Ausflug nach Kusu Island

Ausflug nach Kusu Island

„Hoch die Hände, Wochenende!“, ist wohl mein erster Gedanke, als ich von lautem Donnergrollen geweckt werde und aus dem Augenwinkel sehe, das es schon hell draußen ist. Eine dicke Gewitterwolke scheint sich direkt über uns zu entladen und durch den Krach werden auch Norman und Titus so langsam wach. Titus ist zum einen bestens gelaunt nach über 12 Stunden Schlaf und hat zum anderen einen Bärenhunger, da er am Abend zuvor ja das Abendessen verschmäht hat.
Also gibt es ein großes Frühstück, und als wir abspülen wollen, stellen wir fest, dass wir kein warmes Wasser mehr haben. Der Hausverwalter-Jüngling ist verschnarcht und unkooperativ wie erwartet, und so vertagen wir das Problem und marschieren um kurz vor 10 Uhr mit voll gepackten Rucksäcken los zur U-Bahn-Station.

Von dort aus geht es in nur 8 Stationen bis zum Marina South Pier und dem dortigen Fähranleger. Widersprüchliche Quellen im Internet und auf Infotafeln verwirren uns völlig, aber die Dame am Ticketschalter teilt uns freudig mit, dass wir in 10 Minuten das Boot nach Kusu Island besteigen können. Wunderbar!
Ich hole mir noch schnell einen Eiskaffee zum Schnäppchenpreis von $1.30 und schon besteigen wir das Schiffchen und legen ab. 

Mit bestem Blick auf den Financial District und Normans Büro düsen wir an unfassbar großen Containerschiffen vorbei zunächst nach St. John’s Island und dann weiter nach Kusu, das wir nach gut 45 Minuten Gesamtfahrzeit erreichen. Titus ist selig, er ist ein begeisterter Seefahrer und klebt praktisch an der Fensterscheibe.

Die winzig kleine Insel ist praktisch menschenleer, außer ist steigt kaum jemand hier aus.Wie überall in Singapur ist es sauber und ordentlich, selbst die Natur beugt sich dem menschlichen Diktat. Die Insel wurde in den 70er Jahren durch Aufschüttung „erbaut“ und ist seitdem ein beliebtes Wochenend-Ausflugsziel. Nur heute scheinen wir die einzigen zu sein, und das einzige, das stört, sind die über uns hinwegdonnernden Kampfflieger.

Da es bereits Mittag ist, decken wir einen der unzähligen Tische und machen Picknick. Titus ist aber so abgelenkt von dem kleinen Schildkröten-Teich, dass er kaum ans Essen denkt. 

Ich werde derweil fast von einer herabfallenden „See-Mango“ erschlagen und nutze den Wink, um mich ein wenig über dieses seltsame Gewächs schlau zu machen. Hochinteressant, dieser „Selbstmordbaum“ – falls jemand mal so eine Frucht braucht, gebt Bescheid…

Norman hat heute die „augmented reality„-Funktion des Übersetzungsprogramms seines Handys entdeckt und lässt sich nun verzückt bei jedem chinesischen Schild den Text ins Bild auf seinem Display einblenden. Er nötigt mich zum Beweis dann zu folgendem Foto:

Das Inselchen kann in gut 20 Minuten zu Fuß umrundet werden, es gibt neben den vielen Picknickplätzen ein paar hübsche Strände, und außerdem einen kleinen „Keramat“ (malayischer Schrein) oben auf einem Hügel. Dazu erklimmen wir 152 Stufen (die natürlich alle genauestens gezählt werden müssen), und oben zünden wir ein paar Räucherstäbchen an und hoffen damit auf ein glückliches Familienleben auch in Zukunft.

Auf der anderen Inselseite steht zudem noch der kleine, taoistische Da Bo Gong-Tempel, der mit seinen verspielten Statuen zu Kletterpartien lockt und völlig verlassen da liegt. Kaum vorstellbar, dass hier zu bestimmten religiösen Terminen tausende von Gläubigen auf die Insel pilgern.

Denn momentan ist wunderschön ruhig hier, nur von Fern tuten die Container-Riesen bei der Einfahrt Richtung Singapur-Hafen, es weht ein leichtes Lüftchen und es ist auch gar nicht mal so heiß heute. Herrlich! Man könnte im Prinzip auf ewig hierbleiben, doch so richtig was zu tun gibt es nicht.

Also besteigen wir gegen halb drei die Fähre zurück und sind bereits um kurz nach 15 Uhr wieder am Festland angekommen. Das war ein deutlich kürzerer Ausflug als geplant!

Als brave Staatsbürger haben wir nicht nur gestern unsere Briefwahlunterlagen in den Briefkasten Richtung Deutschland gesteckt, sondern wollen auch noch dringend dem Staat Singapur unsere neue Anschrift mitteilen – denn gemeldet sind wir bislang noch in unserem möblierten Apartment. Dies kann man, wie ich nach längerer Recherche herausfinde, bei jeder beliebigen Polizeistation. Also statten wir den gelangweilt wirkenden Herrschaften in der Orchard Police Station einen Besuch ab und erklären unser Anliegen. Die winken aber nur ab – denn wir sind ja keine „permanent residents“, sondern haben nur eine befristete Aufenthaltsgenehmigung, und für die Änderung dieser Daten sind sie nicht zuständig, sondern Normans Arbeitgeber. Schade, diesen Punkt hätte ich so gerne heute noch erledigt!

Dann bohren wir halt völlig unerlaubterweise zuhause noch zwei Regale an die Wand und gucken anschließend im trauten Familienkreis per Live-Stream im BR den Einzug der Wiesnwirte. 

Ein bisschen rührselig werde ich da schon, als wir Titus eklären, was es mit den ganzen Pferden, Bierfässern, Musikkapellen und dem „Anstich“ auf sich hat. Als ich aber sehe, wie scheußlich das Wetter zu sein scheint, freue ich mich lieber darüber, dass wir auf dem Balkon zu Abend essen können.
Immer noch haben wir kein warmes Wasser, also wir ganz campingmäßig Wasser auf dem Gasherd erhitzt und dann damit abgespült. Das ist aber kein Dauerzustand, da müssen wir wohl oder übel wieder einmal unsere Maklerin Charissa belästigen, denn die ist für die gesamte Mietdauer über weiter unsere Ansprechpartnerin für alle Probleme in und mit der Wohnung…

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