Verrenkungen und Möbelkauf

Verrenkungen und Möbelkauf

Heute schwinge ich mich um kurz nach halb zehn frohgemut und wagemutig aufs Fahrrad, denn ich will zum Yoga. Zuerst einmal muss ich mich durch dichte Rauchwolken und bestialischen Gestank quälen. Immer donnerstags ist nämlich sowohl auf unserem Gelände als auch bei allen anderen Condos in der Nachbarschaft die wöchentliche „pest control“.
Dabei wird stinkender Qualm und sicher auch irgendetwas Giftiges auf sämtlichen Außenanlagen verteilt, in Regenrinnen eingespeist und in Gullylöcher gesprüht. Das Ganze dient zur Insektenvernichtung, denn immerhin liegt Singapur mitten in den Tropen. Und trotzdem ist der Staat seit Jahren Dengue- und Malariamückenfrei und auch die sonstige Krabbeltier-Dichte hält sich in Grenzen. Aber dazu muss eben wöchentlich alles aufgeboten werden, was das Kammerjägerherz erfreut. Und ich fahre Fahrrad – mittendurch.
Egal, ich versuche meinen Geist bereits auf die Yogastunde einzustimmen und trete mit aller mir gebotenen Seelenruhe in die Pedale. Es geht durch den vierspurigen Kreisverkehr, und ich halte wie ein Vollprofi abwechseln die Hand links und rechts hinter mich und wedle, wie ich es mir abschaut habe, um den Autofahrern zu signaliseren, dass ich eben NICHT abbiegen will.
Ich bin nach kurzer Zeit schweißgebadet, das liegt sowohl an meiner Konzentriertheit als auch an der Außentemperatur. Zu allem Übel geht es noch steil den Cairnhill-Berg hinauf, bis ich endlich in die Orchard Road einbiege.

Als ich mein Fahrrad vor dem Centrepoint Einkaufszentrum abstelle (mitten auf dem Gehweg, einen Fahrradparkplatz gibt es natürlich nicht), erreicht mich eine WhatsApp des Yogastudios, in der mir der genaue Weg erklärt wird. Guter Service! Fünf Minuten später stehe ich vor der Filiale von RealYoga, hier darf ich heute eine Schnupperstunde machen.

Man nimmt mich in Empfang, führt mich einmal durch das sehr große Studio, und dann werde ich in die „Stretch-Yoga“-Stunde geschickt. Im sehr großen Übungsraum sitzen bald gut 40 Asiatinnen – und ich. Die Tür geht auf, und Yogalehrer Pravesh, ein kleiner, drahtiger Inder mit Modelgesicht wie aus einem Bollywoodfilm, betritt den Raum. Sofort wird es mucksmäuschenstill, als er alle begrüßt, und mit Adleraugen sofort mich als „Neuling“ ausmacht. Klar, bin ja auch die einzige Langnase hier. Die folgenden 90 Minuten wird gedehnt, gedreht und geächzt, dass es eine Wonne ist. Pravesh schafft es, durch zielgenauen Druck die Gelenke noch mehr knacken zu lassen und die Sehnen zu spannen. Am Ende der Stunde fühle ich mich, als sei ich 10 cm größer und hätte jeweils 20 cm längere Arme.
Kaum bin ich draußen, steht schon der Studiochef vor mir und drückt mir das zu erwartende Verkaufsgespräch auf. Mit großer Geste erklärt er sämtliche Tarifoptionen und spielt die überaus stolzen Preis elegant herunter. Als ich nach 20 Minuten überlege, wie ich höflich mit der Bitte um Bedenkzeit entkommen kann, drückt er mir die Papiere in die Hand und sagt: „Surely you have to talked to your husband first.“ und entlässt mich. Ich bin so verdutzt, dass ich versucht bin, zu rufen: „Moment mal, ich kann gut für mcih alleine entscheiden und schließe sofort einen Zweijahresvertrag für 2.500 S$ ab!“, kann mir den falschen Stolz aber gerade noch so verkneifen.
Einen kurzen Abstecher beim H&M (bei dem ich staunend die Winterkollektion mit Mützen, Schals und Rollkragenpullis bewundere, aber immerhin für Titus zig neue kurze Hosen erstehe) und der 20minütigen Radltour nach Hause bin ich total erledigt. Und wieder kommt eine WhatsApp vom Yogastudio: ich sollte deutlich mehr Wasser trinken. Nun gut, gesagt, getan.
Am Nachmittag haben Titus und ich einen großen Ausflug vor uns. Wir fahren mit dem Bus quer durch die Stadt (und zählen an sämtlichen verfügbaren Fingern die Haltestellen ab) bis zur großen Ikea-Filiale in der Alexandra Road. 
Dort stöbern wir ein Stündchen herum, und treffen dann um 19 Uhr Norman im Restaurant. Die vegetarischen Köttbullar hier werden in einer dermaßen scharfen, koreanischen Sauce serviert, dass wir alle nach Luft schnappen. Da Titus sich eh schon langweilt, können wir ihn überreden, ins Kinderland zu gehen. Mit einem zweiseitig beschriebenen Einkaufszettel ziehen Norman und ich frohgemut los, lassen die Schlafzimmerabteilung hinter uns und fangen gerade bei den Regalen an zu überlegen, welches ins Esszimmer passen würde, als schon das Handy klingt – das Kind möchte abgeholt werden. Nach zehn Minuten.
In den folgenden zwei Stunden wird sehr viel gequengelt und genölt, doch es hilft nichts, wir müssen am besten auf einmal alles Nötige kaufen, denn in Ermangelung eines Autos müssen wir den gar nicht mal so billigen Lieferservice in Anspruch nehmen. Bepackt mit vier (!) vollen Einkaufswagen stehen wir dann um 21:30 Uhr endlich an der Kasse, und während Norman noch versucht, den letzten fehlenden Schreibtisch aufzutreiben, veranstalte ich mit Titus ein Wettrennen um die Einkaufswägen und hole schon mal Kekse und Eis zur Aufhellung der gereizten Stimmung.

Am Schalter des Lieferservices muss natürlich erst einmal eine Wartenummer gezogen werden (obwohl überhaupt niemand außer uns wartet), aber Ordnung muss sein. Die Diskussion über Liefertermin und das Ausfüllen der diversen Formulare dauert. Immerhin wird in Singapur auch sonntags ausgeliefert, wir müssen also nur drei Tage warten.
Um 22:05 Uhr, fünf Minuten nach Ladenschluss, verlassen wir das Geschäft mit zig Tüten voller Kleinkram. Der bestellte Uber-Fahrer lacht nur, bei einer Abholung beim schwedischen Möbelhaus ist mit solch bepackten Fahrgästen wohl zu rechnen. Netterweise hilft er uns daheim sogar noch beim Ausladen. Um 23 Uhr ist das Kind dann endlich im Bett – was für Rabeneltern wir doch manchmal sind, oder…
Leider sind sowohl Schreibtisch als auch Abstellkammerregale momentan nicht auf Lager, d.h. wir müssen demnächst noch einmal 

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