Unser Balkon soll grüner werden!

Unser Balkon soll grüner werden!

Als ich heute morgen gegen halb zehn mit dem Radl durch den vierspurigen Newton-Kreisverkehr radle, fährt ein Auto langsam neben mir. Der Fahrer lässt die Scheibe herunter, und ich denke, jetzt motzt er gleich wegen irgendetwas. Doch nein, er ruft mir zu: „You should wear a hat – it’s too hot!“, grüßt freundlich und fährt weiter.
Und er hat recht: bis ich im 5 km entfernten Bukit Timah ankomme, ist mir ganz schön warm. Doch trotzdem genieße ich die Fahrradtour, so bin ich unabhängig, kann mir ein bisschen die Gegenden anschauen und muss natürlich immer wachsam sein wie ein Luchs, um nicht vom Bus überfahren zu werden oder von den Autos, die mich mit knappstem Abstand überholen, gestreift zu werden.

Heute Vormittag hat sich die Sopran-Stimmgruppe des Chores zu einer privaten Registerprobe verabredet, und diese findet in einer Wohnung im hübschen Hillcrest-Condo statt. In diesem großen Wohnkomplex sind praktisch nur Europäer zuhause, ich sehe – außer der Maid und der Pförtnerin natürlich – kein einziges asiatisches Gesicht. Bald sitzen 30 Damen bei Inga im Wohnzimmer und proben fröhlich, während in der Küche nebenan die Maid das Mittagessen zubereitet.
Sehr interessant wird es in der Probe, wenn zig Nicht-Muttersprachlerinnen aus aller Herren Länder versuchen, ein Musikstück zu erarbeiten und alle gemeinsam wegen des nicht vorhandenen musikalische Fach-Jargons herumdrucksen und wilde Wortkreationen erschaffen. Die einzige Amerikanerin der Truppe muss jedenfalls ziemlich oft aushelfen!
Außerdem gibt es zwar ein E-Piano, aber so richtig spielen kann niemand darauf, und am Ende sitze ich dort und hangle mich durch Vivaldis „Gloria“…

Nach der Probe treffe ich daheim auf zwei werkelnde Männer, Norman bohrt Garderobe an und Titus hilft fleißig mit. Währenddessen versuchen wir, ein bisschen über die vergangene Woche zu plaudern, doch Titus krakeelt immerzu dazwischen – da er im Kindergarten tagsüber schweigt, scheint er nachmittags und am Wochenende ein immenses Mitteilungsbedürfnis zu haben.

Nach dem Mittagessen fahren wir mit dem Bus Richtung MacRitchie-Reservoir. Hier, entlang der Thomson Road, reiht sich eine große Gärtnerei an die andere. Wir begeben uns in die nächstbeste und suchen mit Begeisterung endlich Pflanzen für unsere(n) Balkon(e) aus. Herrlich, wie üppig die Flora in den Tropen wächst und welche Auswahl wir haben: schnell finden wir einen großen Frangipani-Baum, dazu noch zig meterhohe Grünpflanzen  und Strelitzien, außerdem einen kleinen Limettenbaum und diverse Kräuter.

Außerdem brauchen wir natürlich noch Kästen und Blumentöpfe, einen Einpflanz- und einen Lieferservice – alles kein Problem. Und am erstaunlichsten ist wohl, dass der endgültige Preis für alles zusammen wirklich sehr günstig ist – wenigstens etwas, das in Singapur erschwinglich zu sein scheint.

Unseren Samstag-Nachmittags-Kaffeeklatsch halten wir heute am Pool ab und hüpfen danach ins erfrischende Nass.

Selbst Titus lässt sich nach einiger Zeit überreden, ins anfangs kühle Wasser zu kommen und als ich das nächste Mal auf die Uhr schaue, ist es schon kurz vor 18 Uhr. Am Outdoor-Grill und der großen Freiluftküche gleich neben dem Pool ist eine große Party im Gang, es gibt Unmengen zu essen und die Grilldüfte erinnern mich daran, dass ich sehr hungrig bin!

Also schwingen wir uns wieder auf die Fahrräder und fahren mitten im größten, samstäglichen Shoppingtrubel durch die Orchard Road – außer uns kommt niemand sonst auf eine solche Idee! Im Einkaufszentrum WismaAtria kehren wir ins Restaurant „Picnic“ ein. Dieses ist mit Spielecke und vielen Essensständen (die an Food Trucks erinnern) ausgestattete Lokal ist sehr kindertauglich, denn es gibt ein Bällebad und Pizza. Ein wenig nervig ist aber die Selbstbedienung, für jedes Essen muss man an einen Extra-Stand gehen und bekommt dann einen Piepser, der klingelt, sobald das Essen fertig ist und abgeholt werden kann. Die erste halbe Stunde bin ich nur am Herumrennen, bis alle Beteiligten mit Essen und Getränken versorgt sind.

Für die Heimfahrt wählen wir eine etwas verkehrsberuhigtere Route aus; unser Wachmann am Eingangstor grüßt freundlich, inzwischen kennt er uns, denn mit dem Radl fährt zumindest in unserem Hochhaus keiner außer uns…

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