Kühltechnik und Lesestoff

Kühltechnik und Lesestoff

Heute um 10:30 Uhr klingelt es an der Tür – oder genauer gesagt: an meinem Handy. Da ich keine Rufnummernerkennung habe (die kostet in Singapur nämlich 5 S$ zusätzlich im Monat), dauert es eine Weile, bis ich dahinterkomme, dass mal wieder jemand vor der Tür steht.
Auch so eine Sache, die nicht so praktisch ist: dass die Türklingel über mein Handy zu bedienen ist.

Auf jeden Fall öffne ich dann per Tastendruck die Tür, und kurz darauf steht der Hitachi-Mechaniker vor mir, der sich unseres dauer-wasserlachen-produzierenden Riesen-Kühlschranks annimmt.
Wie immer ist es meine Aufgabe, sich um die Belange der Handwerker und Wohnungseinrichtung zu kümmern. Im Gegensatz zu allen anderen Handwerkern spricht dieser aber ein sehr gut verständliches Englisch, und nach nur einer Stunde und bergeweise nassen Putzlappen bin ich firm in sämtlichen Fachtermini zur Kühltechnik.

Danach muss ich erst einmal zum Sport und laufe im Gym, während der Regen in Sturzbächen von den Scheiben fließt. Wenn ich so aus dem Fenster schaut und das graue Schmuddelwetter draußen sehe, während mir die Klimaanlage 19 Grad kalte Luft um die Ohren pustet, denke ich jedes Mal: „Oh, sieht kalt aus draußen, heute muss ich bestimmt einen Pulli anziehen.“
Doch kaum verlasse ich den Raum und stehe draußen auf der Brücke oder auf dem Balkon oder auf der Straße, stelle ich fest: selbst bei Dauerregen reicht das T-Shirt und die kurze Hose völlig aus.
Da ist man als Mitteleuropäer einfach völlig falsch konditioniert!

Nach dem ich äußerst widerwillig den Putzlappen – und noch viel schlimmer: den Wischmop! – geschwungen habe und zum zweiten Mal am Tag klitschnass geschwitzt bin, hole ich Titus vom Kindergarten ab.
Leider gestaltet sich die Suche nach einer wunderbaren und bezahlbaren Putzfee weiterhin als schwierig, also: falls wer jemanden kennt, der jemanden kennt, der in Singapur lebt und jemanden empfehlen kann – her damit!
Titus läuft mir freudig entgegen – zum Glück, denn heute morgen beim Verabschieden gab es zum ersten Mal Tränen und auch wenn ich weiß, dass er sich sicher sofort wieder beruhigt, sobald ich weg bin, hängt mir das ganz schön nach, wenn ich das weinende Kind rigoros und schnellstmöglich verlassen muss.
Die Gruppenleiterin, Miss Poojah, mailt mir gleich im Anschluss ein paar nette Fotos vom heutigen Morgenkreis mit dem Thema „Meine Familie“. Da sieht das Kind nicht mehr ganz so unglücklich aus, und ich bin erleichtert.

Wir steigen draußen in den Bus und lassen uns nach Toa Payoh kutschieren, um endlich mal wieder einen ausgiebigen Besuch in der Stadtbibliothek zu machen. Genau das richtige bei Dauerregen, wie auch in München! Da ich dank meiner prima Blog-Leser und -kommentaren bestens mit Buchtipps ausgestattet bin, werden wir diesmal schnell fündig, lesen dann noch einfach viel von den herumliegenden Büchern kreuz und quer und finden dabei noch so manche Schätze. 

Vollbepackt verlassen wir die Bibliothek, und obwohl mein Hackenporsche schon ganz schön schwer ist, kann ich nicht widerstehen und nutze die Gelegenheit, um mir den benachbarten „Giant„-Supermarkt anzuschauen.
„Giant“ ist so eine Art Billig-Supermarktkette, ähnlich wie Netto. Ziemlich schmuddelig, ziemlich eng und vollgestopft, aber es gibt einfach alles. Da die Preise tatsächlich einem Discounter entsprechen (zumindest für Singapur-Ansprüche), decken Titus und ich uns mit ein paar Vorräten ein. Denn solche Dinge wie Mehl, Zucker, Salz, Putzmittel, Öl,… –  also alles, was man normalerweise immer zuhause hat – müssen wir nach dem Umzug erst einmal wieder besorgen. Außerdem gibt es im „Giant“ eine riesige Auswahl an vegetarischen Tiefkühl-Gerichten, auch davon nehmen wir einiges mit – bei den „mock kidneys“ (veg. Nieren) und „mock livers“ (veg. Leber) verzichte ich aber.

Als wir an der Kasse stehen, kräht Titus der Kassiererin fröhlich „no bag, please“ entgegen – und ich bin kurz gerührt. Sein erster englischer Satz! Und dann noch so ein praktischer!
Das Einkaufswägelchen jedenfalls ist beim Heimweg so voll und schwer, dass ich es kaum in den Bus gehievt bekomme, und Titus schiebt fleißig mit, bis wir endlich unser Condo erreichen.
Zum dritten Mal heute muss ich unter die Dusche, und schon ist es dunkel draußen und der Tag ist vorbei. Sehr verlässlich geht hier in Singapur die Sonne übrigens jeden Abend um 19 Uhr unter und um 7 Uhr wieder auf – das ganze Jahr über. Auch so eine Sache, an die man sich gewöhnen muss!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »