Monatsrückblick: Oktober 2017

Monatsrückblick: Oktober 2017

Die diversen Halloween-Partys haben wir gut überstanden.

The „spooky chef“

Und als ich gestern mit dem Radl zur Yogastunde unterwegs war, kreuzten Prince Charles und Camilla meinen Weg, als sie gerade nach der offiziellen Begrüßungszeremonie den Präsidentenpalast Istana verließen.

So endet der Oktober, wir leben nun schon drei Monate in Singapur und sind trotz mangelnder Herbststimmung immer noch sehr angetan von unserem neuen Zuhause.Zeit für den Monatsrückblick – das habe ich gelernt:

1. Die Singapurer sind Hygiene-Fanatiker. Bei den Kindergarten-Kindern wird jeweils morgens, mittags und nachmittags die Temperatur gemessen, bei kleinsten Erhöhungen heißt es sofort: abholen und zum Arzt. Überall hängen Hinweisschilder, wie das korrekte Händewaschen abzulaufen hat. Arbeitnehmer, die veschnupft ins Büro gehen, sind überhaupt nicht gerne gesehen. Jeder, der auch nur unter leichten Erkältungsbeschwerden leidet, möge bitte sofort nach Hause gehen und sich dort mindestens drei Tage auskurieren. Oder wenigstens einen Mundschutz tragen.
An Bushaltestellen hängen riesige Plakate der „F.I.G.H.T.“-Kampagne, die auf vermeintlich „coole“ Art darauf aufmerksam machen soll, wie man die Übertragung von Krankheitserregern vermeiden kann. Passend dazu gibt es natürlich auch Kinderbücher.

2. Gute Putzfrauen sind offenbar so rar wie auch in München. Zwar bin ich nun mit unserer zweiten Dame insgesamt zufrieden, doch leider spricht sie nicht wirklich gut Englisch, was die Kommunikation erschwert. Nachdem ich sie diese Woche darauf hingewiesen hatte, dass sie doch bitte verschiedene Putzlappen („different cloth“) für Küche/Bad/Rest der Wohnung benutzen solle, stellte ich später fest, dass sie tatsächlich andere Lappen als beim letzten Mal benutzt hatte – allerdings wieder genau einen für die gesamte Wohnung.

3. Akzeptieren müssen wir wohl auch, dass ein gewisses Maß an Ungeziefern zu einem Leben in den Tropen schlichtweg dazugehört. Bei meiner kleinem Umfrage stellte sich heraus, dass jeder (egal in welchem Stockwerk lebend) Kakerlaken bei sich zuhause hat – manche mehr, manche weniger. Auch Ameisen sind weit verbreitet, und so haben die vielen Kammerjäger-Firmen in der Stadt gut zu tun. Da ich zwar keine Angst vor Krabbeltieren habe, sie aber doch nach wie vor eklig finde, rüsten wir nun zum Kampf und ich habe eine große Bestellung an Giftsprays aufgegeben.

4. Der durch Studien belegte „honeymoon„, den wir als frischgebackene Expats gerade durchlaufen, hält dennoch nach wie vor an. Noch freuen wir uns, dass es hier im Gegensatz zu München immer noch sommerlich warm ist und vermissen weder Herbststimmung noch warme Kleidung oder die Umstellung auf Winterzeit. Die Weihnachtsdeko in den Straßen mutet zwar etwas seltsam an und ich bin noch unschlüssig, ob ich dieses Jahr überhaupt Plätzchen backen soll, aber eine Sehnsucht nach Deutschland empfinde ich überhaupt nicht. Mal schauen, wie sich das weiter entwickelt.

5. Zwar dachte ich bei den vielen Fotos von Herbstwanderungen in den Alpen, die mir die Lieben aus der Ferne regelmäßig schicken, schon hin und wieder mal: „Och, wie schön, so eine Bergtour!“, doch muss ich zugeben: Tauchen ist definitiv ein guter Ersatz für Berg-/Wintersport. Nach unserem Urlaub auf Tioman sind wir ganz schön „angefixt“ und suchen bereits die nächsten Tauch-Spots für unseren Weihnachtsurlaub aus.

6. Das Reisen von Singapur aus ist wirklich toll, immer neue Reiseziele werden plötzlich realistisch, weil sie so nah sind. Das einzige Manko: der Berg an Fremdwährung, den Norman von seinen Geschäfts- bzw. von unseren Urlaubsreisen nach Hause bringt, wächst und wächst. Inzwischen habe ich zumindest mal eine Art „Sortierung“ eingeführt, damit wir die ganzen malayischen Ringgit, indonesischen Rupien, australischen Dollars, thailändischen Baht und was da sonst noch alles dazukommen wird, nicht durcheinander bringen und für die nächste Reise griffbereit haben.

7. Zu den vielen Währungen, deren jeweiligen Umrechnungskurs ich mir nie merken kann, kommt der ständige Kontakt zu neuen Sprachen. Auf Tioman stellten wir plötzlich fest, dass wir einige Wörter aus Sumatra wiedererkennen. Internetsuchen ergaben, sowohl Malayen als auch Indonesier malaiisch sprechen (neben unzähligen Dialekten natürlich). Wusste ich vorher nicht!
Bei der Chorprobe gestern lernten wir ein Lied im Hokkien-Dialekt, von dem ich bislang auch noch kaum etwas gehört hatte – zum Glück hatten wir zwei Muttersprachler in der Gruppe, die uns geduldigst die Aussprache beibrachten.
Titus kann nun immerhin auf malaiisch zwei („dua“) Pfannkuchen bestellen, außerdem findet nachmittags im Kindergarten immer eine Spieleinheit auf Mandarin statt. Ich bin gespannt, wann er davon die ersten Wörter von sich gibt.

8. Morgens bietet sich mir auf dem Weg in Titus‘ Kindergarten immer ein nettes Bild – inzwischen kennt man sich in der Nachbarschaft, gegen 8:30 Uhr sind stets diesselben Menschen Richtung Büro, Schule oder Kindergarten unterwegs. Die Kinder und Jugendlichen sind allesamt adrett in ihre jeweiligen Schul-Uniformen gekleidet. Ich persönlich finde das ja ganz prima – morgens entfällt die lästige Klamottensuche, alle sehen einigermaßen gleich aus, egal mit welchem Budget der elterliche Haushalt ausgestattet ist, und die Kinder identifizieren sich so schnell mit ihrer jeweiligen Einrichtung (und sind auch außerhalb stets als deren Mitglied zu erkennen).
Mit einer einheimischen Nachbarin hatte ich kürzlich ein längeres Gespräch, und wir versuchten zu ergründen, warum in Deutschland Schuluniformen unüblich sind. Wir schlussfolgerten, dass die Individualität dort höher geschätzt wird, während in Singapur bereits Kinder zu einer gewissen Konformität in diesem Vielvölkerstaat erzogen werden.

9. Noch etwas, worüber ich beim morgendlichen Spaziergang gerne sinniere: sämtliche Hochhaus-Komplexe, in denen Wohnungen untergebracht sind, tragen Eigennamen. Man nennt also nicht die Straße, in der man wohnt, sondern das Stadtviertel und dazu noch den Namen des Condos, in unserem Fall „Lincoln Suites“ (und evtl. noch das nächstgelegene Einkaufszentrum dazu, das kennen Taxifahrer in jedem Fall).
Mir zaubern sehr oft diese Namen ein Lächeln ins Gesicht, denn die sind zum Teil sehr hochtrabend, schöngeistig oder oft auch einfach albern.

Meine Lieblinge:
– The Edge
– Newton Gems
– Park Infinia
– The Light (es gibt auch: The Lumos)
– The Beverly
– Holland Village / Spanish Village
– Charming Gardens / Tulip Garden / Waterfall Garden / Mayfair Garden / Wing on Life Garden…
– Casa Esperanza
– Cascadia
– The Legend
– The Equatorial
– Trilight
Ich könnte ewig weiter aufzählen!

10. Zu guter Letzt – das sind unsere neuen Lieblings-Kinderbücher in diesem Monat:
– „How to wash a wooly mammoth“ von Michelle Robinson (auch auf Deutsch erhältlich)
– „You must bring a hat“ von Simon Philip/Kate Kindley – so eine herrlich absurde Geschichte und so schön gezeichnet! (ebenfalls auf Deutsch erhältlich)
(Vor-)Lesen und dabei laut lachen!

Momentan schlage ich mir mit zwei Fragen herum:
1. Wohin mit ausgedienten Batterien?
2. Woher kriege ich in Singapur eine Professionelle Zahnreinigung (klar, Zahnärzte gibts en masse, Empfehlungen für diverse Praxen habe ich auch bereits in der Tasche, aber eine PZR nach deutschem Maßstab finde ich einfach nicht. Naja, notfalls vertage ich das Problem bis zu unserem Heimatbesuch im März).

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