Monatsrückblick: August 2017

Monatsrückblick: August 2017

Es ist soweit – mein erster Monatsrückblick steht an! Vor 32 Tagen sind wir von München aus ins Abenteuer „Singapur“ gestartet, und der Monat August war natürlich voller neuer Eindrücke, Erkenntnisse und der Aufgabe, sich im neuen Alltag zurechtzufinden.
Ich habe mir nun vorgenommen, jeden Monat zehn Dinge aufzuschreiben, die ich gelernt habe. Und dazu noch jeweils drei offene Fragen, dich ich für mich im folgenden Monat klären will. Los geht’s!
Was ich im ersten Monat in Singapur gelernt habe:
1. Ein Bankkonto zu eröffnen, ist gar nicht so einfach, wenn man zum einen kein eigenes Einkommen und zum zweiten keinen vollwertigen Aufenthaltstatus hat und man zum dritten damit auf ein recht striktes Verwaltungswesen trifft.
2. Für mich als immer sehr „selbstständige“ Person ist es manchmal ganz schön schwer zu schlucken, wenn für alle offiziellen Belange (siehe Punkt 1) immer die Unterschrift des Ehemanns dazuverlangt wird und ich dazu noch momentan finanziell sehr abhängig von ihm bin. Mein Selbstbild wankt da schon gewaltig, ich bin immer hin- und hergerissen zwischen: „Oh mein Gott, wie bescheuert, ich muss mir sofort einen Job suchen und was für meine Karriere tun“ und „Wow, was für ein Luxus!“
3. Wenn ich neu in einer Stadt bin, suche ich mir zuallererst einen Chor. Das hat in Augsburg, München und Bern funktioniert, und in Singapur ebenso. Eine fast 30jährige Chorerfahrung hilft da natürlich, bereits nach den ersten Minuten der ersten Chorprobe stellte sich eine Art „Heimkommen-Gefühl“ ein, denn Singen und gemeinsames Musizieren überhaupt klappt in allen Sprachen. Und: Musik verbindet, schnell ergeben sich nette Bekanntschaften, denn mit einem gemeinsamen Hobby als ersten Anknüpfungspunkt ist schon die erste Hürde genommen.
4. So aufgeräumt, ordentlich und hochtechnisiert Singapur auch sein mag: in Sachen „Körperfunktionen“ gilt hier das asiatische Prinzip: „Kein Grund, sich zu schämen, hört her, wie wunderbar mein Körper ist.“ Das gilt für Rülpsen und lautstarkes Nase-Hochziehen oder Ausspucken in der Öffentlichkeit, aber auch genauso für weithin hörbares Pupsen in der Chorprobe.
5. Klischeehaft, und doch wahr: die liebste Beschäftigung der Singapurer ist „queueing, shopping and eating“ (also Anstehen, Einkaufen und Essen). Ersteres führt meist unweigerlich zu zweitem oder dritten. Noch niemals vorher habe ich soviele Einkaufszentren gesehen, von Billigtand aus China bis hin zu Luxusartikeln gibt es schlichtweg alles, und nicht nur in einer bestimmten Straße, sondern in jedem einzelnen Stadtviertel gleich mehrfach.
Gekocht wird hier offenbar auch eher selten, so voll, wie die Food courts und Hawker Centers zu jeder Minute des Tages sind. Warum auch kochen, wenn man hier für sehr wenig Geld aus allen nur erdenklichen Speisen auswählen kann?!
6. Die „alle nur erdenklichen Speisen“ sind wörtlich zu nehmen: es gibt nichts, was es nicht gibt. Von guten Brezen beim deutschen Bäcker hin zu fantastischen Croissants in der Boulangerie über Koreanisches BBQ zu Sushi, chinesischem Hot Pot, Thai-Küche, süd- und nordindischen Spezialitäten, Tapas, Pizza,  vietnamesischen Sommerrollen bis hin zu eher seltsam anmutenden Speisen wie „frog pie“, „pigs tail soup“ oder „juice with cheese“ findet sich immer, zu jeder Uhrzeit und für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas passendes. Alles immer in top Qualität, und hygienisch völlig unbedenklich. Jeder noch so kleine Essensstand wird von der zuständigen Behörde zertifiziert und klassifiziert (nach verschiedenen „Hygiene-Standards). Diese Info kann dann über eine kostenlose App eingesehen werden, die wirklich alle in der Stadt vorhandenen Cafés, Restaurants, Stände, Bratküchen, Eisdielen etc. auflistet.
7. Die wichtigste Regel beim Essen gehen: eine Packung Feuchttücher oder eine Visitenkarte auf dem Tisch bedeutet: „Das ist meiner.“ Und das wird auch so akzeptiert. Wie praktisch!
8. Für einen „Ausländer“ ist Singapur die praktischste Stadt Asiens – denn hier fallen wir nicht auf, wenn wir draußen unterwegs sind. So viele verschiedene Nationen bevölkern diesen kleinen Stadtstaat auf engstem Raum, dass hier eine europäische Familie mehr oder weniger nicht ins Gewicht. Dass hier Englisch eine der vielen Amtssprachen ist, macht das Ankommen natürlich besonders leicht. An „Singlish“ muss ich mich allerdings noch ein bisschen gewöhnen, aber dass man statt „Ja“ hier einfach „can“ und statt „Nein“ „cannot“ sagt, haben Norman und ich sofort verinnerlicht: „Kannst Du bitte heute noch die Gebühr für den Kindergarten überweisen?“ – „Can can!“
9. Auch wenn wir mit Englisch prima durchkommen, ist es wirklich erstaunlich, welch ein Aufwand vonnöten sein muss, um einen Staat mit gleich vier Amtssprachen zu verwalten. Allein der dadurch entstehende Schilderwald und die langatmigen Ansagen in der U-Bahn! Mandarin ist natürlich durch die große chinesische Bevölkerung die zweitwichtigte Sprache und wird in den internationalen Schulen und Kindergärten mit unterrichtet. Malayisch klingt so ein bisschen wie die Minion-Sprache, der einzige Satz, den ich sofort auswendig konnte, war: „Berhati-hati di ruang platform.“ oder auch: „Please mind the gap.“
10. Ein siamesischer Kampffisch heißt so, weil er wirklich agressiv ist. Auch wenn er nur 5 cm groß ist. Jedenfalls springt mich unser neues Haustier bei jeder Fütterung an und „beißt“ mir schier den Finger ab, und guckt den Rest des Tages grimmig aus dem Aquarium heraus. Einzelhaltung unbedingt notwendig, ansonsten bekämpfen sich die Viecher permanent. So ein Wissen muss man sich dann auch erst einmal anlesen!
Was ich noch nicht verstanden habe:
1. Gibt es wirklich Menschen, die gerne zum Nachtisch ein Stückchen Durian verspeisen? Inzwischen wurde uns nämlich gesagt, dass nicht nur der Geruch so ekelerregend sei, sondern sich auch die Konsistenz als eine Art Pudding mit Fasern drin vorstellen muss. So viele Früchte, die hier täglich an den Obstständen aufgestapelt werden, können doch unmöglich ernsthaft gegessen werden, oder?
2. Wann werden wir wie die Singapurer und bevorzugen lieber den Tisch drinnen im Restaurant, unter der auf 18 Grad eingestellten Klimaanlage, anstatt draußen bei lauschigen 27 Grad ein gutes Abendessen zu genießen? Wann genau wird uns der „Dauer-Sommer“ auf den Keks gehen? Und warum hat außer uns im 26stöckigen Hochhaus niemand Balkonmöbel draußen???
3. Gibt es eine Altkleidersammlung?

2 Replies to “Monatsrückblick: August 2017”

    1. Liebe Nitschi, stimmt, so ähnlich klingt das hier auch. Und vor allem in "Little India" überkommen mich regelmäßig lustige Erinnerungen an unsere Reise. Schon 6 Jahre ist das her, Wahnsinn!!!

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