Der Alltag kehrt ein

Der Alltag kehrt ein

Da das Kindergartenkind bereits am zweiten Tag von Papa in den Kindergarten gebracht werden wollte, hatte ich unfassbarerweise vier (!) ganze Stunden für mich alleine. Zum ersten Mal seit fast 6 Wochen! Ich stellte mir einen Wecker, lud ein paar Podcasts herunter (meine aktuelle Hörempfehlung: Deutschlandfunk Einhundert) und packte an. Und um. Und aus. Eine Stunde Kinderzimmer, eine Stunde Küche, eine Stunde Kleiderschrank, die Fahrräder montieren und in die Tiefgarage bringen, dann noch schnell ein kaltes Mittagessen und schon war es Zeit, Titus abzuholen. Der erwartete mich schon ganz vergnügt, offenbar scheint es ihm in der „Starfish“-Gruppe wirklich zu gefallen.
Am Nachmittag staunte ich dann wieder über Singapurer Pünktlichkeit. Wie vereinbart, stand um kurz nach halb vier der Angestellte von Singtel vor der Tür, um unseren Internetanschluss zu aktivieren. Brav zog er – wie alle hier – seine Schuhe vor der Tür aus, dann verkabelte er den Router und richtete das WLAN ein, und verabschiedete sich nach gut 10 Minuten wieder. Was soll ich sagen: alles funktioniert so, wie es soll.
Und „endlich“ können wir in der neuen Wohnung nun auch Kinderlieder-Youtube-Videos angucken. Aktuell hoch im Kurs: „Die Piraten“ (Wise Guys) und „Die Kuh wollt ins Kino geh’n“ (Sternschnuppe).
Immerhin konnte ich Titus noch zu einem Spaziergang um den Block und einen Abstecher auf den Spielplatz überreden. Während dort vormittags oder mittags kein Mensch (und v.a. kein Kind) ist, turnten dort am späten Nachmittag sicher 30 Kinder herum. Ich hoffte auf einen netten Plausch mit einer anderen Mama, um gleich ein bisschen die Nachbarschaft abzuchecken, musste aber feststellen, dass außer Titus sämtliche anderen Kinder in Begleitung ihrer (meist philippinischen oder nepalesischen) Nannys waren. Die bleiben lieber unter sich bzw. sprechen kaum Englisch. Kein Spielplatz-Smalltalk für mich also, aber zumindest Titus hatte schnell einen deutschen Buben ausfindig gemacht, und zusammen eroberten die beiden dann die Rutsche.

Auf dem Heimweg liefen wir auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums vorbei und beobachteten, wie dort (und auch an einigen anderen Stellen entlang der Straße) eine Zeremonie abgehalten wurde, bei dem eine Art „Spielgeld“ verbrannt wurde. Dazu gab es Tische voller Opfergaben und große Mengen Räucherstäbchen. Auf Nachfragen wurde mir erklärt, dass ja momentan noch bis zum 19. September das „Fest der Hungergeister“ stattfinde. Hier gedenken die Buddhisten der Verstorbenen, verbrennen sog. „joss paper“ (= Geld, damit es sich der Verstorbene im Jenseits gutgehen lassen kann) und sorgen so dafür, dass die „Hungergeister“ in die Unterwelt zurückkehren.

Eine Weile sahen wir dem Treiben zu, und ich nehme mir vor, noch bis zum Ende des Fest-Monats einen der großen buddhistischen Tempel der Stadt zu besuchen.
Doch nun knurrte uns erst einmal der Magen. Da wir nun endlich wieder über unsere sämtlichen Küchenutensilien und auch die gute KitchenAid verfügen, verlangte Titus zum Abendessen Karottensalat.  Noch während wir alles vorbereiteten, klingelte es, und ein freundicher Bote brachte mir die gestern bestellte Kohlensäure-Patrone für unseren Wassersprudler bis an die Wohnungstür. Wie vorab per SMS angekündigt, auf die Minute pünktlich.
Abendessen mussten Titus und ich alleine, denn Norman war zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Weg zum Flughafen; die Chorprobe musste ich also wohl ober übel schwänzen. Doch Kindergarten scheint sehr müde zu machen, denn der Junior verlangte bereits um viertel nach 7 dringend nach dem Bett. So hatte ich völlig unverhofft einen sehr, sehr ruhigen Abend – den ich mit Hemden-Bügeln und „Tatort“-Schauen verbrachte.
Heute morgen wachte Titus erst nach über 12 Stunden Durchschlafen nach 8 Uhr auf, mit bester Laune, und wir marschierten bei strömendem Regen hinüber in den KiGa. Selbst bei Regen ist warm draußen, Flip-Flops sind die besten Schuhe bei so einem Wetter, und eine Jacke braucht man nicht, nur einen Regenschirm!
Im Kindergarten folgte erst einmal die tägliche Temperaturkontrolle der Kinder mit anschließendem Hände-Desinfizieren – auf Gesundheit wird offenbar viel Wert gelegt.
Ich konnte zurück daheim den Luxus des Allein-Seins genießen und legte eine lange Laufrunde ein, anschließend gab’s einen zweiten Kaffee und dann machte ich mich daran, das Arbeitszimmer in eine halbwegs übersichtliche Form zu bringen. Endlich konnten ich auch den ganzen Papierkram abheften, der sich in den letzten 8 Wochen angesammelt hatte, nachdem ich die dazugehörigen Ordner ausfindig gemacht und einsortiert hatte. Die ganze Herum-Räumerei dauerte tatsächlich bis fast 15 Uhr, und nach einem schnellen Abstecher zur Post eilte ich los, um Titus abzuholen.
Der spielte gerade ganz einträchtig mit den anderen Kindern und verabschiedete sich ganz routiniert von seinen Erzieherinnen. Auf Englisch.
Auf dem Heimweg erzählte er mir von seinem Tag, und irgendwie kamen wir auf das Thema Abendessen und Pizza – was dazu führte, dass wir kurz darauf im Supermarkt an der Kasse standen, mit Mozzarella, Tomatensauce und Mehl im Einkaufswagen. Unsere erste selbstgebackene Pizza in der neuen Wohnung schmeckte dann tatsächlich hervorragend!
Wie aufmerksame Leser an diesem Post herauslesen können, kehrt bei uns tatsächlich so langsam der Alltag ein. So negativ für mich manchmal eingefahrene Routinen und „Alltag“ sind, so positiv finde ich es momentan, dass wir so langsam wieder einen Tagesplan haben!

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