Ausflug nach Indien

Ausflug nach Indien

Am Donnerstag morgen steige ich um kurz nach 10 Uhr aus dem Bus, der mich in nur gut 10 Minuten von unserem Zuhause nach Little India kutschiert hat.
In einem kleinen Gässchen hole ich in einem etwas schmuddeligen Lokal einen Eiskaffee, und erschrecke erst einmal ordentlich, als der Herr hinter der Theke den Becher mit Leitungswasser ausspült. Erst nach kurzem Luftholen fällt mir ein, dass wir in Singapur und nicht in Indien sind – die Gerüche hier in diesem Viertel der Stadt und die ganze Atmosphäre haben mich getäuscht.

Um 11 Uhr treffe ich mich mit Petra vor dem Indian Heritage Center; dort machen wir für schlappe 6$ eine gut einstündige Führung durch das brandneue Museum. Geführt werden wir von Oleava, einer russischen Dame, die mit einem Chinesen verheiratet ist, in Singapur lebt und dort als Mitglied der „Friends of the Museums“ ehrenamtlich Führungen durch die indische Kultur macht. Mehr Multi-Kulti geht wohl nicht.
Das Museum ist architektonisch interessant gebaut, orientiert es sich doch an den traditionellen indischen Stufenbrunnen. Innen geht es im obersten Stockwerk zunächst um die Verbindungen zwischen Indien und Südoastasien in den vergangenen 2.000 Jahren. Die ausgestellten Stein-Figuren und Exponate sind etwas fad, ein wenig wirr scheint die Zusammenstellung zu sein. Interessanter wird es erst, als wir zum Kapitel 18.-20. Jahrhundert kommen. Hier drängen schließlich immer mehr indische Einwanderer ins ebenfalls englisch beherrschte Singapur, machen Karriere, holen Frauen und Familien nach und werden zuhaus heimisch hier – bleiben aber fast 200 Jahre lang praktisch völlig unter sich.
Erst Mitte des 20. Jahrhunderts, nach Weltkriegen, indischer Unabhängigkeit und dem Erwachen der Demokratie in Asien, engagiert sich die indische Community plötzlich verstärkt in Politik und Gemeinwohl und ist bis heute mit über 7.5 % Bevölkerungsanteil und Tamil als offizieller Staatssprache gehörig wichtig im Stadtstaat.

Die Stunde vergeht jedenfalls wie im Flug, und viel zu schnell stehen wir wieder auf der Straße – mitten im großen Basar. Wir drängen uns durch die Reihen der Stände, sind überwältigt vom Glitzer, Tand und Geruch der Räucherstäbchen. Überall wird dekoriert und verschönert, es gibt Feuerwerk und Wunderkerzen zuhauf, denn Deepavali als nächster großer Feiertag am 18. Oktober steht vor der Tür. Dadurch, dass hier so viele verschiedene Kultur zusammenleben, gibt es immer irgendeinen Feiertag zu begehen…

Petra und mir knurrt aber der Magen, wir sind noch nicht in Shoppinglaune, sondern kehren erst einmal zu Komala Vilasein. Das kleine Lokal brummt, wir müssen tatsächlich auf einen freien Tisch warten, doch als dann endlich ein großes Masala Dosa mit verschiedenen Currys vor uns steht, ist die Welt wieder in Ordnung.
Gestärkt schlendern wir im Anschluss noch durch das Tekka Centre – unten ist ein großer Food Court und wet market, beides riecht sehr streng und erinnert mich schwer an Indien, doch im ersten Stock erstrecken sich hunderte von Bekleidungsgeschäften. Und alle führen rein indische Mode, also Saris und Salwar Kameez, soweit das Auge reicht. Dazu riecht es aus dieser unvermeidlichen Mischung aus Räucherstäbchen und Mottenkugeln…

Wunderschöne Stoffe, aufdringliche Verkäufer, zig kleine Schneidereien und Läden mit Kurzwaren, glitzernde Armreifen und Ohrringe – es ist herrlich! Und wenn wir nicht beide nach Hause müssten, um die jeweiligen Kinder zu versorgen, würden wir spätestens jetzt in den Shoppingrausch verfallen. Doch das holen wir nach, nehmen wir uns fest vor.

Ich komme gerade rechtzeitig um 15 Uhr in den Kindergarten, um Titus abzuholen, und stehe 10 Minuten später schon mit ihm am Pool. Denn wir sind wir wieder mal mit Lieblingsfreundin Gabi verabredet, deren Nanny extra für die Kinder Pancakes in rauhen Mengen gebacken hat und diese im Picknickkorb an den Pool schleppt.

Danach toben, rennen, kreischen und planschen die beiden Knirpse und rufen sich gegenseitig Fantasiewörter zu, um sich danach kaputtzulachen. Zwischendurch singen wir englische Kinderlieder, in denen Titus erstaunlich textsicher ist – der Kindergartenbesuch scheint zu wirken!

Um 18 Uhr kriege ich meinen Junior dann endlich dazu, nach Hause zu gehen. Schnell schiebe ich Tiefkühl-Dumplings in den Dampfgarer und stecke das Kind ins Bett.
Denn der erste Besuch in unserer Wohnung hat sich für heute angekündigt: Normans Kollegen Laura und Eli planen einen Afrika-Urlaub und wollen sich ein paar Tipps abholen. Und wir verbringen einen vergnüglichen (und langen) Abend bei 28 Grad auf dem Balkon, leeren ein paar Fläschchen kostbaren Weißwein und haben uns viel zu erzählen.

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