Monatsrückblick: September 2017

Monatsrückblick: September 2017

Der zweite Monat ist vorbei, und wieder ist wirklich viel passiert. Deshalb hier meine neuesten Erkenntnisse:

1. Umziehen ist immer anstrengend. Egal wohin, egal für wie lange man bleiben will. Einpacken oder auspacken nervt, verräumen, Möbel kaufen und aufbauen, Schränke bestücken, Bilder und Regale aufhängen…
Aber immerhin fühlen wir uns dank eigener Möbel und Haushaltsgegenstände wirklich sehr schnell „zuhause“ in unserer Wohnung, das Mitnehmen aller Sachen erleichtert die Eingewöhnung wirklich sehr.

2. Besuche beim schwedischen Möbelhaus gleichen sich, egal, auf welchem Kontinent man sie absolviert. Immer vergisst man irgendetwas oder es ist nicht vorrätig, immer braucht man viel mehr Zeit dort als geplant. Ohne eigenes Auto verkompliziert sich der Einkauf noch ein wenig.
Der einzige große Unterschied: im Ikea-Restaurant gibt es einen eigene Counter für „halal„-Menüs.

3. Zum Alltag gehören auch die wöchentlichen Großeinkäufe, denn die neue Küche will ja auch bestückt werden. Nach mehreren Wochen, in denen ich ein halbes Vermögen im Cold Storage-Supermarkt ausgegeben habe, radle ich nun wöchentlich rüber zum Wet Market, decke uns dort zu Spottpreisen mit Gemüse, Nudeln, Obst und Brot ein und lasse den Rest vom Giant-Supermarkt (der „Lidl“ Singapurs) kostenlos nach Hause liefern. Schwupps, schon geben wir nur noch die Hälfte für Lebensmittel aus.
Nur die Milchprodukte, die reißen jedes Mal ein größeres Loch in die Kasse: Milch, Joghurt und vor allem Butter sind unfassbar teuer – denn zum einen gibt es in Singapur natürlich kaum eigene Milchwirtschaft, zum anderen können Asiaten ganz prima ohne Milch leben…

4. Ebenso teuer: Drogerie-Artikel. Zwar kann man manchmal Schnäppchen im Supermarkt in Chinatown machen, zwei Duschgels zum Preis von einem kaufen oder ähnliches, doch Bio-Qualität ist das natürlich nicht. Für die muss man dann schon richtig Geld in die Hand nehmen. Auch Kosmetik gibt es nur von teuren Marken, eine eigene gute Hausmarke à la Alverde suche ich (noch) vergebens.

5. Wer denkt, dass es nur in Deutschland inzwischen gang und gäbe sei, sein Kind per Auto in die Schule zu bringen, der sollte einmal am frühen Nachmittag versuchen, per Bus oder Fahrrad an den großen Singapurer Schulen vorbeizufahren. Kilometerlange Staus bilden sich vor den Einfahrten, eigens dafür angestellte Parkwächter koordinieren das Chaos, denn jeder, der etwas auf sich hält, holt sein Kind natürlich mit dem eigenen Wagen ab (oder schickt den Fahrer oder die Maid mit dem Taxi). Per öffentlichem Bus oder gar zu Fuß ist praktisch niemand unterwegs. Höchstens noch der Schulbus ist okay, und auch die reihen sich zigfach hintereinander in die Warteschlange ein.

6. In Singapur wird ja wirklich vieles „von höchster Stelle“ geregelt und reguliert. Überall, wo man hingeht, gibt es einen Schilderwald mit Verhaltensregeln: sei freundlich, sei höflich, biete Deinen Sitzplatz an, sei leise, stehe auf der linken Seite der Rolltreppe, fahr nicht so schnell, nimm keine Durians im Bus mit, trockne Dir die Hände ab, … Alles äußerst höflich formuliert und in hübschen Bildern dargestellt. Und somit eindeutig erkennbar. Aber als wir zum ersten Mal das Schild „no pda“ gesehen haben, mussten wir doch erst einmal nachschauen: „no public display of affection“ – Küssen oder sonstige Intimitäten in der Öffentlichkeit sind also verboten.

7. Die Kinderbetreuung ist wirklich vom Staat ganz prima geregelt: es gibt für jedes Kind einen Ganztags-Betreuungsplatz, egal, für welches Alter, und natürlich sind auch die Kosten für eine Nanny halbwegs tragbar. Aber es gibt eben auch keine Elternzeit; Frauen bekommen nach der Geburt 16 Wochen frei, und so werden selbst 6 Monate alte Babys bereits für 12 Stunden täglich in die Betreuungseinrichtung gebracht oder der im Haushalt lebenden Nanny übergeben.
Väter bekommen immerhin zwei Wochen (!) bezahlte Elternzeit.
Schulkinder büffeln täglich bis abends, und werden dann samstags noch in den Extra-Englischunterricht oder zur Musikschule gebracht.
Die Diskussion, ob man als arbeitende Mutter eine Rabenmutter ist, oder ob ein Kind unter Vollzeit-Fremdbetreuung leidet, stellt sich in Asien offenbar nicht.

8. Zumindest „unser“ Kindergarten ist aber eben auch eine wirklich gute Einrichtung: der Betreuungsschlüssel liegt deutlich höher als in Deutschland, und das Engagement der Erzieherinnen ist sehr groß. So gibt es für Titus’s Gruppe z.B. alle 14 Tage einen Newsletter per Rundmail, in dem anhand vieler Fotos über die Aktivitäten der „starfish-class“ berichtet wird. Außerdem schreibt die Kindergärtnerin selbst spät abends noch Mails und erkundigt sich nach dem Befinden des Juniors, schickt Erinnerungen über besondere Aktivitäten oder über Schließtage…

9. Ich liebe englische Kinderbücher! Jeder Ausflug in die Bibliothek sind für mich eine Offenbarung: solche Massen an wunderbar lustigen, inhaltlich interessanten Kinderbüchern, die auch noch so toll gezeichnet sind, habe ich in Deutschland noch nie gesehen.
Meine heißesten Tipps sind:
– „Du iz tak?“ – eine Käfergeschichte in Käfersprache, und das funktioniert bestens! (gibts auch auf Deutsch)
– „A day at the animal airport“ – hier besucht die Koala-Familie per Flugzeug die Oma, die wohnt nämlich in Koala (!) Lumpur (gibts auch auf Deutsch)
– „The curious case of the missing mammoth“ – ein Besuch im Naturkundemuseum mitten in der Nacht, neben lustigen Wortspielen werden ganz nebenbei noch so viele Informationen liebevoll verpackt, toll! (leider noch nicht auf Deutsch erhältlich)

10. Und zu guter Letzt: als deutsche Frau entspricht man hier definitiv nicht dem Schönheitsideal. Die Asiatinnen sind natürlich alle furchtbar dünn und knabenhaft, dementsprechend ist auch die Mode, und die internationalen Ketten passen selbstverständlich ihre Größen für den asiatischen Markt an.
Außerdem achten die Damen hier sehr auf ihre Haut – kaum eine geht ohne dicken Sonnenschutz, „whitening creme“ und Sonnenschirm oder -hut raus. Oder am besten gar nicht an die frische Luft. Dementsprechend weiß und faltenfrei sehen die Ladys aus, und sind vom Alter her kaum zu schätzen. Graue Haare hat hier auch kaum jemand, und das asiatische, glatte Haar sieht immer perfekt gestylt aus – während sich bei den Westlern durch die Hitze und die Luftfeuchtigkeit fünf Minuten nach Verlassen der Wohnung der Pudeleffekt auf dem Kopf einstellt.

So, zwar habe ich auch im zweiten Monat wieder viel gesehen, gestaunt und gelernt, und doch gibt es immer noch viele offene Fragen:

1. Ich bin wirklich froh, dass ich so „klein“ bin, entspreche ich doch der Singapurer Durchschnittsgröße und finde problemlos Klamotten und Schuhe – aber was machen bitte alle über 1.70m?

2. Dass selbst die riesigen Luxus-Shoppingtempel nach Feng Shui-Prinzipien erbaut sind, fasziniert mich unheimlich. In Singapur wird diese Wissenschaft sehr ernst genommen, und so, wie die Geschäfte florieren, scheint es zu funktionieren. Nun frage ich mich: warum versucht keine der internationalen Ketten, die Läden in Europa dementsprechend umzubauen und einzurichten? Oder wird das schon längst so gemacht?

3. Auch wenn wir im Prinzip alles kaufen können, was wir brauchen, da sich jedes beliebige Produkt auch in Singapur finden lässt, schmecken manche Sachen einfach anders. Von Brot brauche ich gar nicht anzufangen, das nehmen wir erst einmal einfach hin.
Aber was zum Teufel ist hier mit den Äpfeln los? Die schmecken großteils eher so naja (und selbst mir als Apfel-Junkie fällt mein täglicher Apfelgenuss schwer), das erste selbstgekochte Apfelmus kippten wir direkt weg, und auch das gekaufte Mus aus dem Glas hat einen äußerst seltsamen Beigeschmack. Warum?

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