und Bezahlvorgängen, und er schleppt seinen kleinen Spiel-Geldbeutel an, in dem sich allerhand Münzen und aussortierte Karten von uns finden.
Doch von wegen „aussortiert“: bei genauerem Hinsehen entdeckt Norman unsere schon längere Zeit vermisste Key-Card.
In Singapur gibt es für die Hochhaus-Wohnungen keine regulären Schlüssel, die Türen öffnen sich stattdessen, wenn man eine Plastikkarte davor hält. Wir haben für unsere Wohnung insgesamt vier Karten bekommen und suchen seit Wochen nach einer davon. Nachmachen ist (fast) ein Ding der Unmöglichkeit ohne Erlaubnis vom Vermieter und dazu noch sauteuer, und drei Karten sind allein für uns fast immer ein wenig knapp. Umso größer ist die Freude, dass offenbar Titus sich die vierte Keycard unter den Nagel gerissen hat!

Am Montag kehrt wieder der Alltag ein; Titus ratzt natürlich bis weit nach 8 Uhr und ich wecke ihn behutsam. Die Aussicht auf den Kindergarten lässt ihn dann aber doch schnell wach werden, und gegen 9 Uhr gebe ich ihn dort ab. Zuhause erwartet mich schon Putzfee Biu, und während sie putzt und schrubbt und bügelt, schreibe ich einen Programmheftartikel für unser Chorkonzert, erledige Papierkram, gehe ins Gym und in den kühlen Pool (da Meer rund um Tioman war deutlich wärmer) und bin wahnsinnig produktiv.

Schon ist es 15 Uhr und ich hole Titus ab. Er will unbedingt den wöchentlichen Kuchen backen, und so rühren wir fix einen Apfel-Haferflocken-Kuchen zusammen. Während dieser im Backofen ist, schleppt Titus Glockenspiel, Blockflöte und Liederbuch an und verlangt nach einer Runde Hausmusik.
Kurz darauf klopft es, und die beste Freundin Gabi steht mit Nanny und Bruder vor der Tür – mitsamt unserem Fisch, denn alle zusammen eine Woche lang bestens versorgt und gehütet haben. Die Kinder verschwinden sofort in Titus‘ Zimmer und ich kann Nanny Rina gerade noch davon abhalten, meinen Abwasch zu erledigen.
Am Abend kochen wir meinen Lieblings-Blitz-Kartoffelsalat – kann ich nur empfehlen, schmeckt vielleicht nicht ganz so gut wie bei Mama, aber dafür ist er innerhalb von 15 Minuten fertig. Dazu gibt es in meinen Augen großzügig bemessene Mengen an Tofu-Würsteln und Fake-Chicken-Nuggets aus der Pfanne, doch da Titus die komplette Portion alleine verdrückt bzw. für die morgige Kindergarten-Lunchbox beansprucht, bekomme ich nur Salat ab…

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