Aus der (Urlaubs-)Traum

Aus der (Urlaubs-)Traum

Den Samstag vormittag verbringen wir gemütlich am Strand – ein letztes Mal Staudamm und Murmelbahn bauen, ein letztes Mal schnorcheln und bei den Clownfischen vorbeischwimmen. Viel zu schnell ist die Zeit gekommen, die Koffer zu packen.
Wir bekommen noch ein Mittagessen serviert, und Titus verputzt zwei seiner geliebten Pancakes mit Sirup und dann noch mehr als die Hälfte unseres „Fried rice“ (wo er doch bisher sämtlichen Reis verachtet und nie angerührt hat…).
Herzlich verabschieden wir uns vom Hotel-Team, und Titus marschiert an der Hand von Anna zum Pier, wo das kleine Boot schon mit unserem Gepäck beladen auf uns wartet. Die 15minütige Bootsfahrt nach Genting vergeht wie im Flug, wir winken lange und betrachten noch einmal versonnen die schönen Strände, die dichtbewachsenen Hügel und die hohen Felsen der Insel. In Genting müssen wir nun warten, schlendern ein wenig durch den kleinen Ort, der von Tauchern aller Nationen geradezu übervölkert ist, essen ein Eis und stellen bald fest, dass unsere auf 14 Uhr erwartete Fähre offenbar verspätet ist. Es ist heiß und wir betrachten sehnsuchtsvoll das selbst am Hafen kristallklare, türkisfarbene Meerwasser unter uns. Erst weit nach 15 Uhr fährt die Fähre schwundvoll an den Pier, wir finden mühsam die letzten freien Plätze, und ehe wir sitzen, geht die Fahrt zurück aufs Festland schon los. Leider stehen wir bald wieder auf, denn die Klimaanlage bläst uns ungebremst 15 Grad kalte Luft ins Gesicht, und bald zittern wir trotz Pullis und gehen lieber ein wenig spazieren. Titus singt und plappert die gesamte Fahrt über, bis wir nach fast zwei Stunden endlich den Hafen von Tanjung Gemok erreichen.
Dort werden wir schon von unserem Fahrer mitsamt Kleinbus erwartet, müssen aber noch schnell eine Waffel am Imbissstand kaufen, da unser Kind mal wieder dem Hungertod nahe ist. Kaum hat er diese verspeist, schläft er im Auto ein und wacht während der gesamten Fahrt nicht mehr auf. Norman und ich haben so Zeit, in Ruhe zu quatschen und die Landschaft zu betrachten, denn die 160 km bis zur Grenze ziehen sich. Die Sonne versinkt blutrot hinter den Palmöl-Plantagen, ein Gewitter zieht auf und ein großer Regenbogen spannt sich über den Palmwipfeln. Affenfamilien sitzen auf den Leitplanken, alle paar Kilometer warnen Straßenschilder vor kreuzenden Tapiren und Elefanten, doch die bleiben im Verborgenen.
Gegen 19:45 Uhr erreichen wir nach einem kurzen Fahrerwechsel endlich die trubelige Grenzstadt Jorong Bahru und das futuristisch anmutende Grenz-Terminal. Da wir diesmal im Kleinbus (und nicht im Privatauto) unterwegs sind, müssen wir aussteigen und zu Fuß zur Passkontrolle. Dort stehen wir auf malayischer Seite erst einmal eine Stunde an, während Titus auf Normans Arm langsam aufwacht und sehr irritiert von der Umgebung ist. Endlich sind die Pässe gestempelt, und wir dürfen wieder ins Auto steigen – leider nur für die gut 2 km über die große Brücke, die Malaysia mit Singapur verbindet. Drüben heißt es wieder: aussteigen und anstehen. Zwar haben wir Singapurer Ausweise, doch da Titus‘ Exemplar nicht maschinenlesbar ist, müssen wir uns in die ganz normale Kontrolle einreihen. Und dort stehen wir noch einmal gut eine Stunde lang.
Wie mühsam! An solche Grenzübergänge kann ich mich dunkel aus Kindheit und Jugend erinnern und schätze es nun umso mehr, dass wir innerhalb der EU diese ewigen Wartezeiten nicht mehr haben…
Bis wir dann unseren Fahrer gefunden haben und die restlichen 20 km bis zu unserer Wohnung hinter uns haben, ist es bereits nach 22 Uhr; die gesamte Heimreise hat über 9 Stunden gedauert. Für knapp 200 km Entfernung (plus Bootsfahrt) – wieder einmal die Bestätigung, dass Urlaubsreisen mit dem Auto zumindest für mich keine Option sind.
Da wir alle kein Abendessen hatten und Titus dank seines ausgiebigen Autoschlafs putzmunter ist, koche ich schnell eine Nudelsuppe und tische Brotzeit auf, wir packen die Koffer aus und liegen gegen 1 Uhr dann endlich alle im Bett.

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