„Die Hände zum Himmel!“ – Oktoberfest in Singapur

„Die Hände zum Himmel!“ – Oktoberfest in Singapur

Am Sonntag morgen machen wir uns schick – die ganze Familie legt Tracht an, Titus liebt seine Lederhos’n eh sehr und freut sich, dass er sie mal wieder anziehen darf.
Die Nachbarn und auch der Taxifahrer schauen uns mit großen Augen an, als wir das Haus verlassen und ins Auto einsteigen. Es geht nach Bukit Timah und dort bis zum Swiss Club.
Als wir aussteigen und die letzten 500m zum Festzelt zu Fuß gehen, trifft uns nicht nur die heiße Vormittagssonne, sondern wir beobachten neben uns im Gebüsch auch einen mittelgroßen Waran, der dort ganz ungeniert herumkriecht.

Um 11 Uhr kommen wir im Zelt an, dort ist es wenigstens einigermaßen kühl. Direkt neben dem Eingang können Kurzentschlossene noch die passende Kleidung erwerben, ein Stand vom Münchner Trachtenausstatter „Angermaier“ hat sich sehr geschäftstüchtig hier platziert.

Das Zelt füllt sich nur langsam, der „Frühshoppen“ am Sonntag Vormittag ist offenbar nicht ganz so begehrt wie die Abendtermine. Immerhin ist im stolzen Eintrittspreis von 60 S$ für die ganze Familie das Essen vom Buffet enthalten, und so laden wir uns erst einmal die Teller voller Krautsalat, Brezn, Spätzle und Norman holt sich natürlich ganz stilecht Weißwürste.
Dazu trinken wir ein Erdinger-Bier, das preislich deutlich über den diesjährigen Bierpreisen auf der Wiesn liegt. Na Prost!

 

Die Dirndl-Dichte ist überschaubar, höchstens ein Drittel der inzwischen eingetroffenen Besucher sind in Tracht gekleidet, auch wenn tatsächlich die Mehrheit aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz zu sein scheint.
Sehr beeindruckend dagegen sind die Toiletten – so sauber habe ich noch keine auf dem Oktoberfest gesehen. Sogar Schminktische gibt es, und Blumenschmuck!

Bald betritt die Garmischer Blaskapelle die Bühne, der Chef der Truppe begrüßt in kernigem Bayrisch die Anwesenden, schiebt aber gleich die englische Übersetzung hinterher. Los geht’s mit dem Kinderprogramm: es wird geschuhplattelt, Ententanz und Polonaise dürfen nicht fehlen, ebenso wenig natürlich das „Fliegerlied“ und andere Kinderhits.

 

Überhaupt ist diese Veranstaltung sehr kinderfreundlich: mitten im Bierzelt stehen gleich zwei Hüpfburgen, es gibt Stände mit Gratis-Zuckerwatte und gebrannten Mandeln, außerdem Luftballons und Kinderschminken, und dementsprechend wuseln auch hunderte von Kindern aller Alterklassen umher, während die ganz Kleinen in den zig in den Gängen geparkten Kinderwägen schlummern.
Titus ist begeistert von der Hüpfburg, beim Tanzen hält er sich eher zurück, verlangt aber bald eine neue Portion Spätzle und schaut fasziniert der Zaubershow zu.

Gegen 14 Uhr wird’s zu laut und zu heiß und wir haben genug vom Trubel. Per Taxi geht es nach Hause, wo wir uns erst einmal leichtere Klamotten überwerfen und zusammen den neu erstandenen Schreibtisch aufbauen. Den Rest des Nachmittags verbringen wir am Pool, heute sind einige Nachbarn mit Kindern da, und wir plaudern ein wenig. Titus schwimmt inzwischen selbst im großen Becken sehr mutig, und ich überlege, ab wann es Zeit für richtigen Schwimmunterricht ist?

Zum Abendessen werfe ich für Pad Thai die frischen Nudeln und den Tempeh vom Markt in den Wok, und zumindest ich bin sehr begeistert davon. Titus wird bald ins Bett gesteckt, er hustet ein bisschen und ist vom Oktoberfest-Trubel und Schwimmen erledigt. Norman und ich schauen noch eine alte „Tatort“-Folge, bis er um 22 Uhr Richtung Flughafen aufbricht, denn mitten in der Nacht geht es für ihn nach Sydney.

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