12 von 12 im Oktober

12 von 12 im Oktober

Ehrlich gesagt, rast die Zeit an mir vorbei – dadurch, dass immer noch so viele neue Dinge auf mich einprasseln, sind die Tage so schnell vorbei, dass ich das Gefühl habe, die Tage in Singapur sind kürzer. Und so ist heute tatsächlich schon wieder der 12. des Monats und ich verrate meinen Tagesablauf anhand von 12 Fotos (mehr dazu unter „Draußen nur Kännchen„).

Streng genommen beginnt mein 12. Oktober auf der Dachterrasse des Marina Bay Sands Hotels. Denn kurz nach Mitternacht stehe ich dort mit meinen zwei neuen Bekannten, Petra und Anna, und wir genießen den Ausblick über die beeindruckende Skyline Singapurs vom 57. Stockwerk des Hotels bei lauen 28 Grad und trinken dabei ganz stilecht „Singapore Slings“.

In Singapur ist mittwochs in fast allen Clubs und Bars der Stadt „Ladies Night“ und es gibt zig Vergünstigungen für die Damenwelt. Also haben wir uns ins Kleine Schwarze und die hochhackigen Schuhe gezwängt und bekommen in der „Cé la vi“-Bar neben freiem Eintritt auch ein Gratisgetränk. Sehr berauscht sowohl von den Cocktails als auch von dem lustigen Abend steigen wir gegen halb zwei ins Taxi – und es stellt sich heraus, dass unser ältlicher Fahrer nicht nur unfassbar schlecht hört, sondern leider auch zum Lesen der Adresse auf dem Handy, das wir ihm schließlich unter die Nase halten, eine Lupe herausholt, um überhaupt etwas zu erkennen. Das hält ihn aber beides nicht davon ab, mit Affenzahn durch die wenigstens halbwegs freien Straßen zu heizen – ich bin froh, dass ich als erstes aussteigen darf.

Nach nur gut 5 Stunden Schlaf stehe ich wieder auf und bereite Frühstück – heute drinnen, denn draußen schüttet es und der Himmel ist durchweg grau.

Titus freut sich tatsächlich immer darüber, wenn er seinen Schirm nehmen darf, und so patscht er in Sandalen freudig durch die riesigen Pfützen und läuft gut gelaunt im Kindergarten ein.

Zuhause „arbeite“ ich ein Stündchen, der neue Veranstaltungskalender für das Impulse-Magazin muss Ende nächster Woche abgegeben werden, und so stöbere ich auf sämtlichen Spielplänen der Stadt herum.

Kurz werde ich von Biu unterbrochen, die sich als neue Putzfee vorstellt – leider bin ich mit unserer wirklich reizenden Inderin nicht 100%ig zufrieden. Wahrscheinlich sind wir einfach durch unsere Münchner Putzfeen dermaßen verwöhnt, dass danach keiner eine Chance hat, denn die Mädels waren dermaßen gründlich, zuverlässig, lieb, professionell, schnell und dazu noch bezahlbar, dass da wohl kaum jemand mithalten kann. Trotzdem habe ich einen Aufruf über eine der tollen Facebook-Gruppen („Novena mothers group“) gestartet, und wurde mit einigen guten Tipps und Handynummern versorgt. Thailänderin Bui jedenfalls macht einen sympathischen und kompetenten Eindruck und kann ggf. nächste Woche mal anfangen bei uns…

Bevor mich danach die Müdigkeit übermannt, raffe ich mich gegen 10 Uhr auf und fahre mit dem Bus nach Kampong Glam. Dieses Stadtviertel ist fest in arabischer Hand, deutlich erkennbar durch die riesige Sultan-Moschee. Da ich offenbar mit langem Rock und T-Shirt züchtig genug gekleidet bin, darf ich sogar hinein und bewundere die schöne Dekoration im Innenraum – und direkt daneben die Handyladestation für die Gläubigen. Wie praktisch!

Anschließend schlendere ich ein Stündchen durch die engen Sträßchen des Viertels, stöbere durch Souvenirläden, bewundere die allgegenwärtigen „echten“ Pashmina-Schals zu Spottpreisen, staune über die schicken Cafés, Bars und Restaurants. In der gerade erst erwachenden Haji Lane reiht sich ein ultramoderner Design-Laden/Friseur/Bio-Coffeeshop an den anderen, dazwischen gibt es Galerien, Yogastudios, Fahrradläden voller Retro-Bikes, kurz: die ganze Ecke hier ist ein Hipster-Wunderland!

In der schwedisch angehauchten „Konditori„-Bäckerei hole ich mir Cappuccino und ein sensationelles Croissant, plaudere danach nett mit der Galeristin Sandra Macheroux und verliebe mich in ihre wunderbaren Bilder, und plane fest ein, spätestens am Wochenende meine beiden Männer hier her zu schleppen.

Da ich immer noch ein bisschen die kurze Nacht spüre, schicke ich mich mitsamt dem inneren Schweinehund zu Hause für eine Stunde aufs Laufband – das tut erstaunlich gut und danach (und einer Dusche und einem dringend nötigen Mittagessen) fühle ich mich fit für das Kinder-Bespaßungsprogramm.
Titus kräht mir schon an der Tür des Kindergartens entgegen, dass er es heute dort wieder „gut“ fand – wahrscheinlich nervt ihn die immerwährende Fragerei. Daheim spielen wir dann ausgiebig und bauen den Münchner Olympiaturm nach, singen stundenlang Kinderlieder und ich darf sogar ein Power-Nappy auf dem Sofa machen, während Titus sich noch mehr Lieder anhört.

Wie immer habe ich einen fleißigen Küchen-Assistenten, der ziemlich klare Anweisungen gibt („Du musst die Zucchini noch waschen!“) und der anschließend mit Begeisterung Couscous und Kichererbsen verputzt.

Schon klingelt es, Babysitterin Jiexi ist wie immer überpünktlich, und während die beiden die Funktionsweise der neuen Bandolinos ergründen, packe ich schnell meine Sachen zusammen und eile ins Erdgeschoss.

In der Hofeinfahrt erwartet mich schon meine liebe Mitsängerin Sindy und bringt mich mit ihrem Auto durch den fiesen Feierabendverkehr und vor allem durch den noch fieseren Dauerregen zur Probe unseres Kammerchors. Leider sind wir heute ziemlich dezimiert, durch Ferien/Erkältungen/Verspätungen, so dass sich der Sopran nur zu dritt und die Bässe zu zweit durch Bachs Kantate 191 kämpfen darf.

Unser Dirigent Alan ist immerhin so dankbar für unser zusätzlich Chor-Engagement, dass er sogar ein wenig früher aufhört – und dank erneuter Mitfahrgelegenheit bin ich schon um kurz nach 22 Uhr wieder zuhause.
Da ich heute mit Brille unterwegs bin, beschlägt diese jedesmal, wenn ich einen klimatisierten Raum (wie z.B. das Auto) verlasse und nach draußen gehe; die Luftfeuchtigkeit gepaart mit der Wärme ist wirklich ein Ärgernis für jeden Brillenträger!

Da das Kind tief und fest schläft, Norman mit Kollegen aus ist und Jiexi flugs nach Hause eilt, nutze ich den restlichen Abend und tippe schnell mein „Protokoll“ in den PC, während draußen der Gewitterdonner ohrenbetäubend grollt.
Wie war Euer Tag?

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