Bei den Elefanten – Bukit Lawang

Bei den Elefanten – Bukit Lawang

Auch am Samstag haben wir „Tiere“ auf dem Programm stehen, und werden praktischerweise direkt nach dem Aufwachen von einer Affenbande, die über unsere Hütte tobt, beehrt. Noch im Bett liegend können wir ihre waghalsigen Sprünge beobachten – so einen Ausblick hat man nicht jeden Tag.
Doch damit nicht genug, es müssen noch größere Tiere her, und so setzen wir uns nach dem Frühstück und dem Marsch über die wackelige Hängebrücke mit unserem Fahrer in den Geländewagen.
Er prophezeit uns eine „rumpelige“ Fahrt, doch muss er zuerst noch tanken. Also düst er mit uns ins nächste Dorf und hält dort an der „Tankstelle“ an, wo wir mit großen Augen zugucken, wie er das in Flaschen abgefüllte Benzin in den Tank kippt. Im Lädchen nebendran scheint der örtliche Schneider seine Niederlassung zu haben, der steht aber lieber neben der besagten „Tankstelle“ und raucht gemütlich.

Kurz nach dem Ortsende hört die asphaltierte Straße auf und es geht nur noch über Schotterpisten. Ganze Kuhherden marschieren darauf, und Titus ist maßlos begeistert, dass man die Viecher nur durch Dauerhupen davon überzeugen kann, an den Straßenrand zu gehen. Unsere Route führt mitten durch schier endlose Ölpalmen-Plantagen. Waren wir gestern noch im verbleibenden Rest „richtigem Urwald“, sehen wir hier und heute das Ergebnis aus dem Vormarsch der Palmöl-Industrie. Eine Palme reiht sich an die nächste, mühsam müssen die Früchte von Hand geernet und viele Kilometer weit in die Presse gebracht werden, um pro Kilo umgerechnet ein paar Cent daran zu verdienen. In die Plantagen wächst außer ein paar kleinen Bananenstauden nichts, nur die Kühe fressen vom bisschen Gras, andere Tiere gibt es nicht (mehr).
Oben auf einem Hügel machen wir eine kurze Rast, wir haben einen schönen Ausblick, nur ein dichtes grünes Blätterdach ist zu sehen. Was von oben betrachtet wie wilde Natur aussieht, ist aber auch alles nur: Plantagen für Palmöl.

Während wir weiter bei maximal 30 km/h durchgeschüttelt werden, passieren wir kleine Dörfchen, in denen die Hühner und Ferkel gackernd über die Straße rennen. Die Bewohner flechten Körbe, ernten, spielen mit den Kindern oder fegen mit Reisigbesen die Terrasse. Hibiskus und Bougainvillea blühen im Übermaß, Avocado-, Mango- und Papayabäume tragen Früchte, die Bananen hängen in dicken Stauden von den Palmen.
Knatternd rasen Mopeds und kleine Motorräder in rasantem Tempo an uns vorbei, meist zu dritt oder gar zu viert auf der schmalen Sitzbank. Fahrer und Mitfahrer brausen natürlich ohne Helm über die Schlaglöcher, halten dabei Kinder und Babys in den Armen.
Wir passieren eine große Palmöl-Fabrik, die mitten in den großen Feldern steht und aus deren Schlot dicker, schwarzer Rauch quillt, ungefiltert sicherlich.
Die zwei-einhalb-stündige Fahrt zieht sich durch das ewige Gerüttel hin, doch Titus ist beeindruckend gut gelaunt und lässt sich durch die vielen interessanten Ausblicke nach draußen und ganz am Ende auch mit Hörbüchern aus dem Ipod bestens ablenken. Zur Mittagszeit erreichen wir Tangkahan, einen Teil des Gunang-Leuser-Nationalparks. Hier gibt es die sogenannten „Jungle Patrol Elephants“, also Elefanten, die mit ihren Führern im Nationalpark patroullieren und Wilderer aufspüren. Auf dem Parkplatz stehen zig Autos, es gibt einige Essenstände und Buden, doch scheint man hier eher wenig „westliche“ Touristen zu sehen, denn wir werden ganz schön bestaunt – und Titus natürlich wieder unentwegt fotografiert.
Nachdem wir uns mit erfundenen Pass-Daten (leider haben wir unsere Reisepässe nicht dabei) an der Kasse angemeldet haben, knurrt der Magen, und unser zugeteilter Führer schleppt uns in die nächste Imbissbude, wo wir uns ein paar vegetarische Gerichte schmecken lassen, während uns die Katzen um die Beine streichen.
Endlich kann es losgehen – über eine wackelige Hängebrücke geht es über den Buluh River. Titus greift routiniert nach der Hand unseres Guides und lässt sich von ihm die steile Uferböschung hinunterhelfen. Hier ist ein unfassbarer Lärmpegel: die ganze Sumatra-Bevölkerung scheint sich versammelt zu haben, um dem Volksvergnügen zu frönen. Hierbei lässt man sich auf großen Gummireifen den Fluss hinuntertreiben und läuft dann am flachen Ufer wieder zurück. Nabada auf indonesisch quasi.
Die Mädchen und Frauen im muslimischen Indonesien baden natürlich in voller Bekleidung und mit Schleier, kreischen dafür aber umso lauter. Die Begeisterung erreicht ihren Höhepunkt, als plötzlich ein großer Elefant am Ufer entlangtrabt und direkt vor uns zum Stehen kommt. Über eine extra dafür gebaute Treppe steigen wir auf den Elefantenrücken. Vorne am Kopf sitzt der Mahout, also der Elefantenführer, dahinter auf einem schmalen Bänkchen Titus, dann ich und hinten Norman. Quer durch den Fluss geht es, und anschließend steil die Böschung hinauf. Titus ist ganz andächtig und kommentiert jede Bewegung: „Jetzt hat er mit den Ohren gewedelt“, „Jetzt hat er mit dem Rüssel ein Blatt abgerupft.“, und ich bin hingerissen, wie vorsichtig und trittsicher so ein großes Tier ist. Mitten durch den Urwald geht es, immer entlang eines schmalen Trampelpfades. Fliegen umschwirren uns, wir sehen Eidechsen und Affen, während wir uns unter Ästen von Eukalyptusbäumen ducken.
Nach einer Stunde erreichen wir wieder den Fluss und wieder geht es mitten hindurch auf die andere Seite. Ein bisschen nass werden wir, als der Elefant mit dem Rüssel das Wasser hochspritzt, aber bei der Nachmittagshitze ist das nicht schlimm. Viel zu schnell ist unser Ausflug vorbei, und wir müssen absteigen. Nach einer kurzen Verschnaufpause dürfen wir nun alle Elefanten (6 Ausgewachsene und 3 Babys) sehen, die alle zum Ufer kommen, um ihr tägliches Bad zu nehmen. Eine riesige Menschenmenge ist versammelt, und als die Elefanten ins Wasser gewatet sind und sich mit sichtlichem Vergnügen untergetaucht haben, dürfen wir mit einer Bürste bewaffnet hin und die runzelige Elefantenhaut abbürsten. Titus ist anfangs sehr skeptisch, doch nachdem er ein bisschen zugeschaut hat, will er auch mal, und wagt sich vorsichtig zum Kopf „unserer“ Elefantendame.
Es dauert ganz schön lange, bis so ein großes Tier rundum sauber ist! Zur Belohnung dürfen wir noch Berge an Zuckerrohr, Bananen und Kürbisstücken an die Elefanten verfüttern, die ganz schön gierig sind und immer wieder mit ihren Rüsseln stupsen, um noch mehr zu bekommen. Titus steht neben mir und erschreckt sich ganz schön, als er plötzlich von hinten von einem Babyelefanten auf Futtersuche angerüsselt wird…

Gegen halb fünf machen wir uns auf den langen Rückweg, es dämmert bald und der Weg scheint endlos zu sein. Die ganze Zeit überlege ich, was wir machen, sollte Titus so spät nachmittags noch einschlafen, doch die Sorge hätte ich mir sparen können: das Kind ist selig und bestens gelaunt und verlangt, dass Norman sich Orang-Utan- und Elefantengeschichten ausdenkt. Im Stockfinstern erreichen wir um 19 Uhr unser Guesthouse und ordern direkt das Abendessen. Mit Nudelsuppe im Bauch schläft Titus praktisch sofort danach im Bett ein, und Norman holt derweil noch ein Bier, dass wir auf unserer Terrasse genießen. Der Fluss rauscht, die Grillen zirpen, die Geckos sausen an der Wand hin und her, und aus dem Dorf schallt Live-Musik herüber – ein echtes Paradies!

Der Abschied am Sonntag fällt dann auch schwer, vor allem, weil die 4stündige Fahrt zurück nach Medan vor uns liegt. Titus spielt noch eine Runde mit den Söhnen der Guesthouse-Mitarbeiter.

Gegen 8 Uhr brechen wir auf, müssen aber bereits nach gut einer Stunde den ersten Stopp am Straßenrand einlegen, da Titus mal wieder von Reiseübelkeit geplagt wird und sich erst einmal des Frühstücks entledigt. Wir sind da ja schon sehr routiniert, und so kommt zumindest das Auto-Innere nicht zu Schaden, und die Fahrt kann weitergehen – diesmal darf das Kind auf Papas Schoss auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, und dort geht es deutlich besser. Heute, am Sonntag, ist deutlich weniger Verkehr als am vergangenen Donnerstag, und so brauchen wir für die etwa 120 km „nur“ 3 1/2 Stunden. Die Straße ist zum Glück größtenteils asphaltiert, und es gibt nur einmal einen kleinen Stau, als ein großer LKW versucht, unter den tief hängenden Telefonkabeln durchzufahren und diese dann erst einmal mit Stöcken nach oben gehalten werden müssen.
Genau rechtzeitig zum CheckIn erreichen wir den Flughafen Kualanamu und landen auf die Minute pünktlich um 16 Uhr Ortszeit wieder in Singapur. Norman fotografiert während des Flugs sämtliche vorgeschlagenen indonesischen Reiseziele aus dem Bordfernsehen ab, denn nach Indonesien kommen wir sicherilch bald wieder!
Schon auf der Flughafentoilette ist der Unterschied zu Sumatra deutlich – so blitzsauber und luxuriös ging es die letzten drei Tage nicht zu!
Dank Titus, der wieder den ganzen Flug über gestrahlt und ununterbrochen erzählt hat, dürfen wir ohne zu Warten durch die Passkontrolle und sind mit dem Taxi schnell zuhause. Tatsächlich fühlt es sich an wie „Nach Hause kommen“, als wir unsere Wohnung betreten. Norman, der ja seit der Wohnungsbesichtigung vor drei Wochen nicht mehr hier war, bekommt von Titus erst einmal eine Hausführung und verschwindet mit dem Kind in den Pool, während ich hektisch die ganzen Sachen suche, die Titus morgen zum ersten Kindergartentag mitbringen muss.
Als ich endlich Decke, Kissen, Badehose, Handtuch, Rucksack, Trinkflasche etc. beisammen habe, geht die Suche nach den Namensetiketten los, dann die nach dem Bügeleisen. In der Zwischenzeit hat Norman bereits vom Einkaufszentrum gegenüber Essen geholt, und sobald Titus todmüde zum ersten Mal in seinem neuen Kinderbett im neuen Kinderzimmer schläft, haben wir endlich Zeit, das Aller-Notwendigste einzuräumen und zu sortieren. Auch der Fisch, der tatsächlich unsere dreitägige Abwesenheit überlegt habt, will versorgt werden und schwimmt wie wild durch das Aquarium, als ich ihn füttere. Schön, wenn man zuhause erwartet wird!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »