Wocheneinkauf auf "unserem" Wet Market

Wocheneinkauf auf "unserem" Wet Market

Nach unserem neuerworbenen Wissen sind Titus und ich am Freitag sehr motiviert und wollen auch auf den Wet Market in unserem Viertel gehen.
Doch zuerst müssen wir nochmal zum Arzt – nach ausgiebiger Begutachtung bekommen wir das ersehnte Gesund-Attest und das Kind darf ab Montag wieder in den Kindergarten.

Mit dem Laufrad machen wir uns nun auf den Weg zum gut 1 Kilometer entfernten Pek Kio Market. Der Weg scheint nicht allzu weit zu sein, doch wir brauchen fast eineinhalb Stunden dafür – so viel interessante Dinge gibt es unterwegs zu sehen: ein Koi-Karpfen-Becken und einen Tempel entdecken wir, urplötzlich geht trotz Sonne ein heftiger Schauer auf uns nieder und wir müssen uns unterstellen (und Kekse essen), dann ist natürlich die Wegführung in Singapur niemals für Fußgänger, sondern immer nur für Autofahrer gemacht, und zweimal müssen wir umdrehen und ein ganzes Stück zurücklaufen, da wir nicht über die 6spurige Straße kommen… Ich bin jedenfalls schon ziemlich erledigt, als wir um 11 Uhr endlich am Markt ankommen.

Dieser ist zwar deutlich kleiner als die Variante gestern, doch auch hier ist ganz schön was los. Im Gegensatz zum Geylang Serai Market sind hier vor allem Chinesen unterwegs – und wir weit und breit die einzigen „ang mo„.

 Doch auch in dieser Markthalle guckt keiner komisch, ganz im Gegenteil werden wir zuerst bei der Obstfrau, dann am Gemüsestand äußerst freundlich bedient. Titus hält bald beide Hände voller geschenkter Tomaten vor sich, unser Einkaufswägelchen füllt sich zunehmend.
An einem Stand gibt es Unmengen selbstgemachter, frischer Nudeln und frischen Tempeh, und ich kaufe jeweils knapp ein Kilo davon. Die Verkäuferin dort gibt mir noch Zubereitungs- und Lagerungstipps, und ich glaube, mich verhört zu haben, als mir der Preis dafür genannt wird: 2.50 S$ will sie dafür haben, also umgerechnet etwa 1.50 Euro! Auch für den Rest unseres wirklich beachtlichen Großeinkaufes zahlen wir insgesamt etwa eine Drittel des Supermarkt-Preises, und bekommen (abgesehen von den obligatorischen Plastiktüten, die aber als Müllbeutel wiederverwertet werden) wirklich frische, unabgepackte Ware. Ein kleiner Bäcker ist auch noch nebenan, ein Vollkornbaguette gibt es hier für 2 S$, und ein Eckchen zum Probieren für Titus noch gratis dazu.
Der winzige, vollgestopfte Billigsupermarkt im nächsten Gang versorgt uns mit Konserveren und Waschmittel zum Spottpreis. Im noch kleineren Haushaltswarenladen nebenan suche ich auf Geheiß meiner indischen Putzfee nach einem Staubwedel. Ich werde nicht auf Anhieb fündig, und da ich mir in Singapur angewöhnt habe, immer sofort nachzufragen, stehe ich vor dem Verkäufer und frage nach einem „feather duster“ (danke an LEO an dieser Stelle!). Der schaut mich nur fragend an, offenbar spircht der Gute nur Chinesisch. Also versuche ich pantomimisch die Tätigkeit des Staubwischens darzustellen. Er nickt begeistert, wedelt ebenso vor sich hin und zeigt mir dann stolz sein Besen-Sortiment. Erneut gestikuliere ich wie wild, während Titus mich leicht verstört von der Seite anschaut, und endlich kapiert der Verkäufer. Kurz darauf packe ich den Staubwedel noch oben auf die eh schon volle Einkaufstasche.

Die Busfahrt wird mit Kind, Laufrad und Hackenporsche eine Nervenprobe, doch mehrere mitreisende Herren kümmern sich vorbildlich um ersteres und zweiteres, und so kommen alle Beteiligten heil zuhause an.

Ein fauler Nachmittag am Pool folgt, bevor wir abends um 19 Uhr wie so oft am Freitag Norman vom Büro abholen. Titus findet den Weg jedenfalls praktisch von alleine, und ruft Norman schon vom weitem entgegen, dass er bitte in den „Hoaker“ (=hawker) gehen möchte.
Dort gibt es indische Dosas und gebratene Nudeln, und Titus schäkert so erfolgreich mit dem Herren am Imbissstand, dass er als Vorspeise noch ein Papadam abgreifen darf.

Leider ist es nicht wirklich gemütlich heute, denn draußen wird eine Art „Oktoberfest“ zelebriert, und eine Band spielt ohrenbetäubend laut (und unfassbar schlecht) ihre etwas bizarr interpretierten Versionen von „Ein Prosit“ und „In München steht ein Hofbräuhaus“. Zu essen gibt es natürlich das Singapurer Nationalessen, nämlich gebratene Satay-Spieße, immerhin wird Erdinger Bier ausgeschenkt, das Ganze bei gut 30 Grad abends um 20 Uhr und umgeben von den Hochhäusern des Financial Districts.

Norman und ich prosten uns lieber mit einheimischem Tiger-Bier zu und verlassen lieber schnell dieses Fest.

Zuhause entdecke ich, dass unser Gecko nicht nur in unserer Küche wohnt, sondern diese offenbar auch als Klo benutzt. Jetzt weiß ich nicht, ob ich ihn weiterhin toll finde (weil er Mücken und anderes Ungeziefer frisst) oder ob ich ihn lieber loswerden möchte…
Als ich spät abends noch meine Mails checke, finde ich dort eine Mail von Ms. Pooja, Titus‘ Kindergärtnerin, gesendet um 20:30 Uhr am Freitag abend. Darin erkundigt sie sich sehr nett nach Titus‘ Befinden und fragt, ob er wohl am Montag wieder in den Kindergarten kommen könne. Das finde ich natürlich sehr nett und umsorgend, andererseits finde ich es etwas befremdlich, dass sie mich in allen Mails und auch in der direkten Anrede morgens und nachmittags konsequent immer nur mit „mummy“ anspricht. Ohne Namen dazu, einfach nur „Hello, mummy!“ Als ob ich keinen eigenen Namen hätte…

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