Kunst-Freitag mit Museumsbesuch

Kunst-Freitag mit Museumsbesuch

Zunächst bin ich verärgert: am Montag nachmittag diese Woche erreicht mich eine Mail von Titus‘ Kindergärtnerin, in der sie mitteilt, dass ja am Freitag die jährliche „Kunstausstellung“ im  Kindergarten stattfindet. Diese kann gerne von 9:30 -11:30 Uhr besucht werden, Kindergarten entfällt aber und die Aufsichtspflicht liegt bei den Eltern.
Na toll, denke ich mir, einfach so muss ich mir für Freitag ein Beschäftigungsprogramm für Titus überlegen.
Zumindest haben wir dadurch morgens erst einmal keinen Stress. Denn da es am Vorabend durch Möbelkauf sehr spät ins Bett ging, schläft das Kind dementsprechend etwas länger, und wir puscheln bis halb zehn sehr gemütlich zuhause herum und verräumen den Ikea-Kram.
Im Kindergarten dann staune ich sehr: die „Kunstausstellung“ ist eine Art Aktions-Vormittag, mit zig Bastelstationen für die Kinder und Eltern, mit Spielecken, Getränkestand und sehr viel Trubel. Um die 100 Kindergarten-Kinder mitsamt Eltern, Großeltern und Nannys sind anwesend, dazu natürlich die Erzieherinnen und die ganze Verwaltung.
Der Vormittag vergeht wie im Flug, anhand eines Laufzettels „arbeiten“ wir sämtliche Stationen ab, und dazwischen habe ich genug Zeit, endlich einmal ausgiebig mit Ms. Pooja, Titus‘ Kindergärtnerin, zu plaudern.

Völlig begeistert und mit zig „Kunstwerken“ (Armbändern, Bildern, beklebten Steinen etc.) bepackt, absolvieren wir unseren Wocheneinkauf im Cold Storage. Dort jammert Titus unentwegt, wie sehr er friert, und daran ist nicht nur die Eiseskälte im Laden, sondern wohl auch ein neuer Schnupfenanfall schuld.
Deshalb gibt es zum „Aufwärmen“ eine warme „Pho“ (Nudelsuppe) beim Vietnamesen, und die Angestellten amüsieren sich könstlich über Titus‘ Begeisterung für Karotten, Gurken und frittierten Tofu. Das freut mich, denn zwei Stunden vorher hieß es noch im Kindergarten, dass Titus ja kaum etwas essen würde von den angebotenen Speisen…

Für den Nachmittag schlage ich diverse Aktivitäten vor: Spielplatz, Wanderung, Botanischer Garten, Museum. Zu meinem Erstaunen heißt es: „Auf Museum habe ich Lust.“ Nun gut, eine vergnügliche Busfahrt später stehen wir vor dem National Museum of Singapore.

Ich bezahle den stolzen Eintrittspreis von $15, und dann ist es erst einmal Zeit, dem Café einen Besuch abzustatten. Nach Capucchino, einer Kugel Eis und zwei Bilderbüchern, die dort praktischerweise ausliegen, sind wir gerüstet für Kunst und Kultur.
Zuerst einmal besuchen wir die aktuelle Sonderausstellung „Story of the Forest„. Bei dieser riesigen Kunstinstallation werden per Computersimulation Szenen aus einem tropischen  (Comic-)Regenwald gezeigt – in einer Art Planetarium. Was soll ich sagen: eine Stunde verbringen wir dort, Titus sitzt wie gebannt auf dem Boden und erzählt Geschichten zu den Tieren und Pflanzen, die leicht mystische Atmosphäre nimmt ihn völlig gefangen und mich erinnern die Bilder und die Musik dazu an ein Art LSD-Trip. Wow.

Als wir den Ausstellungssaal verlassen, hören wir Kinderstimmen und Musik. Da ist natürlich mein Sohn nicht zu halten, und so lauschen wir dem Konzert einer Singapurer Grundschule im kleinen Konzertsaal mitten im Museum. Dieser wird jeden Freitag nachmittag von einer anderen ortsansässigen Schule bespielt, und die heute auftretende Schülerschar ergeht sich in indischen Tänzen und einer Chordarbietung mit typischem Nationalstolz.

Titus klatscht begeisterter als alle anwesenden Eltern zusammen und ist gerade noch davon abzuhalten, mit auf die Bühne zu gehen.

Zu guter Letzt besuchen wir noch die Ausstellung „Singapore History Gallery“ und arbeiten uns durch die Geschichte der Stadt von 1200 bis heute. Auch dieser Teil des Museums ist äußerst spannend aufbereitet, nie gibt es ein „Zuviel“ an Informationen, und auch wenn wir natürlich vieles nur im Vorübergehen sehen, bleibt bei mir erstaunlich viel hängen. Immer wieder gibt es Video-Installationen, wo man kurz eine Verschnaufpause auf einem gemütlichen Sofa machen kann. Eine Abteilung über Singapurs Parks besteht aus einem großen, künstlichen Rasen-Teppich mit künstlichem Baum, in den zig Monitore gehängt sind, auf dem die heimischen Tierarten per Videoaufnahmen zu sehen sind. Allein hier sitzen wir sicherlich 20 Minuten.

Um kurz nach 18 Uhr verlassen wir – nach 3 Stunden – das Museum. Von den Ausstellung haben wir nur einen Bruchteil gesehen, aber es reicht erst einmal völlig und wir müssen wiederkommen. Zumindest sagt Titus bereits auf dem Weg zur Bushaltestelle: „Das nächste Mal nehmen wir den Papa mit, denn hier will ich nochmal hin.“
Ich muss zugeben, dass ich nicht so recht wusste, ob ein Museumsbesuch mit 3jährigem Kind eine gute Idee ist, deshalb habe ich Titus auf dem Weg dorthin noch ein bisschen die wichtigsten Verhaltensregeln eingeimpft. Doch das hätte ich mir sparen können: er war so angetan von dem Dargebotenen und die Atmosphäre dort war so entspannt, dass wir einfach einen rundum netten und spannenden Nachmittag verbracht haben.

Nun knurrt aber der Magen, und wir holen Norman vom Büro ab und marschieren mit ihm drei Häuserblöcke weiter in ein kleines, aber feines koreanisches Restaurant. Dort gibt es Bibimbap mit allem drum und dran und ungefähr dem leckersten Kimchi aller Zeiten.

 Leider verschmäht Titus sämtliches Essen, quengelt noch zwei Minuten, und ein paar Sekunden später schnarcht er bereits auf meinem Schoß. 

Huch, der scheint völlig erledigt zu sein – das hat er in seinen drei Lebensjahren noch überhaupt nie gemacht, dass er abends woanders als im Bett eingeschlafen ist.
Wir verfrachten ihn im Tiefschlaf zuerst ins Taxi und dann zuhause ins Kinderzimmer und genießen den unerwartet frühen freien Abend mit Telefonaten, Tatort-Gucken und Lesen.
Als ich mir ein Getränk holen will, erschrecken sich der Gecko in unserer Küche und ich gleichermaßen…

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